Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community

DSAG am Scheideweg zwischen SAP und Community

Mit der Wahl eines neuen DSAG-Vorstandsvorsitzenden endet die erfolgreiche Ära von Jens Hungershausen. Die DSAG-Mitglieder sollen nun eine neue Richtung vorgeben: Einer wohlwollenden SAP-Partnerschaft steht ein konstruktiver, aber kritischer ERP-Diskurs gegenüber.
Peter M. Färbinger, E3-Magazin
1. Oktober 2026
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Die internen und externen Herausforderungen der DSAG e. V.

Als Sprachrohr von über 4.000 Mitgliedsunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz steht der Anwenderverein DSAG vor gewaltigen, vielschichtigen Zerreißproben. Die größte Herausforderung liegt in der Mitte eines tief gespaltenen Kundenstamms und dem Beziehungsmanagement zwischen SAP und DSAG. Nun gilt es, einen konstruktiven und kritischen Diskurs zu führen – ohne Berührungsängste, denn die Zeit des wohlwollenden Akzeptierens und Vendor-Lock-ins ist vorbei.

Der Migrationsstau und das On-prem-Dilemma: Obwohl SAP die Verträge für ECC 6.0 bis Ende 2027 beziehungsweise 2030 abkündigte, belegen empirische Erhebungen der DSAG wie der Investitionsreport 2026, dass die Mehrheit der Anwenderunternehmen ihre S/4-Systeme nach wie vor bevorzugt On-prem oder in der Private Cloud betreibt. Der SAP-Versuch, die treuen Bestandskunden mit der Brechstange in die standardisierte Public Cloud zu drängen, ist in der deutschsprachigen Region faktisch gescheitert. Der Anwenderverein DSAG muss folglich die Interessen einer breiten Basis verteidigen, die sich vehement gegen den drohenden Vendor-Lock-in wehrt.

Eine alarmierende Entwicklung zeigte sich beim Investitionsreport 2025. Von über 4.000 kontaktierten Mitgliedern fühlten sich lediglich 243 Unternehmen motiviert, den gemeinsamen Fragebogen von DSAG und SAP auszufüllen. Dieser ernüchternde Rücklauf wird in der Community als deutliches Signal von Desinteresse, Ernüchterung und schleichender Abkehr interpretiert. Zudem gaben in weiteren Studien lediglich 38 Prozent der Bestandskunden an, eine positive Einstellung gegenüber SAP und deren Produkten zu besitzen, während 56 Prozent die Haltung als neutral bis sehr negativ beschreiben.

Gefahr des Weichwaschens: Innerhalb der SAP-Community wächst die Kritik an einer möglichen Entschärfung des DSAG-Kurses. Während auf dem Kongress 2024 in Leipzig noch engagiert in mehrstündigen Workshops über die juristischen Fallstricke von Rise-Verträgen diskutiert wurde, bemängelten kritische Stimmen auf dem Kongress 2025 in Bremen, dass unbequeme Themen zunehmend „weichgewaschen und rechtzeitig aussortiert“ wurden. Dass DSAG den Thementag „Lizenzen und Verträge“ für 2026 absagte und diese Bildungsarbeit an externe Community-Formate abtreten musste, erzeugte hausinternen Erklärungsbedarf.

DSAG-Mitglieder und die gesamte SAP-Community müssen sich ununterbrochen gegen neue lizenzrechtliche und technische Einzäunungsversuche von SAP zur Wehr setzen. Jüngstes Beispiel ist die im April 2026 erlassene SAP API Policy (V.4.2026a). Diese Richtlinie reglementiert den Schnittstellenverkehr, schränkt klassische RFC-Verbindungen ein und verbietet den direkten Massendatenabzug zu Drittsystemen oder KI-Agenten, sofern diese nicht über die teure hauseigene BTP oder BDC geschleust werden. DSAG-Vorstände wie Jens Hungershausen, Michael Bloch und Stefan Nogly laufen gegen diesen Versuch, einen „Closed Shop“ zu etablieren und ODP-Schnittstellen für Wettbewerber zu blockieren, öffentlich Sturm und prangern den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung an.

Die KI-Debatte: Zwischen Hype, Lizenzfalle und Halluzinationsrisiko

Einen zentralen Schwerpunkt des Kölner DSAG-Kongresses bildet die kritische Auseinandersetzung mit der SAP-KI-Strategie (SAP Business AI) und dem Paradigma des Autonomous Enterprise. Auf den ersten Blick wächst die Investitionsbereitschaft: 45 Prozent der DSAG-Mitglieder berücksichtigen KI stark bei ihren IT-Budgets, und 48 Prozent sehen einen hohen potenziellen Nutzen. Bei genauerer Betrachtung offenbart sich jedoch eine tiefe Kluft zwischen herstellerseitigen SAP-Marketing-Märchen und der betrieblichen Realität.

