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BW/4 oder DWC

Mit der SAP Data Warehouse Cloud kommen Unternehmen dem Ziel eines datengesteuerten Unternehmens näher. Denn das DW in der Cloud macht die eigene Performance messbar – mit all ihren Stärken und Schwächen.
Jasmin Kazi, q.beyond
Christian Kalweit, q.beyond
1. Februar 2023
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Datengesteuerte Unternehmen: SAP Data Warehouse Cloud bringt Erleichterungen

Die Mehrzahl der SAP-Anwender steht vor einer Migration auf SAP S/4. Dabei stellt das Projekt Unternehmen vor komplexe Herausforderungen. Als zentraler IT-Bestandteil nimmt die Umstellung viel Zeit in Anspruch und die Verantwortlichen müssen verschiedenste Aspekte berücksichtigen. In diesem Zuge sollten sie auch dem Thema Reporting besondere Aufmerksamkeit schenken. Denn was passiert beispielsweise bei der Umstellung mit dem bisherigen Berichtswesen – vor allem wenn unterschiedliche Quellen vorliegen? Zwar sammelt S/4 einen Großteil der Unternehmensdaten, entscheidend ist aber deren Umwandlung in Informationen. Erst dann können Organisationen ihre kompletten Zahlen und Fakten einbeziehen, sie interpretieren und tiefgehende Analysemöglichkeiten schaffen. Der Weg dorthin gelingt mit einer kontrollierten Datenlandschaft. Bühne frei für die SAP Data Warehouse Cloud.

Komplexe Systemlandschaften

Heutige IT-Projekte sind von komplexen Systemlandschaften geprägt. Zudem nimmt die Geschwindigkeit, mit der Unternehmen neue Systeme integrieren oder bestehende ablösen, zu. SAP-Bestandskunden berücksichtigen mit zentralen ERP-Lösungen (ERP/ECC 6.0 oder S/4 Hana) weitgefächerte operative oder betriebswirtschaftliche Strukturen. Für die Analyse müssen IT-Verantwortliche und Fachbereiche aber zahlreiche Hürden überspringen. Denn für Reportings greifen sie meist auf unterschiedliche Datensilos zurück. Das führt zu Redundanzen und einer erschwerten Aufbereitung der wertvollen Informationen. In der Konsequenz ist die Qualität der Analyse allenfalls befriedigend.  

Mit Ad-hoc-Reportings und Self-Service versuchen Unternehmen bereits stärker auf den aktuellen Informationsbedarf einzugehen und klassische Wochen- und/oder Monatsberichte zu ergänzen. Auch Themen wie Planung, Forecast oder Augmented Analytics sind heute verbreitet. Steht die Umstellung auf S/4 im Unternehmen kurz bevor, eröffnet sich eine weitere Reporting-Chance: Die Hana-Plattform ermöglicht performante Analysen im operativen System. Das Ziel: SAP-Daten maximal ausschöpfen.

Potenziale nutzen

Im Umkehrschluss bedeutet das: Verpassen es Unternehmen, beim Umstieg zusätzliche Möglichkeiten für die Berichterstellung und Analyse einzubeziehen, lassen sie zahlreiche Potenziale brachliegen. Die Folgen: Handlungsempfehlungen verlangsamen sich, die Produktivität sinkt, die Qualität von Entscheidungen sinkt und die Skalierbarkeit ist ungewiss. Letztlich kann der Mangel an Innovation dazu führen, dass die Organisation im Wettbewerb zurückfällt.

Auch eine vorschnelle Migration kann Tücken aufweisen. Setzen Organisationen also ohne eine tiefere Analyse lediglich auf eine technische Lösungsoption, wie Embedded Analytics, stoßen sie rasch auf Einschränkungen. Denn in diesem Fall ist es nicht mehr möglich, Daten aus anderen
Systemen zu integrieren, zu harmonisieren oder auch zu historisieren. Erhöhte Kosten, Unzufriedenheit und Zeitverzug lassen sich mit einer rechtzeitigen Betrachtung der Bereiche Reporting und Analytics bei der Migration auf SAP S/4 vermeiden.

S/4 und Data Warehouse

2027 muss die Migration auf S/4 Hana erfolgt sein. Dann endet der Support für alte SAP-ERP-Systeme. Da S/4 als zentrale Quelle für Reportingdaten fungiert, ist ein Punkt bei dem Umstieg zu klären: Wie will sie das Unternehmen weiterhin nutzen können? Eine effiziente Lösung: ein modernes Data Warehouse. Hier lassen sich Informationen aus den operativen Systemen zentral bündeln. Dafür sprechen vor allem Performance-Gründe. Denn mit modernen Warehouse-Applikationen können Unternehmen große Datenmengen auch virtuell in Echtzeit ohne Ladeverzögerung aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen und analysieren. Die Ergebnisse: eine verbesserte Qualität und vollständige Geschäftsanalysen durch einen ganzheitlichen Blick auf Informationen.

