Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community

All-in on AI

KI und Agentic AI sind kein Mehrwert für ERP. KI wird letztendlich traditionelles ERP ersetzen, marginalisieren und eliminieren. S/4 wird noch viele Jahre bestehen, die Zukunft liegt aber woanders.
Peter M. Färbinger, E3-Magazin
30. März 2026
avatar

Letztendlich muss davon ausgegangen werden, dass in der momentanen Situation SAP-Chef Christian Klein das Phänomen „KI“ nicht verstanden hat. Er behandelt KI nicht anders als In-memory Computing, Predictive Analysis und Cloud Computing. Es sind technische Experimentier- und IT-Spielfelder, die dem ERP einen Mehrwert und SAP einen Vorsprung verschaffen sollen.

Bereits die In-memory-Computertechnik SAP Hana war von zweifelhaftem Wert. Hana war und ist ein Meisterstück der Informatik, das von Professor Hasso Plattner und Professor Alexander Zeier an der Universität Potsdam (Deutschland) am HPI (Hasso-Plattner-Institut) geschmiedet wurde. Technisch überragend, aber mit beschränktem Mehrwert für Betriebswirtschaft und Organisation. Der große Erfolg blieb Hana bis heute verwehrt, weil es eine singuläre Datenbank für SoH (Suite on Hana) und SAP S/4 geblieben ist. Die Idee von Ex-SAP-Technikvorstand Vishal Sikka, aus Hana ein Open-Source-Produkt zu machen, wurde nie realisiert.

Fullsize

Aus SAP PAL (Predictive Analysis Library) wurde Hana PAL, aber es wurde aus diesem Informatikkonzept keine neue ERP-Innovation. PAL war und ist ein interessantes ERP-Add-on, wie es auf der Hana-Plattform auch die Engines Graph und Vector sind. In den vergangenen Jahren war SAP sehr gut darin, innovative IT-Werkzeuge den eigenen Bestandskunden zur Verfügung zu stellen. Einen eigenen Weg mit betriebswirtschaftlicher und organisatorischer Wert- und Nachhaltigkeit konnte der ERP-Konzern SAP seinen Bestandskunden aber nicht mehr bieten.

SAP feierte unter CEO Christian Klein große wirtschaftliche Erfolge mit der Technik des Cloud Computing. Der SAP-Aktienkurs erreichte ein Allzeithoch. Die Technik funktioniert, aber SAP mäandert zwischen „Cloud first“ und „Cloud only“. SAP findet seit vielen Jahren keinen sinnvollen betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Weg für ein ERP in der Cloud. Es werden Informatikkonzepte wie BTP, BDC, Joule und RPT-1 präsentiert, der „Purpose“ eines neuen ERP wurde jedoch niemals definiert – nun heißt es bei SAP: All-in on AI.

Der Weg in Richtung Cloud war für SAP bedingt richtig, weil fast alle traditionellen Softwareanbieter im Cloud Computing den Befreiungsschlag suchten. Mit KI liegt SAP-Chef Christian Klein falsch. KI ist ein Paradigmenwechsel. KI ist kein Add-on für ERP, sondern KI will die traditionelle Informatik revolutionieren – wie vieles andere auch!

Nach Konsolidierung, Harmonisierung, Orchestrierung und Virtualisierung kam Cloud Computing. Ein logischer Schritt für viele Teilaspekte eines ERP. SAP unter Führung von Christian Klein schaffte kurz vor zwölf den Absprung in Richtung Cloud und Investoren, Finanzanalysten und die Börse zollten dem SAP-CEO mit einem Allzeithoch des SAP-Aktienkurses Respekt und Anerkennung.

Diesen Husarenritt mit KI zu wiederholen, erscheint naiv. KI ist keine evolutionäre Weiterentwicklung einer beliebigen Informatik. SAP-Chef Christian Klein müsste ERP unter dem Aspekt der KI neu erfinden und eben nicht immer mehr KI in alte ERP-Technik stecken. Die Herausforderung für SAP ist nicht KI, sondern ERP. Vielleicht ein Composable ERP auf Basis eines betriebswirtschaftlichen KI-Systems wie SAP RPT-1, ergänzt um Agentic AI.

