Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community

Autonomous versus Sovereignty

Ist autonomes Denken und Handeln nur eine andere Bezeichnung für Souveränität? Die vielen Begrifflichkeiten bereiten mir Kopfschmerzen: Warum sind SAP-Marketing und ERP-Angebote nicht deckungsgleich?
no-name
10. Juni 2026
avatar

Die aggressive Transformationstaktik des Walldorfer Softwarekonzerns zwingt SAP-Bestandskunden derzeit in einen architektonischen und kaufmännischen Richtungsstreit, bei dem die viel gepriesene Cloud-Utopie bei kritischer Betrachtung tiefe Risse offenbart. Wenn wir die Betriebsmodelle für ECC 6.0 und S/4 analysieren, entpuppt sich die von SAP präferierte Public Cloud für die Mehrheit meiner Stammtischschwestern und -brüder als weder vernünftig noch wirtschaftlich und schon gar nicht als Garant für digitale Souveränität.

Eine Umfrage der internationalen Anwendervereine, allen voran der DSAG, belegt, dass die Public Cloud im komplexen ERP-Umfeld ein Randphänomen bleibt, das operativ bei lediglich einem bis sechs Prozent liegt, während 78 Prozent der Unternehmen auf hybride On-prem- und Cloud-Landschaften setzen. Die Auslagerung des geschäftskritischen Herzstücks eines Unternehmens zu globalen Hyperscalern aus den USA birgt hinsichtlich der Souveränität massive Risiken, da Gesetzeswerke wie der US Cloud Act europäische Datenschutzrichtlinien (DSGVO) aushebeln können. Die Private Cloud bietet zwar mehr architektonischen Spielraum, bedeutet aber bei einem Betrieb durch SAP (Rise with SAP) dennoch den Gang in ein starres Subskriptionskorsett, weshalb der klassische On-prem-Betrieb für über die Hälfte der Bestandskunden weiterhin das strategische Mittel der Wahl bleibt.

Glücklicherweise sind SAP-Bestandskunden diesem Cloud-Diktat nicht wehrlos ausgeliefert, denn es existieren hochgradig potente und souveräne Alternativen abseits der reinen SAP-Cloud-Doktrin. Anstatt sich in einen weitreichenden Vendor-Lock-in zu begeben, setzen aufgeklärte CIOs auf Konzepte wie das Composable ERP, bei dem ein stabiler On-prem-Kern über unabhängige Integrationsplattformen wie Boomi mit Best-of-Breed-Lösungen flexibel orchestriert wird. Eine weitere exzellente Alternative bieten On-prem-Cloud-Modelle wie HPE GreenLake, die es ermöglichen, die Elastizität, das Pay-as-you-go-Abrechnungsmodell und die Agilität der Cloud direkt in das eigene, physisch kontrollierte Rechenzentrum zu holen, womit die digitale Souveränität kompromisslos gewahrt bleibt, ohne auf moderne Cloud-Funktionalitäten verzichten zu müssen. Für Unternehmen, die den künstlich erzeugten Zeitdruck der S/4-Migration durchbrechen wollen, positionieren sich zudem Drittwartungsanbieter wie Rimini Street als strategische Befreier, die den Lebenszyklus stabiler ECC-6.0-Systeme kosteneffizient verlängern.

Ein zentrales Narrativ des SAP-Marketings lautet, dass künstliche Intelligenz und autonome KI-Agenten zwingend das Cloud Computing der SAP voraussetzen, was bei genauer Prüfung jedoch als plumpe vertriebliche Desinformation entlarvt wird. Technisch betrachtet benötigt künstliche Intelligenz lediglich strukturierte Daten, Rechenleistung und Algorithmen. Pioniere der Agentic AI, wie beispielsweise Nova Intelligence, beweisen eindrucksvoll, dass autonome KI-Agenten historischen SAP-Custom-Code analysieren und Clean-Core-konform transformieren können, indem sie die Semantik der SAP-Architektur nativ entschlüsseln, und zwar völlig unabhängig von den kommerziellen Cloud-Vorgaben der Walldorfer.