Die Frage, ob eine Data Warehouse Architecture Mehrwerte bietet, ist also bereits beantwortet. Was SAP-Spezialisten aktuell noch beschäftigt: Wann sollen sie sich bei der Migration auf S/4 dem Thema Analytics widmen – vorher, gleichzeitig oder danach? Nicht alle Optionen sind sinnvoll. Eine gleichzeitige Betrachtung ist meist schwierig. Denn wie so oft fehlt es den internen Experten an freien Kapazitäten. Warten sie jedoch zu lang, kann das viel Zeit und Geld kosten. Denkbar sind dann Umbaumaßnahmen oder nachträgliche Lizenzierungen. Deshalb empfiehlt es sich, Analyse und Konzeption möglichst früh umzusetzen – also im Vorfeld.

BW/4 versus DWC

Bei der Entscheidung für eine Analytics-Plattform rücken zwei SAP-Varianten in den Fokus. BW/4 Hana als On-prem-Lösung oder Private Cloud und Data Warehouse Cloud (DWC) in der Public Cloud. Dabei ist die DWC als schlankere Alternative zu sehen. Welche Variante sich für das Unternehmen anbietet, hängt von den eigenen Bedürfnissen und Anforderungen ab. So können Organisationen BW/4 weiterhin allein nutzen oder den Umstieg auf die Data Warehouse Cloud angehen. Aber auch eine Kombination ist denkbar: Denn für die Anbindung des BW-Systems in die Data Warehouse Cloud ist bereits gesorgt. 

Für Unternehmensanalysen stellt gerade der Geschäftssemantik-Service in der Cloud-Umgebung zahlreiche Benefits bereit. Der größte Vorteil ist, dass der Start schneller funktioniert. Gegenüber der BW/4 ist der Aufwand für die Einführung also geringer. Neben klassischen Funktionen wie Datenvisualisierung, -virtualisierung und -anbindung gibt es auch komplette Neuheiten, wie beispielsweise das Self-Service-Modeling. Durch den Business Layer, annähernd vergleichbar mit dem BW-Workspace im BW/4, sind Fachbereiche befähigt, selbst Modelle zu generieren. Damit gehört auch die Zeit von Datensilos in einzelnen Abteilungen der Vergangenheit an. 

Mehrwerte im Tagesgeschäft 

Gerade für die tägliche Arbeit bringt die Data Warehouse Cloud Erleichterungen mit sich. Angefangen bei der Einfachheit: Die Data Warehouse Cloud richtet sich nicht nur an IT-Spezialisten, sondern an alle Mitarbeitenden – egal aus welcher Fachabteilung. Mit intuitiven Werkzeugen übernehmen sie selbst die Datenmodellierung. In geschützten Bereichen können Teams Daten selbst zusammenstellen, aufbereiten und für die gewünschten Analysen verwenden. Denn die Data Warehouse Cloud stellt eine No-Code-/Low-Code-Lösung zur Verfügung. Das führt am Ende zu selbstständig arbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Daneben weist sie eine hohe Skalierbarkeit auf. Gerade für mittelständische Unternehmen ist es besonders interessant, dass sie zunächst mit kleinen Umfängen hinsichtlich Speicher und Prozessoren starten können. Mit zunehmendem Bedarf ist die schrittweise Erhöhung möglich. Als SAP Cloud Software erhält die Data Warehouse Cloud alle drei Monate neue Funktionen. Eine kontinuierliche Innovation ist also gegeben. Die Software-as-a-Service-Lösung ist eine rein webbasierte Applikation. Daher sind keinerlei Installationen oder Einrichtungen notwendig. Die IT spart also Kapazitäten ein, weil Wartung und Pflege beim Cloud-Anbieter liegen. 

Schritt für Schritt zur DWC

Wie können Unternehmen die Data Warehouse Cloud im Rahmen einer S/4-Transformation optimal und effizient integrieren? Für die Umsetzung ist ein Vorgehen in fünf Schritten ratsam:

Schritt 1: Das Unternehmen sollte zunächst alle bestehenden Reporting-Systeme untersuchen – egal ob ERP oder Data-Warehouse-Systeme wie BW oder BW/4. Einbeziehen sollten sie auch die aktuellen Pain Points der Analytics User. Das gibt Aufschluss über den angestrebten Sollzustand. Daneben rückt die Schatten-IT mit Versorgung aus dem ERP oder S/4 in den Fokus, wie Excel oder Access. Hier ist es wichtig, die Auswirkungen einer Transformation auf bisherige Data-Warehouse- und Reporting-Systeme durch Simplification Items wie entfallende Tabellen, neue Schnittstellentechnologien/Extraktoren (ODP, CDS etc.) oder geänderte Feldlängen (Materialnummer, Betragsfelder etc.) zu analysieren und zu bewerten.

