SAP-Desaster: KI und CRM

SAP-Chef Christian Klein will sich auf ERP fokussieren, die Kernkompetenz des ERP-Weltmarktführers. Diese Fokussierung ist ehrenwert, aber für die SAP-Bestandskunden wenig hilfreich. Die B2B-Welt ist mehr als ERP.
Peter M. Färbinger, E3 Magazin
20. Juli 2023
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Verschlafen oder verabsäumt

Das deutsche Medium Manager Magazin titelte: „Risikofall KI – verschläft SAP auch die nächste Zukunftschance?“ Wer die SAP-Geschichte der vergangenen 50 Jahre kennt, der weiß, dass SAP immer ein Nachzügler bezüglich IT-Innovation war. Siehe auch Manager Magazin Online.

Nur ein Mal war SAP ein wirklicher IT-Pionier: Als die SAP-Gründer erkannt hatten, dass Mainframes eine sterbende Computerkategorie sind, setzten sie auf Minicomputer wie IBM AS/400 und Server von DEC und später HP. Daraus entwickelte sich das legendäre dreistufige Client/Server-Modell für SAP R/3. Es war und ist ein gewaltiger Erfolg. Die Nachfolgeprodukte waren ebenso begehrt: R/3 Enterprise und ERP/ECC 6.0.


Zur Zeit von SAP R/3 spotteten viele Analysten und Journalisten, dass SAP die Internetrevolution verschlafen würde. Das war nicht richtig. Zu dieser Zeit war SAP aufgrund der Erfolge mit R/3 hellwach und schlief keineswegs. Der ERP-Konzern verabsäumte aber, seine eigene Komfortzone zu verlassen. Während der Internetsturm losbrach, begnügte sich SAP mit dem lukrativen R/3-Lizenzverkauf. Keineswegs hat SAP das Internet verschlafen, aber die SAP-Verantwortlichen haben es verabsäumt, über den Tellerrand zu blicken. Das Internet war jenseits des SAP-Horizonts und interessierte niemanden bei SAP. Bis heute wurde verabsäumt dieses Defizit zu tilgen. Der nachlässige Umgang mit IoT, CRM, ML und KI zeigt es deutlich.

KI, ML und ChatGPT

Die anstehende KI-Revolution wird auch die B2B-Applikationen treffen und verändern. Während SAP-Chef Christian Klein noch mit der Optimierung einzelner Applikationen durch KI beschäftigt ist, werden woanders ganze Geschäftsprozesse umgebaut. Die KI-Revolution ist keine Optimierungsmaschine, wie CEO Klein glaubt, sondern eine disruptive Technik, die neue Aufbau- und Ablauforganisationen schafft.

Nachdem ChatGPT die gesamte betriebswirtschaftliche Fachliteratur durchforstet hat, wird es den SAP-Bestandskunden innovative Vorschläge für End-to-End-Prozesse machen und keine Rücksicht auf das SAP-Angebot nehmen. Siehe auch Handelsblatt online.

Der Tod von C/4 Hana

Ursprünglich wollte Ex-SAP-CEO Bill McDermott mit C/4 den Rivalen Salesforce überholen. Es kam ganz anders. C/4 wurde nie fertiggestellt und nun wurde sogar Qualtrics verkauft. Die Funktion des Customer Experience sucht der SAP-Bestandskunde im Angebot von SAP vergeblich. SAP hatte gute Ideen und Ansätze für das eigene CRM. Nachdem aber CEO Christian Klein den Fokus auf ERP und SCM setzte, waren letztendlich zu wenige Ressourcen für einen C/4-Hana-Erfolg vorhanden. Was mit dem begonnenen Customizing von C/4 in Zukunft passieren wird, hat SAP nicht beantwortet. Die eigene Customer Journey ist eine Reise ins Unbekannte.

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Peter M. Färbinger, E3 Magazin

Peter M. Färbinger, Herausgeber und Chefredakteur E3-Magazin DE, US und ES (e3mag.com), B4Bmedia.net AG, Freilassing (DE), E-Mail: pmf@b4bmedia.net und Tel. +49(0)8654/77130-21


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Die Arbeit an der SAP-Basis ist entscheidend für die erfolgreiche S/4-Conversion. Damit bekommt das sogenannte Competence Center bei den SAP-Bestandskunden strategische Bedeutung. Unhabhängig vom Betriebsmodell eines S/4 Hana sind Themen wie Automatisierung, Monitoring, Security, Application Lifecycle Management und Datenmanagement die Basis für den operativen S/4-Betrieb. Zum zweiten Mal bereits veranstaltet das E3-Magazin in Salzburg einen Summit für die SAP-Community, um sich über alle Aspekte der S/4-Hana-Basisarbeit umfassend zu informieren. Mit Ausstellung, Fachvorträgen und viel Gesprächsbedarf erwarten wir wieder zahlreiche Bestandskunden, Partner und Experten in Salzburg.
Das E3-Magazin ladet zum Lernen und Ideenaustausch am 5. und 6. Juni 2024 nach Salzburg ein. Die Summit-Teilnahmegebühr beträgt Euro 590 exkl. USt. Noch bis Freitag, 29. März 2024, gilt der Early-Bird-Tarif von Euro 440 exkl. USt.
Der Steampunk und BTP Summit 2024 findet am Mittwoch und Donnerstag, 28. und 29. Februar 2024, im Hotel Hilton Heidelberg, Kurfürstenanlage 1, statt. Veranstalter ist das E3-Magazin des Verlags B4Bmedia.net AG. Die Vorträge werden von einer Ausstellung ausgewählter SAP-Partner begleitet. Die Teilnahmegebühr für den zweitägigen Summit beträgt Euro 590 exkl. USt. Bis Donnerstag, 30. November 2023, gibt es einen Early-Bird-Tarif von Euro 440 exkl. USt. Die Gebühr beinhaltet den Besuch aller Vorträge, des Ausstellungsbereichs, die Teilnahme an der Abendveranstaltung sowie die Verpflegung während des offiziellen Programms. Das Vortragsprogramm und die Liste der Aussteller und Sponsoren (SAP-Partner) wird zeitnah auf dieser Website veröffentlicht.