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Daten und S/4: Vom Risiko zur Intelligenz

Angefangen hat es mit MDM, Master Data Management. Vor vielen Jahren war es die erste Initiative der IT-Szene, um nachhaltig den Scheinwerfer auf das Thema Datenökonomie zu lenken. Daraus erwuchsen viele Konstrukte und Buzzwords. Ein weiterer Meilenstein war der Beginn der S/4-Conversion, als das Thema Algorithmen und Datenstrukturen aufkam.
Peter M. Färbinger, E3 Magazin
23. November 2023
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Schnell erkannten die SAP-Bestandskunden, dass auch mit dem Datenbank-Releasewechsel Hana der zukünftige Fokus auf den wertvollen Daten liegen wird. Und Thomas Failer vom SAP-Partner Data Migration International hat immer eine Antwort.

Das Thema Daten hat in der SAP-Community eine besondere Bedeutung: betriebswirtschaftlich und organisatorisch sowie technisch. Daten sind die Grundlage und der Antrieb für die betriebswirtschaftlichen Geschäftsprozesse. Die unternehmerische Aufbau- und Ablauforganisation wird durchströmt von Daten.

Im Rahmen des Releasewechsels auf die SAP-Datenbank Hana haben Daten aber auch einen quantitativen Aspekt hinzugewonnen: Eine Datenökonomie wird sehr wertvoll, wenn sie die zu übertragenden Daten nach Hana kleinhält und dennoch die Historie aus dem Archiv in direktem Zugriff bleibt. Daten haben somit für SAP-Bestandskunden einen hohen qualitativen und quantitativen Wert. Im Fall einer Systemstilllegung mit einem möglichen Cloud-Exit bekommt die Datenhaltung einen weiteren entscheidenden Impuls.

Der deutsche Digitalverband Bitkom hat erhoben, dass aktuell zwölf Prozent der Unternehmen sagen, datengetriebene Geschäftsmodelle tragen ausschließlich oder sehr stark zu ihrem Geschäftserfolg bei, vor einem Jahr waren es erst sieben Prozent. Und 22 Prozent erwarten, dass Daten in zwei Jahren ausschließlich oder sehr stark zum Geschäftserfolg beitragen werden, vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 14 Prozent. Die Unternehmen sehen auch deutliche Fortschritte auf ihrem Weg in die Datenökonomie. So sagen neun Prozent, dass sie zu den Vorreitern gehören – nach gerade einmal einem Prozent im Jahr 2022. 

Thomas Failer, Gründer und CEO von Data Migration International, sagt im E3-Gespräch, dass das nur der erste Schritt ist. „Interessanter wird es, wenn die KI auf der Basis der von ihr identifizierten Daten und Ablageorte Vorschläge macht, wie sich die z. B. Algorithmen für Retention Management anpassen lassen, um wirklich alle personenbezogenen Daten regelkonform zu erfassen und zu managen. Das geht mit klassischen Ansätzen wie Fuzzy-Logik oder Expertensystemen allein nicht mehr. Hier braucht es ergänzend KI, auch jenseits von maschinellem Lernen. Denn die Vorschläge lassen sich in einem weiteren Schritt ja sogar automatisch implementieren. Das gilt aber nicht nur für die Regeln, sondern auch für Geschäftsobjekte, die wir für das Management personenbezogener Daten neu benötigen.“

KI und Datenökonomie

Mit modernen KI-Algorithmen wird eine neue Datenökonomie entstehen und DMI-CEO Failer weiß genau, was zu geschehen hat: „Das Management von personenbezogenen Daten muss prinzipiell jenseits der Grenzen bestimmter Systeme und Applikationen erfolgen. Denn es zeigt sich in den Projekten, die wir begleiten durften, dass etwa die Hälfte der Systeme und Anwendungen, die für das Management personenbezogener Daten relevant sind, aus dem Non-SAP-Bereich stammt. Mit reinen SAP-Geschäftsobjekten, ob aus dem Standard oder individuell programmierten, kommen Sie hier nicht allzu weit. Da aber jede System- und Applikationslandschaft kundenspezifisch ist, können wir nicht einen Quasistandard von Geschäftsobjekten vorhalten, sondern müssen sie projektspezifisch bauen. Solche Geschäftsobjekte enthalten dann zum Beispiel die Informationen, in welchen Kopf- und Subtabellen unterschiedlichster Systeme die Daten zu einer bestimmten Person zu finden sind und wie die Primär- und Sekundärschlüssel dieser Tabellen miteinander verknüpft sind. Und die Generierung solcher spezifischen Geschäftsobjekte kann dann wieder eine generative KI übernehmen, was viel Zeit und Kosten spart.“

Somit wird klar, dass die Dualität von Algorithmen und Datenstrukturen sich in Richtung Datenökonomie entwickelt, wo die Generierung solcher spezifischen Datenobjekte die Prozesse inkludiert. Entscheidend ist, wie sich die Algorithmen für ein Retention Management anpassen lassen. Diese Herausforderung existiert vor, während und nach einer S/4-Conversion. Die Generierung kann wieder eine generative KI übernehmen. Nun lebt die generative KI ja nicht nur von Daten, sondern von Big Data.

