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Werkzeuge für den Sparringspartner

Die Rolle des CFO wird zunehmend strategischer. Dafür benötigt er eine zentrale IT-Plattform, die Daten aus vielen verschiedenen Quellen sammelt und aufbereitet. Diese sollte sich einfach nutzen lassen und am besten aus der Cloud kommen.
Peter M. Färbinger, E3 Magazin
14. Dezember 2021
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Wer Michael Ladurner auf seine Rolle als CFO beim Kreditmanagement-Unternehmen Intrum anspricht, erhält eine sehr interessante Antwort. Er sehe sich als Sparringspartner des CEO, so Ladurner: „Ich denke, dass sich meine Rolle von der technischen Berichterstattung zu einer taktischen und strategischen Rolle entwickelt hat, um das Unternehmen voranzutreiben.

Damit beschreibt er die Wandlung, welche die Funktion des CFO in den vergangenen Jahren durchlaufen hat. Für die Finanzabteilung geht es nicht mehr nur darum, Zahlen zu präsentieren. Die Führungsebene erwartet von der Finanzabteilung Orientierungshilfe. Der CFO wird zum strategischen Partner, der auf Geschäftsentscheidungen Einfluss nimmt und die dazu notwendigen Informationen bereitstellt – und diese sind eben mehr als nur die reinen Finanzzahlen. „Für mich als CFO geht es nicht mehr nur darum, Werte zu schützen, sondern auch Werte zu schaffen“, sagt Ladurner.

Michael Ladurner, CFO beim Unternehmen Intrum: Berichterstattung in einer taktischen und strategischen Rolle.

Dafür benötigt er Zugriff auf Daten und die richtigen IT-Werkzeuge. Die Daten kommen aus unterschiedlichen internen Quellen wie der Finanzabteilung, dem Personalwesen oder dem Vertrieb sowie aus verschiedenen externen Quellen wie etwa Marktzahlen. Mithilfe der passenden Tools werden diese gesammelt, zusammengeführt, für die Analyse vorbereitet und schließlich ausgewertet. So entsteht aus den Daten Wissen.

Das bedeutet: Die Nutzung von IT wird für den CFO essenziell. Und die entsprechenden Werkzeuge müssen sich einfach bedienen lassen. Für die Analyse der Daten oder das Konfigurieren von Prozessen sollten keine Programmierkenntnisse vonnöten sein. Schließlich arbeiten in der Finanzabteilung keine IT-Experten. Wenn für die Datenauswertung der Umweg über die IT-Abteilung genommen werden muss, hat das nichts mit Agilität zu tun.

Hinzu kommt eine weitere Herausforderung, die viele Datenprojekte scheitern lässt. Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen klingt in der Theorie einfach. Doch in der Praxis arbeiten die meisten Unternehmen mit einer Vielzahl von IT-Systemen, die unabhängig voneinander ihre Aufgaben erledigen. Und der Bau von Schnittstellen, um an die dort enthaltenen Daten heranzukommen, ist aufwändig und teuer.

Wie das in der Realität aussieht, zeigt sich am Beispiel von Intrum. „Aktuell sind wir in 24 Ländern in Europa sowie in Brasilien vertreten – mit insgesamt 10.000 Beschäftigten“, berichtet Ladurner. „In jedem Land haben wir bisher mit verschiedenen IT-Anwendungen gearbeitet – beziehungsweise mit Lösungen, die unterschiedlich genutzt wurden. Sie können sich vorstellen, dass dies die Arbeit in den unterschiedlichen Regionen ziemlich kompliziert gemacht hat.“

Mehr Planungsszenarien

Wie schwierig es ist, auf dieser Basis Entscheidungen zu treffen, hat sich besonders in der Pandemie gezeigt. Das berichtet zum Beispiel Tim Wakeford, Vice President Financials Product Strategy bei Workday, siehe auch E-3 Coverstory Juli/August 2021. „Als die Pandemie im vergangenen Jahr begann, konnten wir feststellen, dass 30 Mal mehr Planungsszenarien durchgeführt wurden.“

Da sich die Rahmenbedingungen immer wieder änderten, mussten Unternehmen schnelle Antworten auf bestimmte Fragen finden. Zum Beispiel: Wie hoch waren meine Ausgaben bei einem bestimmten Lieferanten? Oder: Wie hoch ist mein Forderungsrisiko gegenüber einem bestimmten Kunden? Für Unternehmen sei es sehr schwierig, darauf die richtigen Antworten zu erhalten, wenn sie mit vielen voneinander getrennten Systemen arbeiteten, so Wakeford.

