Cleanfield: Wie KI die SAP-Welt neu formt


Der Abstand zwischen dem, wo die meisten SAP-Landschaften heute stehen, und dem, wohin sich die Plattform entwickelt, ist größer, als den meisten Führungskräften bewusst ist.
Ich bin seit über drei Jahrzehnten eng mit dieser Welt verbunden. Als Miterfinder von Hana und Leiter des ursprünglichen Hana-Projekts und -Teams habe ich an dem Fundament mitgebaut, auf dem S/4 Hana heute läuft. Als langjähriger CTO der SAP Business Group von Accenture habe ich zahlreiche S/4-Programme zur erfolgreichen Umsetzung geführt und begleitet. In all diesen Jahren ist mir immer wieder dieselbe strukturelle Herausforderung begegnet – in unterschiedlicher Ausprägung, im Kern jedoch stets dieselbe.
Wie schnell Unternehmen ihre SAP-Landschaft modernisieren und weiterentwickeln können, hängt selten an der Plattform selbst. Es hängt am Custom Code, der sich über Jahrzehnte in den SAP-Systemen angesammelt hat – differenzierende Geschäftslogik, deren Dokumentation mit den Änderungen nie Schritt gehalten hat, und ein Erbe, das zugleich unverzichtbar und zunehmend schwer beherrschbar geworden ist.
Um genau dieses Problem zu lösen, habe ich Nova Intelligence gemeinsam mit Emma Qian und Sam Yang gegründet, die ihre KI-Spitzenexpertise von Google DeepMind und Meta AI einbringen – im Leadership-Team verstärkt durch Justin Kershaw, den ehemaligen CIO von Cargill, einer der größten SAP-Landschaften weltweit.
KI erreicht nötigen Reifegrad
Der entscheidende Durchbruch liegt im Zusammenspiel dieses SAP-Architekturwissens mit moderner KI. In den vergangenen 18 bis 24 Monaten haben Large Language Models und agentische Architekturen einen Reifegrad erreicht, der es erstmals erlaubt, große, heterogene Enterprise-Codebasen nicht nur syntaktisch, sondern auch semantisch und strukturell zu verstehen. Auf dieser Grundlage haben wir Nova Intelligence aufgebaut: eine Plattform, die diesen technologischen Fortschritt erstmals – und in dieser Form einzigartig – in der SAP-Welt produktiv einsetzbar macht.
Was in der IT-Industrie außerhalb von SAP längst sichtbar ist, war im SAP-Umfeld bislang kaum praktisch nutzbar. Der Grund liegt nicht in einer grundsätzlichen Schwäche der KI-Modelle, sondern darin, dass SAP ein proprietäres, zustandsbehaftetes System ist – mit eigenem Transportwesen, eigener Berechtigungslogik, eigenen Entwicklungswerkzeugen und einer hohen Kontextabhängigkeit. Ein generischer KI-Copilot reicht hier nicht aus. Erst die Kombination aus tiefem SAP-Verständnis, moderner Agentic-AI-Architektur und einer Plattform, die direkt in dieser Welt arbeitsfähig ist, macht den nächsten Schritt möglich. Daraus entsteht eine Plattform, die alle SAP-Anwender unterstützt – vom Abap-Entwickler über den Funktionsberater bis zum Business User – und zwar über den gesamten Lebenszyklus: funktionales Design, Fit-to-Standard-Analyse, Modernisierung, Entwicklung, Dokumentation und den täglichen Produktivbetrieb. Nova ist kein Werkzeug für eine einzelne Aufgabe, sondern ein dauerhafter KI-Partner für die gesamte SAP-Landschaft.
Deadline 2030
Am drängendsten zeigt sich diese Herausforderung bei der bevorstehenden Transformation zu S/4 Hana. Mit Blick auf die SAP-Migrationsfrist 2030 stehen Unternehmen vor jahrzehntelang gewachsenem Custom Code, der verstanden, bereinigt und in vielen Fällen neu aufgebaut werden muss. Genau hier zeigen sich die Grenzen der klassischen Ansätze am deutlichsten. Brownfield, also die technische Konvertierung des bestehenden ECC-Systems auf S/4 Hana, ist pragmatisch, schnell und kurzfristig attraktiv – konserviert aber einen erheblichen Teil historisch gewachsener Komplexität und technischer Altlasten.
Greenfield, also der Neuaufbau von S/4 Hana ohne Übernahme des Altsystems, verspricht die sauberere Zielarchitektur, erweist sich in der Praxis jedoch häufig als langwierig, teuer und risikoreich, weil die geschäftskritische Differenzierungslogik zunächst vollständig verstanden und anschließend manuell neu aufgebaut werden muss. Viele Unternehmen erkennen deshalb: Brownfield startet schneller, bleibt aber langfristig teuer; Greenfield überzeugt architektonisch, ist wirtschaftlich und organisatorisch jedoch oft schwer beherrschbar.