Offenbar hängt die Korrektheit der Ergebnisse von der Datenmenge ab. Sind die Datenmengen in den hier diskutierten Szenarien überhaupt groß genug? „Das ist etwas sehr Grundsätzliches“, erklärt Thomas Failer. „Generative KI ist im Unternehmenseinsatz nicht immer gleichbedeutend mit Public Cloud, der sicherlich größten Quelle für Big Data. Die relevanten Daten stammen hier aus Legacy- und Live-systemen des jeweiligen Unternehmens. Bei sehr großen Firmen sind das in der Tat Big Data, wenn auch sämtliche Altdaten mithilfe unserer Plattform im Zugriff stehen. Bei mittelständischen Firmen ist das natürlich weniger der Fall. Wir glauben, dass es eine Sammlung von sinnvollen Eingabeaufforderungen geben wird, die sehr gute Ergebnisse erzielen. Es gibt bei generativer KI passendere und weniger passende Anweisungen, die zum Ziel führen. Das ist die Richtung, die wir in unserer Entwicklung verfolgen.“

Das langfristige Ziel von CEO Thomas Failer lautet: „Wir wollen mithilfe von KI bis 2027 der führende Anbieter von intelligentem Datenmanagement und einer intelligenten unternehmensweiten Data Fabric sein. Auf dem Weg dorthin haben wir Meilensteine definiert!“ Die erweiterten Funktionen im Bereich Retention Management, also das Auffinden von personenbezogenen Daten und das Generieren von Geschäftsobjekten mithilfe von KI, sollen bereits im kommenden Frühjahr 2024 mit der Version 11 der DMI-Plattform für Informationsmanagement JiVS IMP den Kunden zur Verfügung stehen.

One Click Transformation

Die weitergehenden Möglichkeiten, per natürlicher Spracheingabe Mapping- und Transformationsregeln zu erzeugen, sollen hingegen 2025 im Rahmen der Version 12 von JiVS IMP veröffentlicht werden, die dann den Zusatz NG für Next Generation im Produktnamen erhält. „Gleichzeitig werden wir in unserem One Click Transformation Cockpit JiVS OCC die damit möglichen Analysen zum Beispiel zum Datenreduktionspotenzial beim Umstieg auf SAP S/4 Hana Schritt für Schritt mit KI-Algorithmen ausstatten, um sie zu verfeinern und zu beschleunigen“, skizziert Thomas Failer die kommenden Jahre.

Auch bei DMI weiß man, dass KI vieles ist, aber natürlich nicht alles. Ein weiterer Schwerpunkt in der DMI-Produktentwicklung ist die Integration von JiVS OCC in die Lösungen führender Anbieter für Application Lifecycle Management (ALM). Die Grundidee dahinter lautet: Die Lebenszyklen von Daten und Anwendungen unterscheiden sich, müssen aber fein aufeinander abgestimmt sein und kontinuierlich synchronisiert werden.

SAP hat Cloud ALM als Nachfolger des legendären, ebenso erfolgreichen SolMan konzipiert. Das SAP’sche ALM agiert als offene Suite und soll in den kommenden Jahren kontinuierlich wachsen. „Systeme und Prozesse gehen Hand in Hand“, sagt dazu SAP-CEO Christian Klein. „Gemeinsam mit LeanIX wollen wir eine einzigartige Transformationssuite anbieten, um unseren Kunden eine ganzheitliche Unterstützung in ihren Geschäftstransformationen zu ermöglichen. Basierend auf unserer jahrzehntelangen Expertise werden wir generative KI integrieren, um selbstoptimierende Anwendungen und Prozesse anzubieten, die Unternehmen dabei helfen, wichtige Ziele wie die Maximierung ihres Cashflows bei gleichzeitiger Minimierung ihres ökologischen Fußabdrucks zu erreichen.“

Thomas Failer nennt dazu ein konkretes Beispiel: „Bei der S/4-Transformation müssen und sollten gar nicht alle Daten aus den Altsystemen in die neue Welt übernommen werden. In der Regel benötigen die Unternehmen nur fünf bis zehn Prozent ihrer Legacy-Daten als operative Daten im neuen System, was den Transformationsaufwand selbstredend massiv reduziert. Aber die nicht benötigten Legacy-Daten dürfen aus rechtlichen und sollen aus geschäftlichen Gründen nicht gelöscht werden. Vielmehr sollen sie weiter im Zugriff bleiben.