Tim Wakeford, Vice President Financials Product Strategy bei Workday: In der Pandemie dreißigmal mehr Planungsszenarien.

Eine Studie bestätigt seine Aussagen. Im Auftrag von Workday wurden weltweit 260 CFOs zu den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf das Finanzwesen befragt. Demnach waren Datenmanagement und -analyse die größten Herausforderungen, mit denen sich Finanzvorstände während der Krise konfrontiert sahen. 49 Prozent nannten als größtes Problem die eingeschränkte Umsetzungskompetenz – das heißt: die Fähigkeit, anhand passender Daten zu schnellen, fundierten Entscheidungen zu gelangen. Entsprechend groß war das Bedürfnis, diese Situation schnell zu ändern. Befragt nach ihren Investitionsprojekten nannte die Hälfte der CFOs den Aufbau einer intelligenten Datengrundlage sowie moderne Analytik für fundierte Entscheidungen.

Einheitliche Architektur

Auch Intrum setzt auf eine zentrale Informationsbasis. Das Unternehmen arbeitet jetzt daran, Lösungen auf globaler Ebene auszurollen – mit einer weltweit einheitlichen Architektur und standardisierten Prozessen. Ein wichtiger Baustein in dieser Strategie ist die Zusammenarbeit mit Workday. Intrum nutzt bereits das Human-Capital-Management-System (HCM) von Workday und hat damit begonnen, auch die Finanzlösung des Anbieters einzuführen. Der Vorteil dabei: Die Workday-Lösungen bilden eine einheitliche Plattform. Auf dieser Grundlage ließen sich Informationen aus dem Personalwesen und dem Finanzbereich sowie Prognosen und Daten aus der Beschaffung miteinander verknüpfen, erklärt Ladurner.

Wichtiges Argument aus Sicht der Fachabteilungen ist außerdem die Usability der Lösung. Mit dem HCM-System lassen sich zum Beispiel Prozesse auf einfache Weise konfigurieren und ändern – ohne Unterstützung durch die IT-Abteilung.

Ein anderes wichtiges Kriterium für die Auswahl einer solchen Lösung ist mittlerweile die Frage, ob diese in der Cloud bereitsteht. Das bietet die nötige Flexibilität, den Einsatz der Technologie immer genau dem aktuellen Bedarf des Unternehmens anpassen zu können. Das ist gerade in den unsicheren Zeiten einer Pandemie hilfreich. Hinzu kommt, dass die IT-Abteilung sich nicht um Betrieb und Wartung der Lösung kümmern muss und sich stattdessen anderen Aufgaben widmen kann.

Den Trend zur Cloud bestätigt auch die Workday-Studie. Demnach investieren 60 Prozent der CFOs derzeit in die Verlagerung ihrer operativen Prozesse in die Cloud – sowie in den Einsatz von Lösungen, die künstliche Intelligenz (KI) nutzen. Auch dieser Punkt steht bei Intrum auf der Agenda. So kommt KI laut Ladurner etwa bei der Optimierung der Prozesse zum Einsatz. Das HCM-System von Workday bietet entsprechende Machine-Learning-Möglichkeiten an.

Die Reise, auf der sich Intrum befinde, sei sowohl eine in Richtung Digitalisierung als auch hin zu mehr Prozessoptimierung, sagt Ladurner. „Generell lässt sich sagen: Wir erhöhen deutlich die Wahrscheinlichkeit, dass die richtige Person zur richtigen Zeit über die richtigen Informationen verfügt.“ Das führe automatisch zu besseren Geschäftsentscheidungen. So kann Ladurner dann auch seiner strategischen Rolle als CFO gerecht werden.

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Peter M. Färbinger, E3 Magazin

Peter M. Färbinger, Herausgeber und Chefredakteur E3-Magazin DE, US und ES (e3mag.com), B4Bmedia.net AG, Freilassing (DE), E-Mail: pmf@b4bmedia.net und Tel. +49(0)8654/77130-21


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