Intelligenter Cleanfield-Ansatz
Nova Intelligence ist eine agentische KI-Plattform, die speziell für SAP entwickelt wurde. Angesichts der 2030-Deadline ist die S/4-Migration derzeit das dringendste Einsatzfeld — und hier setzt Cleanfield an: eine von Nova entwickelte Migrationsmethode, die erst durch die agentische KI-Plattform von Nova möglich wird. Cleanfield verbindet die pragmatischen Vorteile eines Brownfield-Vorgehens mit der architektonischen Qualität eines Greenfield-Zielbilds: Die bestehende Landschaft wird weder einfach technisch migriert noch unterschiedslos verworfen, sondern systematisch analysiert, gegen den SAP-Standard abgeglichen und nur dort in Clean-Core-konformer Weise neu aufgebaut, wo echte Differenzierung existiert.
Möglich wird dieser Ansatz durch die technische Architektur der Nova-Plattform. Der erste zentrale Baustein ist „AI Code Intelligence“. In gewachsenen SAP-Landschaften fehlt meist die notwendige Transparenz über den Custom Code und seine Abhängigkeiten, Nutzung, Risiken und geschäftliche Relevanz. Nova analysiert diesen Bestand nicht nur statisch, sondern semantisch und strukturell. Daraus entsteht eine belastbare Sicht auf die tatsächliche Logik des Systems: welche Programme geschäftskritisch sind, welche nur historisch fortgeschrieben wurden, welche Risiken in Abhängigkeiten und Datenflüssen verborgen liegen und wo Standardfunktionen heute schon einen erheblichen Teil des Custom Code ersetzen könnten. Ein zweiter zentraler Baustein ist die Rekonstruktion dieser Logik in einer strukturierten Dokumentation auf Pflichtenheft-Niveau.
Fit-to-Standard
Damit wird implizites Wissen explizit gemacht und aus den Köpfen weniger Experten in eine reproduzierbare Wissensbasis überführt. Diese Dokumentation bildet die Grundlage für fundierte „Fit-to-Standard“-Entscheidungen: Was kann entfallen? Was lässt sich in den SAP-Standard überführen? Was ist echte Differenzierung und muss bewusst neu aufgebaut werden? Genau hier liegt der wirtschaftliche Hebel. Jede Funktionalität, die nicht weitergeführt werden muss, reduziert dauerhaft Wartung, Testaufwand, Upgrade-Risiko und Total Cost of Ownership (TCO).
Darauf aufbauend schafft Nova mit der Clean-Core-Kategorisierung ein operatives Steuerungsinstrument für CIOs und CCoE-Leiter. Erweiterungen werden nicht pauschal bewertet, sondern entlang des Zielbildes klassifiziert: tolerierbar, mittelfristig anzupassen oder zwingend neu zu entwickeln. Clean Core wird damit von einer abstrakten Zielvorstellung zu einem konkret steuerbaren Architektur- und Governance-Modell. Der verbleibende Differenzierungskern wird anschließend mit „AI Build“ komplett neu entwickelt – auf Basis des erstellten Pflichtenhefts, das zuvor in Abstimmung mit den Fachbereichen noch verfeinert und angepasst werden kann.
Anders als in klassischen Entwicklungsansätzen lässt sich Geschäftslogik damit direkt auf der fachlichen Ebene klären und nachjustieren. Die Umsetzung erfolgt dann je nach Zielarchitektur direkt im SAP-System oder Side-by-Side auf der SAP Business Technology Platform (BTP). Die Nova-Plattform unterstützt dabei Code-Generierung, Tests, Konsistenzprüfungen und die Vorbereitung der kontrollierten Überführung über das SAP-Transportwesen in QA- und Produktivsysteme – das Auslösen der Transportaufträge bleibt dabei stets in der Verantwortung des Kunden. Ein wesentlicher Unterschied zu generischen Coding-Assistenten liegt darin, dass Nova nicht einfach ein Chat-Interface über den Quellcode legt.
Agentic-AI-Plattform für SAP
Wir haben gemeinsam eine Agentic-AI-Plattform aufgebaut, die im SAP-Kontext tatsächlich direkt arbeitsfähig ist: Code durchsuchen, Zusammenhänge verstehen, Geschäftslogik rekonstruieren, Änderungen kontrolliert vornehmen, Tests anstoßen und sich in bestehende Gover-nance-Mechanismen einfügen. Genau diese Verbindung aus SAP-Architekturwissen, moderner KI-Technologie und einer operativ belastbaren Plattform macht Nova Intelligence aus. Für CIOs und CCoE-Leiter ist auch die Betriebs- und Sicherheitsarchitektur entscheidend. Nova wird pro Kunde isoliert bereitgestellt, typischerweise in einer dedizierten Cloud-Umgebung mit klarer Trennung von Netzwerk, Datenhaltung und Zugriffsrechten.