 SAPs Lösungssuite zur Geschäftstransformation soll Bestandskunden einen umfassenden Überblick über Geschäftsprozesse und -anwendungen bieten, einschließlich der Abbildung von Prozessabhängigkeiten und der Darstellung der Auswirkungen potenzieller Transformationen auf ihre IT-Landschaft. Plattformen wie SAP BTP und JiVS von DMI ermöglichen es SAP-Bestandskunden, eine Kultur kontinuierlicher Anpassungsfähigkeit und Verbesserung zu schaffen.

DMI-Strategie

Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen der SAP- und DMI-Strategie, der deutlich das erwähnte duale Prinzip von Algorithmen und Datenstrukturen widerspiegelt: ALM-Lösungen konzentrieren sich auf Systeme und Prozesse.

„Wir haben den Lebenszyklus von Daten im Fokus“, betont CEO Failer. Wie ALM-Lösungen jeden Transformationsschritt auf Anwendungs- und Prozessebene managen, leistet das die JiVS-IMP-Plattform auf der Ebene der Daten und liefert den Unternehmen dadurch eine 360-Grad-Sicht darauf. „Beide Ebenen und Lösungsbereiche ergänzen sich somit perfekt“, weiß Thomas Failer und ist damit vom Mehrwert für SAP-Bestandskunden voll überzeugt. „Es wäre aus der Sicht unserer Kunden doch sehr hilfreich, wenn sie schon in der Vorbereitungsphase ihrer Transformationsprojekte die Ergebnisse der Analyse, wie viel Prozent der Altdaten sie transformieren wollen und aus welchen Systemen, direkt an eine ALM-Lösung weiterleiten könnten. Daran arbeiten wir.“

Prozess- und Datentransformation

Die LeanIX-Transformation von IT-Landschaften in Verbindung mit der Signavio-Prozesstransformation, Rise with SAP und der SAP Business Technology Platform (BTP) ermöglicht es SAP-Bestandskunden, eine Kultur kontinuierlicher Anpassungsfähigkeit zu schaffen. „Seit über zehn Jahren stehen wir für eine nahtlose Integration des Ökosystems und haben uns so zu einem führenden Unternehmen in der Kategorie Enterprise Architecture Management entwickelt“, sagt André Christ, Mitgründer und CEO von LeanIX. „Unsere Strategie ist es, Unternehmen in einem sich schnell verändernden Geschäftsumfeld ihre kontinuierliche Transformation zu ermöglichen.“

Es gibt aber noch weitere Integrationsszenarien: „Wir streben natürlich auch den Austausch von Informationen mit ALM-Lösungen nach der Vorbereitungsphase an, insbesondere während der Implementierung. So könnten wir uns vorstellen, aggregierte Statusmeldungen zur Transformation der verschiedenen Archive und Systeme an ALM-Lösungen zu übergeben. Und wer dann die Details erfahren will, kann sie in unserem Transformationscockpit nachschlagen. Überhaupt wollen wir unser Cockpit zur Monitoring-Zentrale weiterentwickeln“, beschreibt Thomas Failer ein Zukunftsszenario für die SAP-Community.

Nach Vorstellung von DMI sollen Live-systeme von nicht mehr benötigten Legacy-Daten entlastet werden und diese Prämisse ergibt nicht nur während einer S/4-Transformation Sinn. „Der Nutzen lässt sich vielmehr maximieren, wenn die nicht mehr benötigten Daten aus der Hana-Datenbank, die immer noch teuren Hauptspeicher benötigt, regelmäßig auf unsere Plattform überspielt und dort bis zum Ende ihres Lebenszyklus verwaltet werden“, erklärt DMI-Chef Failer den technischen Vorgang. Etwa alle Auftragsdaten, die älter als drei Monate sind, automatisch auf JiVS IMP auszulagern ist mit der DMI-Plattform möglich, weil die Daten ja trotzdem jederzeit im Zugriff bleiben. Nach aktuellen Schätzungen lassen sich dadurch die Gesamtbetriebskosten einer S/4-Hana-Landschaft über deren Lebenszyklus um bis zu 25 Prozent senken. „Wir arbeiten zurzeit an der Unterstützung der zentralen S/4-Geschäftsobjekte, um auf die Altdaten direkt aus den S/4-Standard-transaktionen zugreifen zu können“, beschreibt Thomas Failer den Mehrwert der DMI-Plattform. Die Mapping-Regeln, die DMI beim „Technical Structure Mapping“ definiert, helfen dabei enorm. „Erste dieser Geschäftsobjekte haben wir bereits im Einsatz“, berichtet der DMI-Chef.

