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E3-Roundtable: SAP-Lizenzen – FUE, indirekte Nutzung, BDC etc.

22. Juli, 11:00 bis 12:00

Kostenlos

Wer die aktuellen Lizenzierungsstrategien des Walldorfer Softwarekonzerns investigativ durchleuchtet, erkennt rasch, dass der viel gepriesene Weg in die Cloud für SAP-Bestandskunden weniger eine technische Befreiung als vielmehr ein kommerzielles Zwangskorsett darstellt. Im Zentrum dieses Wandels steht das Programm Rise with SAP, das Unternehmen rigoros von einem investitionsbasierten On-prem-Modell mit unbefristeten Kauflizenzen in ein reines, abonnementbasiertes Mietmodell drängt. Für den kritischen IT-Entscheider offenbart sich hierbei ein dramatischer Verlust der digitalen Souveränität, denn mit der sogenannten Contract Conversion geben Kunden ihr wertvolles Softwareeigentum unwiederbringlich auf.

Erschwerend kommt hinzu, dass es seitens der SAP faktisch keine praktikable Cloud-Exit-Strategie gibt; kündigt der Kunde das Abonnement, verliert er sofort das Nutzungsrecht an der Applikationslogik und steht am Ende lediglich mit wertlosen Rohdaten da. Zudem birgt das Cloud-Lizenzmodell auf Basis der Full Use Equivalents (FUE) massive finanzielle Risiken, da Lizenzen in der SAP-Cloud nicht mehr nach tatsächlicher Nutzung, sondern nach den im System vergebenen Berechtigungen vermessen werden, was die IT-Kosten ohne ein striktes Redesign der historischen Rollenkonzepte um alarmierende 50 bis 150 Prozent in die Höhe treiben kann. Ob sich Anwender dabei für das standardisierte Modell der Public Cloud oder für eine Private Cloud entscheiden, ändert wenig an der grundlegenden Problematik, dass sie in eine dauerhafte und oftmals schwer kalkulierbare finanzielle Abhängigkeit geraten.

Auf technologischer Ebene flankiert SAP diesen Vendor-Lock-in mit der SAP Business Technology Platform (BTP) und der SAP Business Data Cloud (BDC), deren Lizenzierungsmechanismen sich in der ERP-Realität als intransparent entpuppen. Die BTP wird über verbrauchsbasierte Modelle wie das Cloud Platform Enterprise Agreement (CPEA) oder das neuere BTP Enterprise Agreement (BTPEA) abgerechnet, bei denen vorab erworbene Cloud-Credits am Jahresende verfallen, falls sie nicht rechtzeitig konsumiert wurden.

Übersteigt der Konsum hingegen das im Voraus bezahlte Kontingent, droht der gefürchtete Cloud Bill Shock durch unrabattierte Listenpreise bei der Übernutzung. Nicht minder brisant ist die Situation bei der BDC, die vom Anwenderverein DSAG mittlerweile treffend als „Business Data Complexity“ kritisiert wird. Hier reglementiert SAP den systemübergreifenden Datenaustausch drastisch, beispielsweise durch harte Limits von 2000 OData-API-Aufrufen pro Gigabyte Compute-Memory, deren Überschreitung von Walldorf mit empfindlichen Zusatzgebühren sanktioniert werden kann.

Blickt man zukunftsgerichtet auf die Ankündigungen rund um das „Autonomous Enterprise“, die SAP Business AI und autonome Agentic AI, so zieht sich diese aggressive Monetarisierung konsequent weiter. SAP nutzt künstliche Intelligenz und Assistenten wie Joule augenscheinlich als exklusives Druckmittel, da diese Innovationen fast ausschließlich Kunden mit Rise- oder Grow-Verträgen in der Cloud zur Verfügung gestellt werden, während klassische On-prem-Anwender de facto von der ERP-Evolution ausgeschlossen bleiben.

Flankiert wird diese Strategie durch eine äußerst restriktive neue API-Policy, die den Zugriff externer, generativer KI-Agenten auf SAP-Daten streng kontrolliert und reglementiert. Für SAP entsteht durch die Automatisierungskraft der Agentic AI zudem ein existenzielles Dilemma nach dem Prinzip des Innovator’s Dilemma: Wenn in naher Zukunft intelligente KI-Agenten die Arbeit übernehmen und menschliche SAP-Arbeitsplätze obsolet machen, bricht das traditionelle, auf User-Lizenzen basierende Geschäftsmodell unweigerlich in sich zusammen. Analysten und Branchenkenner gehen daher zwingend davon aus, dass SAP das Lizenzwerk künftig von festen Abonnements auf ergebnisorientierte Pay-per-AI-Usage-Modelle umstellen muss, was die Automatisierungsrendite abschöpft und den Einsatz von künstlicher Intelligenz für Bestandskunden zu einer völlig unkalkulierbaren, permanenten Kostenfalle ausweiten dürfte.

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