Souveränität: Integration ohne Cloud-Zwang


Die Diskussionen auf der diesjährigen SAPinsider in Las Vegas markierten einen Wendepunkt: Es geht nicht mehr nur darum, was technisch möglich sein wird, sondern wie Unternehmen das „Cloud First“-Versprechen in einer hybriden Realität einlösen können. Für Kunden in regulierten Branchen wie Pharma, Verteidigung oder dem öffentlichen Sektor war die Cloud bisher oft eine Hürde. Die SAP Edge Integration Cell (EIC) schließt diese Lücke. Sie ermöglicht es, die volle Leistung der SAP Integration Suite zu nutzen, ohne dass sensible Daten die lokale Firewall verlassen müssen.
Strategische Agilität statt Cloud-Zwang
Der wahre Wert der EIC liegt in der Balance zwischen Innovation und Kontrolle. Integrationen können lokal ausgeführt, aber zentral in der Cloud verwaltet werden. Das beschleunigt die Bereitstellung, ohne einen sofortigen, vollständigen Cloud-Umzug zu erzwingen. Besonders für Kunden, die vor der Migration von SAP PI/PO stehen, bietet die EIC einen pragmatischen Pfad: Ein schrittweiser Übergang zur Integration Suite wird möglich, wobei geschäftskritische Szenarien mit geringer Latenz oder hohen Sicherheitsanforderungen on-premises bleiben. Im Kontext der S/4-Transformation und der „Clean Core“-Strategie unterstützt die EIC so die Entkopplung der Integrationen vom Core-ERP.
Container-Management für SAP
Damit diese hybride Welt stabil läuft, braucht es ein solides Fundament. Was SLES for SAP für klassische SAP-Anwendungen ist, ist Suse Rancher for SAP applications für moderne, containerisierte Workloads wie die EIC. Da Kubernetes für viele SAP-Basis-Teams Neuland ist, bietet die SAP-validierte Plattform von Suse die nötige Sicherheit und Governance. Die enge Kooperation zwischen SAP und Suse reduziert den betrieblichen Aufwand und macht die Infrastruktur zukunftssicher.
Technisch hat sich einiges getan: Die Adapter AS2 und AS4 sind nun allgemein verfügbar. Zudem wurde die Datenbankunterstützung erweitert – SAP Hana kann jetzt als Datenbank und Datenspeicher für die EIC dienen, wobei eine einzige Instanz mehrere EIC-Knoten unterstützt. Ein entscheidender Punkt für die Sicherheit: Neue Offline-Funktionen erlauben es Teams, Container-Images lokal zu scannen, bevor sie in die private Umgebung geladen werden.
Auf der diesjährigen Susecon 2026 in Prag wurde deutlich: Digitale Souveränität ist der Schlüssel zur Resilienz. Mit der neuen Sovereignty Specialization bietet Suse nun validierte Referenzarchitekturen (SRI), die sicherstellen, dass Daten und Workloads unter voller lokaler Kontrolle bleiben. In Zeiten von massiven Marktveränderungen im Virtualisierungssektor positioniert sich die Kombination aus SAP EIC und Suse Rancher zudem als ideale „Exit-Strategie“ für Unternehmen, die sich gegen proprietäre Preissteigerungen absichern und gleichzeitig die Brücke zu moderner, souveräner KI schlagen wollen.
Fazit: Vom Pilotprojekt zum Produktivbetrieb
Die Hürden für den Einstieg sind niedrig. Die meisten Abonnenten der Integration Suite haben bereits das Recht, einen EIC-Knoten pro Tenant ohne zusätzliche Kosten zu betreiben. Für den Weg vom Pilotprojekt in den Produktivbetrieb ist eine stabile Basis entscheidend. Wer auf Suse Rancher for SAP applications setzt, erhält eine für SAP validierte Umgebung, die die gewohnte Zuverlässigkeit in die Welt der Container bringt. Unternehmen sollten die Zeit bis zum Auslaufen der PI/PO-Wartung nutzen, um ihre Integrationslandschaft nach den Prinzipien des „Clean Core“ zu modernisieren und die EIC als stabilen Anker in ihrer hybriden Architektur zu etablieren.
Der nächste Schritt für Unternehmen? Ein Audit der bestehenden Integrationsflüsse und die Prüfung der EIC-Verfügbarkeit im eigenen Tenant. Die hybride Zukunft der Integration hat begonnen – lokal, sicher und voll vernetzt.
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