Die Haltung der SAP zu KI und On-prem glich in der jüngeren Vergangenheit jedoch einer offenen Erpressung der eigenen Kundschaft. Im Sommer 2023 verkündete SAP-Chef Christian Klein, dass revolutionäre Neuerungen wie der KI-Assistent Joule oder der Green Ledger ausschließlich Kunden mit Rise- oder Grow-Cloud-Verträgen zugänglich gemacht würden, womit treue On-prem-Kunden de facto von der technischen Evolution abgeschnitten werden sollten. SAP-Vorstandsmitglied Thomas Saueressig diffamierte den Versuch, moderne KI-Dienste mit lokalen On-prem-Systemen zu verbinden, in einem Interview sogar als veraltete „Frankenstein-Architektur“. Erst nach massiven Protesten und einem beispiellosen Vertrauensverlust ruderte SAP teilweise zurück und ermöglichte unter strikten vertraglichen Auflagen vereinzelt KI-Nutzungen für On-prem-Kunden, wobei der politische Druck in Richtung Cloud-Zwang ungemindert bestehen bleibt. Welche Änderungen dahingehend nun die Sapphire 2026 Orlando gebracht hat, werde ich mit meinen SAP-Stammtischschwestern und -brüdern auf unserem Sommerfest diskutieren.

noname@e3mag.com

avatar
no-name

Unser geheimnisvoller, anonymer Kolumnist.


Schreibe einen Kommentar

Die Arbeit an der SAP-Basis ist entscheidend für die erfolgreiche S/4-Conversion. 

Damit bekommt das sogenannte Competence Center bei den SAP-Bestandskunden strategische Bedeutung. Unhabhängig vom Betriebsmodell eines S/4 Hana sind Themen wie Automatisierung, Monitoring, Security, Application Lifecycle Management und Datenmanagement die Basis für den operativen S/4-Betrieb.

Zum vierten Mal bereits veranstaltet das E3-Magazin in Salzburg einen Summit für die SAP-Community, um sich über alle Aspekte der S/4-Hana-Basisarbeit umfassend zu informieren.

Veranstaltungsort

FourSide Hotel Salzburg,
Trademark Collection by Wyndham
Am Messezentrum 2, 5020 Salzburg, Österreich
+43-662-4355460

Veranstaltungsdatum

Mittwoch, 10. Juni, und
Donnerstag, 11. Juni 2026

Nur KI-Erlebnisworkshop am 11. Juni 2026 (limitierte Plätze)
Bonus: Zugang zu allen Vorträgen am 11. Juni 2026

Reguläres Ticket

Vorträge, Abendveranstaltung und je Verfügbarkeit der KI-Workshop am 11. Juni 2026
Die Plätze beim KI-Erlebnisworkshop sind limitiert und eine Anmeldung ist erforderlich.

Abonnenten des E3-Magazins Ticket

ermäßigt mit Promocode CCAbo26

Studierende*

ermäßigt mit Promocode CCStud26.
Studiennachweis bitte per Mail an office@b4bmedia.net senden.
*Die ersten 10 Tickets sind für Studierende kostenfrei. Versuchen Sie Ihr Glück! 🍀
EUR 305 exkl. USt.
EUR 590 exkl. USt.
EUR 390 exkl. USt.
EUR 290 exkl. USt.

Veranstaltungsort

Hotel Hilton Heidelberg
Kurfürstenanlage 1
D-69115 Heidelberg

Veranstaltungsdatum

Mittwoch, 22. April und
Donnerstag, 23. April 2026

Tickets

Nur KI-Erlebnisworkshop am 23. April 2026 
Bonus: Zugang zu allen Vorträgen am 23. April 2026
Reguläres Ticket
22. April 2026: Vorträge und Abendveranstaltung
23. April 2026: Vorträge und KI-Workshop
EUR 305 exkl. USt
EUR 590 exkl. USt
Abonnenten des E3-Magazins
ermäßigt mit Promocode STAbo26
EUR 390 exkl. USt
Studierende*
ermäßigt mit Promocode STStud26.
Studiennachweis bitte per Mail an office@b4bmedia.net senden.
EUR 290 exkl. USt
*Die ersten 10 Tickets sind für Studierende kostenfrei. Versuchen Sie Ihr Glück! 🍀
Veranstalter ist das E3-Magazin des Verlags B4Bmedia.net AG. Die Vorträge werden von einer Ausstellung ausgewählter SAP-Partner begleitet. Der Ticketpreis beinhaltet den Besuch aller Vorträge des Steampunk und BTP Summit 2026, den Besuch des Ausstellungsbereichs, die Teilnahme an der Abendveranstaltung sowie die Verpflegung während des offiziellen Programms. Das Vortragsprogramm und die Liste der Aussteller und Sponsoren (SAP-Partner) wird zeitnah auf dieser Website veröffentlicht.