Im Zusammenhang mit Application Lifecycle Management ist das Thema Monitoring wieder aktuell geworden. „Die Idee ist, dass wir die Entwicklung der Datenmengen in S/4 wie auch das Nutzungsverhalten, was den Zugriff auf Legacy-Daten betrifft, beobachten“, skizziert Thomas Failer das eigene Vorhaben. „Auf dieser Basis möchten wir Vorschläge unterbreiten, wie SAP-Bestandskunden die S/4-Landschaft dauerhaft rank und schlank halten können. Aber die Daten aus unserem Transformationscockpit JiVS OCC und von unserer Plattform JiVS IMP sind aus Kundensicht entlang des Lebenszyklus ihrer Systemlandschaft nicht nur für ALM-Lösungen interessant. Ich denke hier auch an Enterprise-Architecture-Tools, Entwicklungs- und Analyseplattformen, aber auch operative Systeme wie ERP und CRM. Den Lebenszyklus von Anwendungen, Eigenentwicklungen etc. miteinander zu synchronisieren birgt ein enormes Effizienzpotenzial.“

SAP und Non-SAP

Die SAP-Community unterlag in den vergangenen Jahren einem nachhaltigen Transformationsprozess, der immer wieder neue Optionen und Innovationen für die Bestandskunden eröffnet. „Unsere Plattform und unser Cockpit sind sowohl für SAP als auch Non-SAP-Systeme ausgelegt“, betont Failer im E3-Gespräch. „Wir unterstützen aktuell im Standard rund 2000 Geschäftsobjekte aus dem SAP-Umfeld von S/4 bis zu R/3, Version 3.0, und weitere 1000 zu Lösungen von Drittanbietern wie JDEdwards oder Oracle EBS etc. Mit unserer Plattform wird auch der Zugriff auf diese Altdaten möglich. Das eröffnet für SAP-Bestandskunden ein riesiges Konsolidierungs- und Harmonisierungspotenzial bei der Transformation auf S/4. Denn sie können mithilfe unserer Plattform nicht nur ihre Legacy-Systeme von SAP, sondern auch von Drittanbietern komplett stilllegen und mit einem einzigen modernen ERP-System weiterarbeiten.“ 

jivs.com

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Peter M. Färbinger, E3 Magazin

Peter M. Färbinger, Herausgeber und Chefredakteur E3-Magazin DE, US und ES (e3mag.com), B4Bmedia.net AG, Freilassing (DE), E-Mail: pmf@b4bmedia.net und Tel. +49(0)8654/77130-21


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Die Arbeit an der SAP-Basis ist entscheidend für die erfolgreiche S/4-Conversion. 

Damit bekommt das sogenannte Competence Center bei den SAP-Bestandskunden strategische Bedeutung. Unhabhängig vom Betriebsmodell eines S/4 Hana sind Themen wie Automatisierung, Monitoring, Security, Application Lifecycle Management und Datenmanagement die Basis für den operativen S/4-Betrieb.

Zum zweiten Mal bereits veranstaltet das E3-Magazin in Salzburg einen Summit für die SAP-Community, um sich über alle Aspekte der S/4-Hana-Basisarbeit umfassend zu informieren. Alle Informationen zum Event finden Sie hier:

SAP Competence Center Summit 2024

Veranstaltungsort

Eventraum, FourSide Hotel Salzburg,
Am Messezentrum 2,
A-5020 Salzburg

Veranstaltungsdatum

5. und 6. Juni 2024

Reguläres Ticket:

€ 590 exkl. USt.

Veranstaltungsort

Eventraum, Hotel Hilton Heidelberg,
Kurfürstenanlage 1,
69115 Heidelberg

Veranstaltungsdatum

28. und 29. Februar 2024

Tickets

Regular Ticket
EUR 590 exkl. USt
Veranstalter ist das E3-Magazin des Verlags B4Bmedia.net AG. Die Vorträge werden von einer Ausstellung ausgewählter SAP-Partner begleitet. Der Ticketpreis beinhaltet den Besuch aller Vorträge des Steampunk und BTP Summit 2024, den Besuch des Ausstellungsbereichs, die Teilnahme an der Abendveranstaltung sowie die Verpflegung während des offiziellen Programms. Das Vortragsprogramm und die Liste der Aussteller und Sponsoren (SAP-Partner) wird zeitnah auf dieser Website veröffentlicht.