Die Ergebnisse des DSAG-Investitionsreports 2026 zeigen, dass 43 Prozent der Unternehmen bereits konkrete KI-Use-Cases umgesetzt haben. Das entscheidende Alarmsignal für SAP formulierte DSAG-Chef Jens Hungershausen prägnant: Die überwiegende Mehrheit dieser KI-Projekte wird mit Non-SAP-Lösungen wie Hyperscaler-KI, Databricks oder unabhängigen Plattformen realisiert. Anwender weichen auf generische Sprachmodelle aus, weil der native SAP-Copilot Joule als reiner Cloud-Service an der On-prem-Realität der meisten Kunden vorbeigeht.

Der Anwenderverein DSAG warnt eindringlich davor, dass SAP versucht, sich als exklusiver Gatekeeper für Unternehmens-KI aufzuspielen. Durch die künstliche Verknüpfung von KI-Funktionen an hochpreisige Cloud-Subskriptionen (wie Rise Premium Plus) und die Monetarisierung über unkalkulierbare BTP-Capacity-Units oder KI-Token-Preise drohen unkontrollierbare Kostenexplosionen: Cloud Bill Shock! Hinzu kommt die verbrauchsbezogene Verfallslogik im BTP Cockpit, bei der vorausbezahlte Punkte am Jahresende ersatzlos verfallen.

DSAG betont, dass eine verlässliche künstliche Intelligenz eine lückenlos harmonisierte und saubere Datenbasis voraussetzt. Ein Large Language Model arbeitet probabilistisch; trifft es im ERP-Kern auf unsaubere Stammdaten oder veralteten Custom Code (SAP Clean Core), halluziniert die KI und beschleunigt den betrieblichen Prozesskollaps. Das von DSAG geforderte umfassende Monitoring und transparente Rahmenbedingungen für große Sprachmodelle fehlen in den Vertragswerken bislang.

Die spöttische Verhöhnung der BDC als Business Data Complexity: Die BDC (SAP Business Data Cloud) – das herstellerseitige Datenfundament für KI und Wissensgraphen – wird vom Anwenderverein DSAG und der unabhängigen SAP-Community aufgrund ihrer unübersichtlichen Lizenzierung, OData-Call-Beschränkungen und Vertragskomplexität als „Business Data Complexity“ verspottet.

Konstruktive Partnerschaft oder unüberbrückbarer Interessenkonflikt?

Das Verhältnis zwischen der DSAG und der Führungsebene der SAP lässt sich aktuell als ein angespannter diplomatischer Schwebezustand beschreiben. Auf der einen Seite verbindet beide Organisationen eine jahrzehntelange organisatorische Nähe und der gemeinsame Wille zum Austausch. Auf der anderen Seite klafft eine eklatante Interessendivergenz.

Während SAP von der Börse getrieben wird, Allzeithochs beim Aktienkurs feiert und das Erreichen starrer Cloud-Umsatzziele (SaaS ARR) erzwingt, kämpfen die DSAG-Mitglieder im Mittelstand mit angespannten Budgets, Fachkräftemangel und dem physischen Erhalt ihrer Geschäftsprozesse. Während SAP-Vorstände wie Thomas Saueressig oder Philipp Herzig auf Konferenzen die glorreiche Zukunft des autarken Unternehmens beschwören, fordert der Anwenderverein nüchterne Planungssicherheit, Wahlfreiheit und einen pragmatischen Diskurs auf Augenhöhe.

Eine neue DSAG-Ära durch die Vorstandswahl der Mitgliederversammlung

Die DSAG sollte sich in den kommenden Jahren von einem reinen Feedback-Geber zu einer robusten Schutzmacht der digitalen Souveränität wandeln. Wo SAP versucht, das semantische Wissen der Unternehmen exklusiv in der BTP/BDC einzuzäunen, sollte der Anwenderverein auf offene Standards, uneingeschränkte Datenportabilität und belastbare KI- sowie Cloud-Exit-Strategien pochen. Ohne das Recht, ein Cloud-System ohne Daten- oder Funktionsverlust jederzeit wieder verlassen zu können, werden die Bestandskunden und DSAG-Mitglieder zu gefangenen Steuerzahlern des ERP-Preismodells der SAP.

