SAP ohne Christian Klein


Der SAP-Aktienkurs ist die amtliche Bestätigung, dass SAP einen neuen CEO braucht. Christian Klein hat weder das Wissen noch die Überzeugung, aus der Cloud-Company ein KI-Unternehmen zu formen. Warum? Die Strategie ist falsch: Aus einem sehr profitablen und nützlichen Lastwagen wird selbst durch die innovativsten IT-Add-ons und Übernahmen kein Formel-1-Bolide. Wortreich argumentiert SAP-Chef Christian Klein die Zukäufe und Unternehmensübernahmen, aber dieser Aktionismus ist lediglich ein Reparaturdienstverhalten.
Niemand verlangt von SAP, dass der führende ERP-Konzern nun bessere KI-Konzepte als OpenAI und Anthropic vorweisen muss. Schon vor vielen Monaten habe ich hier geschrieben: Schuster, bleib bei deinem Leisten! Naturgemäß befindet sich SAP-Chef Christian Klein im „Innovator’s Dilemma“ (siehe Professor Clayton M. Christensen). Weil Klein aber keinen Ausweg aus dem Paradigma findet, sollte er abtreten: Der SAP-Chef versucht derzeit mit seiner lautstark proklamierten Vision des „Autonomous Enterprise“, den ERP-Weltmarktführer durch den massiven Einsatz künstlicher Intelligenz in eine neue Ära zu retten, doch bei genauer Betrachtung offenbart sich genau hierin ein fatales strategisches Scheitern nach der Theorie von Professor Clayton M. Christensen (1952 bis 2020).
Der renommierte Harvard-Ökonom prägte mit seinem Konzept des Innovator’s Dilemma einen fundamentalen Merksatz, der heute wie ein Damoklesschwert über Walldorf schwebt: Wenn ein führendes Unternehmen versucht, eine neue, disruptive Technik (Autonomous Enterprise) lediglich so weit zu entwickeln, dass sie den traditionellen Anforderungen der bestehenden Kunden in den bereits etablierten Märkten entspricht, ist sein Scheitern so gut wie sicher.
Genau in dieser gefährlichen Falle der Beharrung steckt Christian Klein heute mit seinen KI-Plänen, da er künstliche Intelligenz nicht nutzt, um das klassische ERP-System radikal und ergebnisoffen neu zu erfinden, sondern sie lediglich als funktionalen Zuckerguss über die alten, etablierten Softwarearchitekturen stülpt, um das hochprofitable, historisch gewachsene Lizenz- und Cloud-Geschäft zu schützen. Anstatt eine echte, vielleicht sogar das eigene Geschäftsmodell kannibalisierende Disruption zuzulassen, bei der autonome KI-Agenten die klassische, manuell programmierte ERP-Software vollständig ersetzen könnten, zwingt Klein die KI in das starre Korsett der traditionellen SAP-Welt, um die Bestandskunden nicht zu verschrecken und die Finanzmärkte mit dem plakativen Mantra „All-in on AI“ zu beruhigen.
Aus der Perspektive von Clayton M. Christensens Theorie ist das Konzept des „Autonomous Enterprise“ somit zutiefst gefährdet, weil SAP als schwerfälliger Platzhirsch davor zurückschreckt, sein eigenes ERP-Systemmonopol fundamental infrage zu stellen. Während agile KI-Start-ups und Hyperscaler die Softwarebranche mit völlig neuen, dezentralen KI-Architekturen von unten her aushöhlen, opfert Christian Klein die wahre revolutionäre Kraft der künstlichen Intelligenz zugunsten kurzfristiger Margen und veralteter ERP-Konzepte (S/4 Hana), womit sich die warnende Prognose des Innovator’s Dilemma für die Walldorfer unweigerlich zu erfüllen droht.




