Weniger Bestand, mehr Service


Die Ersatzteilversorgung gehört zu den größten Herausforderungen im Aftermarket. Kunden erwarten eine schnelle Lieferung, gleichzeitig stehen Unternehmen unter Druck, Lagerbestände und Kapitalbindung zu reduzieren. Dass sich beide Ziele nicht ausschließen müssen, zeigt die Wacker Neuson Group. Mit einer konsequent datengetriebenen Supply-Chain-Strategie und dem Einsatz der GIB Suite gelingt es dem internationalen Baumaschinenhersteller, die Lieferfähigkeit zu steigern und gleichzeitig die Bestände gezielt zu optimieren.
Für Wacker Neuson hat der Aftermarket eine besondere strategische Bedeutung. Das Unternehmen mit rund 5800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem weltweiten Vertriebs- und Servicenetz betrachtet Ersatzteile, Service und Kundenbetreuung als einen zentralen Hebel für langfristiges Wachstum.
160.000 aktive Ersatzteile
Diese Bedeutung ergibt sich allein schon aus der Struktur des Geschäfts: Mehr als 160.000 aktive Ersatzteile müssen weltweit verfügbar gehalten werden. Dabei endet die Verantwortung von Wacker Neuson nicht nach 10 Jahren. Viele Maschinen sind nach 20, 30 oder sogar 40 Jahren noch im Einsatz und benötigen weiterhin Original-Ersatzteile. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Planung, Bestände und Logistik. Gleichzeitig hat sich das Serviceversprechen des Unternehmens in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Kunden erwarten heute eine Verfügbarkeit, die mit den Standards großer E-Commerce-Anbieter vergleichbar ist.
Für Wacker Neuson bedeutet das konkret: Geht eine Bestellung bis 18 Uhr ein, soll das benötigte Ersatzteil bereits am nächsten Tag beim Kunden eintreffen. Um dieses Versprechen einzuhalten, strebt das Unternehmen einen Servicelevel von 95,5 Prozent an. Parallel dazu müssen jedoch auch wirtschaftliche Kennzahlen wie das Net Working Capital eingehalten werden. Mehr Bestand ist deshalb keine nachhaltige Lösung. Gesucht war vielmehr ein Weg, Verfügbarkeit und Kapitalbindung gleichzeitig zu optimieren. Eine wesentliche Herausforderung bestand in der Konsolidierung verschiedener Unternehmensbereiche. Mit der Zentralisierung des Aftermarket-Geschäfts mussten Lagerbestände, Prozesse und Stammdaten unterschiedlicher Organisationseinheiten zusammengeführt werden. Transparenz über die tatsächlichen Bestandsstrukturen war zunächst nur eingeschränkt vorhanden.

„Diese drei Module helfen uns wahnsinnig, mit der gleichen
Mannschaft ein starkes Wachstum im Bestellvolumen und
in den Lagerbeständen effizient zu managen.”
Thomas Löffler,
Teamleiter Supply Chain Management innerhalb
des globalen Aftermarket,
Wacker Neuson
Viele Planungsentscheidungen basierten auf Erfahrungswissen, Sicherheitsbeständen und einfachen Prognoseverfahren. Die Folge waren hohe Pufferbestände, mangelnde Transparenz über Überbestände und ein erheblicher manueller Aufwand in der Disposition. Den Wendepunkt markierte die Einführung der GIB Suite. Zunächst stand dabei das Thema Bestandsmanagement im Mittelpunkt. Mit dem Modul GIB Controlling schuf Wacker Neuson die notwendige Transparenz über Lagerbestände, Umschlagshäufigkeiten und Abschreibungsrisiken. Sicherheitsbestände, Losgrößen und weitere Dispositionsparameter werden heute automatisiert auf Basis definierter Regeln berechnet. Dadurch entstand erstmals eine fundierte Grundlage, um Bestände aktiv zu steuern und Optimierungspotenziale sichtbar zu machen.
Fokus Prognosequalität
Im nächsten Schritt rückte die Prognosequalität in den Fokus. Während früher im Wesentlichen ein gleitender Durchschnitt historischer Verbräuche genutzt wurde, stehen heute verschiedene Prognosemodelle zur Verfügung. GIB Forecast bewertet diese Modelle automatisch und wählt jeweils das am besten geeignete Verfahren aus. Dadurch lassen sich nicht nur saisonale Schwankungen besser berücksichtigen, sondern auch Trends und zusätzliche Vertriebsinformationen einbeziehen. Für Wacker Neuson war dies ein entscheidender Schritt von der reinen Rückspiegelbetrachtung hin zu einer zukunftsorientierten Bedarfsplanung.
Die technischen Verbesserungen hatten zugleich Auswirkungen auf die Organisation. Die klassischen Disponenten entwickeln sich zunehmend zu Supply-Chain-Managern. Anstatt täglich Tausende Routineentscheidungen manuell zu treffen, konzentrieren sich die Mitarbeitenden heute auf Ausnahmen, Engpässe, Lieferantenmanagement und strategische Fragestellungen. Die Systeme übernehmen einen Großteil der operativen Standardaufgaben und liefern gleichzeitig die Transparenz, die für fundierte Entscheidungen benötigt wird.
Lagerbestände effizient managen
Aus Sicht von Thomas Löffler, Teamleiter Supply Chain Management innerhalb der globalen Wacker-Neuson-Aftermarket-Organisation, liegt die Stärke der Lösung insbesondere im Zusammenspiel der einzelnen Module: „Diese drei Module helfen uns wahnsinnig, mit der gleichen Mannschaft ein starkes Wachstum im Bestellvolumen und in den Lagerbeständen effizient zu managen.“ Die Ergebnisse zeigen, dass sich dieser Ansatz auszahlt.

„Wir sind mit gleicher Mannschaft mittlerweile fast
60 Prozent effizienter mit den Tools.”
Jan Mollerus,
Director Operations Aftermarket,
Wacker Neuson
Wie deutlich die Effizienz gestiegen ist, bringt Jan Mollerus, Director Operations Aftermarket, auf den Punkt: „Wir sind mit gleicher Mannschaft mittlerweile fast 60 Prozent effizienter mit den Tools. Wir managen 60 Prozent mehr Bestellungen mit den gleichen Menschen, die wir 2019 hatten.“ Gleichzeitig gelingt es dem Unternehmen, die Bestandsentwicklung deutlich enger an die tatsächlichen Absatzbewegungen anzupassen. Die Supply-Chain-Organisation kann ihren Fokus stärker auf Lieferantenperformance, Risikomanagement und die Weiterentwicklung des globalen Ersatzteilnetzwerks richten.
Datengetriebene Supply Chain
Inzwischen wird die Lösung nicht mehr nur in Europa genutzt. Auch Standorte in den USA, China und weiteren Regionen wurden eingebunden, um Transparenz und Bestandsmanagement weltweit zu harmonisieren. Perspektivisch möchte Wacker Neuson die vorhandenen Datenquellen noch stärker für die Planung nutzen. Kundenkaufverhalten, Wartungspläne, Service-Bulletins, Telemetriedaten und Pricing-Informationen sollen künftig systematisch in die Prognosemodelle einfließen. Ziel ist eine Supply Chain, die Bedarfe noch früher erkennt und weitere Automatisierungspotenziale erschließt – bis hin zu Vendor-Managed-Inventory-Konzepten und weitgehend automatisierten Bestellprozessen.
Für Wacker Neuson ist dies ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Supply Chain, die hohe Verfügbarkeit, wirtschaftliche Bestände und exzellenten Kundenservice gleichermaßen ermöglicht.
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