Der DSAG-Jahreskongress 2026 in Köln liefert für die Mitglieder und die SAP-Community eine unmissverständliche Handlungsanweisung: Lassen Sie sich nicht von herstellerseitigen Marketing-Märchen treiben, sondern behaupten Sie Ihr eigenes Territorium – Claim Your Ground!

DSAG-Mitglieder sollten das Kölner Kongressforum zur herstellerunabhängigen Vernetzung nutzen und eigenständig die Transformationsgeschwindigkeit kontrollieren. SAP-Bestandskunden sollten sich weder durch das Wartungsende noch durch Cloud-Doktrinen zu überstürzten Schritten zwingen lassen. Stattdessen gilt es, hybride oder Composable-ERP-Ansätze zu prüfen.

Bestehende Integrationen müssen rechtlich und technisch abgesichert werden. Es dürfen keine einseitigen API-Einschränkungen oder unkalkulierbaren Mautmodelle akzeptiert werden. Und künstliche Intelligenz, Agentic AI, Vektor-Datenbanken und Wissensgraphen dürfen nicht exklusiv an proprietäre Cloud-Monopole gekoppelt werden, sondern müssen auf offene Standards (wie W3C-RDF, SPARQL oder einen MCP-Server) basieren, um die digitale Souveränität der DSAG-Mitglieder dauerhaft zu sichern. Es gilt, einen aktivistischen DSAG-Vorstandsvorsitzenden zu wählen!

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Peter M. Färbinger, E3-Magazin

Peter M. Färbinger, Herausgeber und Chefredakteur E3-Magazin DE, US, ES und FR (e3mag.com), B4Bmedia.net AG, Freilassing (DE), E-Mail: pmf@b4bmedia.net und Tel. +49(0)8654/77130-21


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Die Arbeit an der SAP-Basis ist entscheidend für die erfolgreiche S/4-Conversion. 

Damit bekommt das sogenannte Competence Center bei den SAP-Bestandskunden strategische Bedeutung. Unhabhängig vom Betriebsmodell eines S/4 Hana sind Themen wie Automatisierung, Monitoring, Security, Application Lifecycle Management und Datenmanagement die Basis für den operativen S/4-Betrieb.

Zum vierten Mal bereits veranstaltet das E3-Magazin in Salzburg einen Summit für die SAP-Community, um sich über alle Aspekte der S/4-Hana-Basisarbeit umfassend zu informieren.

Veranstaltungsort

FourSide Hotel Salzburg,
Trademark Collection by Wyndham
Am Messezentrum 2, 5020 Salzburg, Österreich
+43-662-4355460

Veranstaltungsdatum

Mittwoch, 10. Juni, und
Donnerstag, 11. Juni 2026

Nur KI-Erlebnisworkshop am 11. Juni 2026 (limitierte Plätze)
Bonus: Zugang zu allen Vorträgen am 11. Juni 2026

Reguläres Ticket

Vorträge, Abendveranstaltung und je Verfügbarkeit der KI-Workshop am 11. Juni 2026
Die Plätze beim KI-Erlebnisworkshop sind limitiert und eine Anmeldung ist erforderlich.

Abonnenten des E3-Magazins Ticket

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*Die ersten 10 Tickets sind für Studierende kostenfrei. Versuchen Sie Ihr Glück! 🍀
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Veranstaltungsort

Hotel Hilton Heidelberg
Kurfürstenanlage 1
D-69115 Heidelberg

Veranstaltungsdatum

Mittwoch, 22. April und
Donnerstag, 23. April 2026

Tickets

Nur KI-Erlebnisworkshop am 23. April 2026 
Bonus: Zugang zu allen Vorträgen am 23. April 2026
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22. April 2026: Vorträge und Abendveranstaltung
23. April 2026: Vorträge und KI-Workshop
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Veranstalter ist das E3-Magazin des Verlags B4Bmedia.net AG. Die Vorträge werden von einer Ausstellung ausgewählter SAP-Partner begleitet. Der Ticketpreis beinhaltet den Besuch aller Vorträge des Steampunk und BTP Summit 2026, den Besuch des Ausstellungsbereichs, die Teilnahme an der Abendveranstaltung sowie die Verpflegung während des offiziellen Programms. Das Vortragsprogramm und die Liste der Aussteller und Sponsoren (SAP-Partner) wird zeitnah auf dieser Website veröffentlicht.