Schritt 2: Was ist eigentlich gefordert? Die Organisation sollte sich mit sämtlichen Ansprüchen auseinandersetzen. Welche Anforderungen sind an bisherige Reportings sowie Augmented Analytics gestellt? Und welche an Berichte oder Planungsprozesse? Daneben sollte sie Informationen zum Umfeld des ERP-Systems zusammentragen, wie IoT, Webshop oder Social Media.

Schritt 3: Alle erfassten Anforderungen gilt es jetzt zu bewerten. Daraus ergibt sich eine Kategorisierung, die Aufschluss über die Umsetzung gibt, zum Beispiel in der neuen Data Warehouse Cloud. Eine Einordnung kann nach operativen und Data-Warehouse-Berichten erfolgen.

Schritt 4: Durch die Analyse der Istarchitektur und das Einbeziehen von Berichtsverzeichnissen lässt sich eine sinnvolle Struktur ableiten. Daraus ergibt sich das mögliche weitere Vorgehen.

Schritt 5: Sind alle Aspekte geklärt, folgen die Implementierung in der Data Warehouse Cloud, der Umbau oder die Erweiterung einer bestehenden Lösung. Auf der letzten Etappe kann eine Roadmap unterstützen. 

Wichtig ist, dass die Untersuchung oder eine Test-Installation auch Grenzen der Data Warehouse Cloud für den konkreten Sollzustand aufzeigen kann. Ein hohes Datenvolumen oder die Anzahl an Benutzern mit bestimmten Funktionen kann in der Cloud-Nutzung zu steigenden Kosten führen. Deshalb ist es essenziell, den konkreten Anwendungsfall und alle Anforderungen an eine Data-Warehouse-Applikation im Vorfeld genau zu analysieren.

Fazit: Data/Business Warehouse

Die SAP Data Warehouse Cloud kann Unternehmen auf die Überholspur führen. Die Beschleuniger: harmonisierte Daten aus verschiedenen Quellsystemen und befähigte Mitarbeitende im gesamten Unternehmen. Auch lassen sich Daten mit der DWC End-to-End über verschiedene operative Systeme hinweg auswerten. Eine Integration kann zum Beispiel im Sales-Prozess mit Salesforce CRM und S/4 Hana erfolgen. Damit das Manöver gelingt, ist aber Vorarbeit gefragt. Unterstützung finden Organisationen bei versierten Expertinnen und Experten, wie beispielsweise bei der q.beyond. Denn BW/4, Embedded BW/Analytics oder DWC sind nur einige Architekturoptionen. Die richtige Lösung für die eigene Organisation zu finden braucht mitunter externes Fachwissen.

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Jasmin Kazi, q.beyond

Jasmin Kazi ist Senior Consultant Analytics bei q.beyond


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Christian Kalweit, q.beyond

Christian Kalweit ist Leiter SAP BI Solutions bei q.beyond.


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Die Arbeit an der SAP-Basis ist entscheidend für die erfolgreiche S/4-Conversion. 

Damit bekommt das sogenannte Competence Center bei den SAP-Bestandskunden strategische Bedeutung. Unhabhängig vom Betriebsmodell eines S/4 Hana sind Themen wie Automatisierung, Monitoring, Security, Application Lifecycle Management und Datenmanagement die Basis für den operativen S/4-Betrieb.

Zum zweiten Mal bereits veranstaltet das E3-Magazin in Salzburg einen Summit für die SAP-Community, um sich über alle Aspekte der S/4-Hana-Basisarbeit umfassend zu informieren. Alle Informationen zum Event finden Sie hier:

SAP Competence Center Summit 2024

Veranstaltungsort

Eventraum, FourSide Hotel Salzburg,
Am Messezentrum 2,
A-5020 Salzburg

Veranstaltungsdatum

5. und 6. Juni 2024

Reguläres Ticket:

€ 590 exkl. USt.

Veranstaltungsort

Eventraum, Hotel Hilton Heidelberg,
Kurfürstenanlage 1,
69115 Heidelberg

Veranstaltungsdatum

28. und 29. Februar 2024

Tickets

Regular Ticket
EUR 590 exkl. USt
Veranstalter ist das E3-Magazin des Verlags B4Bmedia.net AG. Die Vorträge werden von einer Ausstellung ausgewählter SAP-Partner begleitet. Der Ticketpreis beinhaltet den Besuch aller Vorträge des Steampunk und BTP Summit 2024, den Besuch des Ausstellungsbereichs, die Teilnahme an der Abendveranstaltung sowie die Verpflegung während des offiziellen Programms. Das Vortragsprogramm und die Liste der Aussteller und Sponsoren (SAP-Partner) wird zeitnah auf dieser Website veröffentlicht.