Die Anbindung an bestehende SAP-Systeme erfolgt über verschlüsselte Verbindungen und nutzt die kundenseitig definierten Benutzer mit deren Rollen und Berechtigungen. Kundendaten und kundenspezifischer Code werden nicht zum Training von Modellen verwendet. Gleichzeitig ist die Plattform modellagnostisch angelegt, sodass neue Modellgenerationen integriert werden können, ohne Governance, Betriebsmodell oder Datensouveränität zu verändern. So entsteht eine KI-Plattform, die den Sicherheits-, Compliance- und Governance-Anforderungen großer SAP-Landschaften gerecht wird. Ein weiterer langfristiger Vorteil liegt im Nova-KI-Wissenskern. Nova lernt mit jeder Nutzung dazu: Mit jeder Interaktion gewinnt die Plattform ein tieferes Verständnis der jeweiligen SAP-Landschaft des Unternehmens – ihrer Geschäftslogik, ihrer Architekturmuster und ihrer Standards. Wissen, das bislang in den Köpfen weniger Schlüsselentwickler lag, wird auf diese Weise für die gesamte Organisation zugänglich, und die Plattform wird kontinuierlich besser.

Gleichzeitig ist Nova bewusst nicht als punktuelles Migrationstool angelegt, sondern als dauerhafte Plattform für den gesamten Lebenszyklus von SAP Custom Code: Analyse, Dokumentation, Fit-to-Standard, Clean-Core-Governance, Neuentwicklung, Optimierung und kontinuierliche Weiterentwicklung.
Grundlage KI-gestützter Prozesse
Für CIOs und CCoE-Leiter ist genau das der entscheidende Punkt. Nova adressiert nicht nur die einmalige Transformation, sondern die strukturelle Beherrschbarkeit der SAP-Landschaft über Jahre hinweg. Daraus entstehen niedrigere Lebenszykluskosten, bessere Upgrade-Stabilität, klarere Governance und eine robustere Grundlage für künftige KI-gestützte Geschäftsprozesse.
Vor genau zwanzig Jahren, im April 2006, habe ich das Hana-Projekt im Auftrag von Hasso Plattner gestartet, um die neue Architektur zu erfinden, die SAP wieder zukunftsfähig machen sollte. Auf dieser Grundlage hat SAP mit S/4 Hana seinen Standard-Code modernisiert. Mit Nova Intelligence bieten wir nun die Lösung, um auch den Custom Code auf dieser starken Plattform zukunftsfähig zu machen – und damit bereit für die Ära KI-gestützter Geschäftsprozesse. Nova Intelligence ist heute bei Kunden operativ im Einsatz und erzielt strategischen Nutzen. Genau dafür haben wir uns in diesem besonderen Team zusammengefunden und Nova Intelligence gegründet.
Fusion aus Walldorf und Silicon Valley
Nova Intelligence ist eine Technologieplattform, die tiefes SAP-Architekturverständnis mit modernen agentischen KI-Ansätzen verbindet. Mitbegründet wurde Nova Intelligence unter anderem von Prof. Alexander Zeier, der maßgeblich die disruptive SAP-Hana-Architektur mitinitiierte und über mehrere Jahre das zentrale Entwicklungsteam leitete, sowie von Emma Qian, die an der Entwicklung von Google DeepMind als Research Engineer mitgewirkt hat. Nova Intelligence wird von SAP.iO (dem Investitionsarm von SAP) sowie den Top-Tier-Silicon-Valley-VC-Firmen Accel und Conviction finanziert. Auf Basis dieser fundierten SAP-Expertise hat Nova Intelligence eine neue agentische KI-Plattform entwickelt. Sie verbindet ein tiefes Verständnis von SAP-bezogenen Spezifika mit modernster KI-Technologie aus dem Silicon Valley sowie den Innovationsimpulsen eines US-Start-ups.
Ziel der Nova-Intelligence-Plattform ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, komplexe SAP-Landschaften transparenter zu machen und nachhaltig entlang aktueller SAP-Standards und des SAP-Clean-Core-Ansatzes in eine zentrale Plattform zu überführen, die optimal auf die Integration künftiger KI-Innovationen vorbereitet ist. Nova Intelligence bietet damit einen grundlegend neuen Ansatz der SAP-Modernisierung.
(Quelle: Nova Intelligence)







