Haben wir uns geirrt?


Eine Aufgabe der E3-Redaktion ist es, Fakten zu analysieren, zusammenzufassen und zu verdichten. Wir erfinden nichts und manipulieren nichts! Wenn die Finanzanalysten und Investoren den SAP-Aktienkurs in den Keller schicken, trifft die E3-Redaktion kein Verschulden. Wir sind nicht dafür verantwortlich, dass auf der einen Seite SAP-Chef Christian Klein seinen Bestandskunden keine Cloud-Exit-Strategie anbietet und auf der anderen Seite die EU einen solchen Exit im EU Data Act einfordert. Und für die Sperre ausgewählter LLMs von Anthropic durch die US-Regierung und damit die Infragestellung der SAP-KI-Strategie scheint das E3-Magazin auch nicht haftbar zu sein, oder? Wir analysieren die Aussagen und Erkenntnisse der SAP-User-Groups, vorrangig DSAG und ASUG. Wir lesen die internationalen Wirtschaftsnachrichten und wir sprechen mit zahlreichen Analysten: Die Ergebnisse finden sich im E3-Magazin, auf der mehrsprachigen Website (Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch), in den ebenfalls mehrsprachigen Podcasts zu den jeweiligen E3-Coverstorys und in den zahlreichen E3-Newslettern.
Haben wir uns geirrt? Sind uns Fehler bei der Analyse und Interpretation der Fakten unterlaufen? Ich denke nicht, zumindest gab es von keiner Seite einen Wunsch nach Korrektur und Richtigstellung. „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“ erklärt präzise das Konzept der zwischenmenschlichen Resonanz: Wie du anderen begegnest, so werden sie dir in der Regel antworten. Es ist ein Appell für Achtsamkeit, da Freundlichkeit häufig ein positives Echo auslöst. Zugegeben: Das Echo der SAP gegenüber E3 tendiert gegen null, aber es gab trotz persönlicher Kontakte zur SAP-Pressesprecherin nie Beanstandungen, Kritik oder Tadel an unserer Berichterstattung.
Damit stellt sich die entscheidende Frage: Wie steht es aktuell um SAP? Die Nerven liegen blank, Code Red ist noch aktiv und der SAP-Chef ist aufgrund eines schwachen Aufsichtsrats noch im Amt. Aus der Vergangenheit weiß die SAP-Community, dass der SAP-Mitgründer und langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Professor Hasso Plattner sehr unwirsch wurde, wenn der Aktienkurs absackte: Das letzte Opfer von Hasso Plattner war SAP CFO Luka Mucic. Dann verließ Plattner den Aufsichtsrat und SAP CEO Christian Klein hatte freie Hand und kaum Aufsicht.
Nun ist bei SAP etwas sehr Interessantes geschehen, was dem Prinzip nach aus der Wirtschaft bekannt ist: Immer wenn es im operativen Unternehmensbereich grobe Probleme gibt, opfert sich ein Aufsichtsratsmitglied, um helfend dem Vorstand zur Seite zu stehen. Dieser Prozess basiert weitgehend auf den Compliance-Regeln für deutsche Kapitalgesellschaften. Prof. Hasso Plattner hat mehrfach beanstandet, dass er als Aufsichtsratsvorsitzender nicht operativ mithelfen und mitarbeiten darf, wie es etwa einem US-Chairman gestattet ist. Nun sind eben die deutschen Gesetze, wie sie sind: Ein sehr erfahrenes Aufsichtsratsmitglied ist somit in den vergangenen Wochen zum Feuerwehrmann bei SAP geworden und hat den Aufsichtsrat verlassen. Die Katastrophe, der die Vorstände Christian Klein und Thomas Saueressig nicht Herr werden, soll nun mit Unterstützung des Ex-Aufsichtsratsmitglieds entschärft werden. Ich hoffe, es gelingt und ich irre mich nicht! (pmf)



