E3-Roundtable: Rise with SAP, Cloud Exit und Monetarisierung
1. Juli, 11:00 bis 12:00
Kostenlos
Wenn man die aktuelle Transformationsstrategie des Walldorfer Softwarekonzerns mit journalistischem Scharfsinn durchleuchtet, entpuppt sich das viel gepriesene ERP-Versprechen rund um Rise with SAP und flankierende Programme wie Max Success weniger als technische Befreiung, sondern vielmehr als ein meisterhaft konstruiertes kaufmännisches Geflecht zur maximalen Monetarisierung der Anwenderschaft.
Hinter den Hochglanzbegriffen verbergen sich massive vertragliche Fallstricke, denn Angebote wie Rise, Max Success und die ERP Private Edition versprechen den Anwendern zwar oberflächlich eine Transformation mit hoher Planbarkeit, generieren aber in der ERP-Realität ein enormes Spannungsfeld aus starrer Vertragslogik, IT-Betriebsrealität und künstlich erzeugtem Migrationsdruck.
Im Kern dieser aggressiven Strategie steht der erzwungene Paradigmenwechsel von klassischen, eigentumsbasierten On-prem-Lizenzen hin zu einem intransparenten Cloud-Subskriptionsmodell, bei dem Bestandskunden durch die sogenannte Contract Conversion ihre wertvollen, unbefristeten Altlizenzen unwiederbringlich aufgeben müssen und kommerziell zu wehrlosen Mietern degradiert werden. SAP nutzt dabei hochkomplexe Metriken wie das Full Use Equivalent (FUE), um die Bestandskunden in ein System zu zwingen, das die Total Cost of Ownership oftmals unkontrollierbar in die Höhe treibt, während eine vertraglich souveräne Cloud-Exit-Strategie für den Fall des Scheiterns schlichtweg fehlt.
Dass es hierbei primär um die Verstetigung und Maximierung der Umsätze geht, verdeutlichte SAP-Chef Christian Klein auf der Hauptversammlung 2025 selbst, als er schonungslos andeutete, dass sich die Lizenzerlöse pro Bestandskunde durch den Wechsel in ein S/4-Subskriptionsmodell verdoppeln bis verdreifachen können.
Um diesen lukrativen Vendor-Lock-in abzusichern, setzt der Konzern seine neuesten ERP-Innovationen als rücksichtsloses vertriebliches Druckmittel ein. Technische Entwicklungen wie künstliche Intelligenz, der digitale Assistent Joule oder Nachhaltigkeitswerkzeuge wie der Green Ledger werden treuen On-prem-Kunden systematisch vorenthalten und exklusiv nur noch jenen Anwendern zur Verfügung gestellt, die sich in die teuren Cloud-Verträge von Rise oder Grow pressen lassen.
Für den umsichtigen SAP-Bestandskunden bedeutet diese investigative Erkenntnis, dass echte Innovationen zunehmend als Geisel für den kommerziellen Cloud-Erfolg genommen werden. Wer sich folglich ohne eine verhandelte ERP-Strategie, forensische juristische Begleitung und unabhängige Lizenzkontrolle auf die wolkigen Versprechen von Rise und Max Success verlässt, opfert nicht nur seine digitale Souveränität, sondern riskiert eine unkalkulierbare Kostenfalle, die das eigene Unternehmen auf Jahre hinaus dauerhaft an den Tropf des ERP-Giganten hängt.