Jede Technik hat ihre Zeit: Mein erstes ERP-System war SAP R/3 auf einem IBM-Server RS/6000 mit AIX als Betriebssystem und Oracle als Datenbank. Ich war Neuling in der Szene und staunte nicht schlecht, dass IBM mit Softwarelizenzen gerade so über die Runden kam und SAP mit den R/3-Lizenzen immer reicher wurde! Auf dem IBM-Server RS/6000 gab es genau zwei User-Lizenzen: einen Administrator und SAP R/3. Jeder SAP-Anwender benötigte naturgemäß eine R/3-Lizenz, aber keine AIX-Betriebssystemlizenz. Es war eine Frage der IT-Systemarchitektur, von der SAP profitierte.

Dieses IT-ERP-Szenario wird sich mit KI-Agenten weiterentwickeln und wiederholen: „AI software is eating the    world“, prophezeien KI-Experten. Warum nicht Hunderte S/4-Lizenzen durch einen einzigen KI-Assistenten ersetzen, der rund um die Uhr arbeitet und von Hunderten ehemaligen SAP-Anwendern betreut, überwacht und gesteuert wird? Ein vollwertiges S/4-Hana-System könnte von fünf KI-ERP-Assistenten und ihren KI-Agenten (Agentic AI) gesteuert werden: CRM, HCM, SCM, PLM und MII.

Der KI-Agent Joule und die Plattformen BTP und BDC würden bei „All-in on AI“ leer ausgehen, weil spezialisierte KI-Agenten von Salesforce, Workday und ServiceNow sowie allgemeine KI-Agenten von OpenAI, Anthropic oder Mistral kommen.

„All-in on AI“ kann für SAP-Chef Christian Klein keine Exit-Strategie sein, weil KI in jedem Bereich und jeder Dimension das klassische ERP wie S/4 Hana bedroht. SAP braucht nach dem KI-Paradigmenwechsel ein neues ERP-Modell und eben keine AI-Add-ons.

Mit KI als ERP-Add-on wird Christian Klein das Überleben von SAP nicht garantieren, aber KI kann zum Ausgangspunkt einer neuen SAP werden – wie schon einmal die fünf SAP-Gründer die Informatik revolutionierten, als Hardware noch der große Umsatzbringer war.

avatar
Peter M. Färbinger, E3-Magazin

Peter M. Färbinger, Herausgeber und Chefredakteur E3-Magazin DE, US, ES und FR (e3mag.com), B4Bmedia.net AG, Freilassing (DE), E-Mail: pmf@b4bmedia.net und Tel. +49(0)8654/77130-21


Schreibe einen Kommentar

Die Arbeit an der SAP-Basis ist entscheidend für die erfolgreiche S/4-Conversion. 

Damit bekommt das sogenannte Competence Center bei den SAP-Bestandskunden strategische Bedeutung. Unhabhängig vom Betriebsmodell eines S/4 Hana sind Themen wie Automatisierung, Monitoring, Security, Application Lifecycle Management und Datenmanagement die Basis für den operativen S/4-Betrieb.

Zum vierten Mal bereits veranstaltet das E3-Magazin in Salzburg einen Summit für die SAP-Community, um sich über alle Aspekte der S/4-Hana-Basisarbeit umfassend zu informieren.

Veranstaltungsort

FourSide Hotel Salzburg,
Trademark Collection by Wyndham
Am Messezentrum 2, 5020 Salzburg, Österreich
+43-662-4355460

Veranstaltungsdatum

Mittwoch, 10. Juni, und
Donnerstag, 11. Juni 2026

Nur KI-Erlebnisworkshop am 11. Juni 2026 (limitierte Plätze)
Bonus: Zugang zu allen Vorträgen am 11. Juni 2026

Reguläres Ticket

Vorträge, Abendveranstaltung und je Verfügbarkeit der KI-Workshop am 11. Juni 2026
Die Plätze beim KI-Erlebnisworkshop sind limitiert und eine Anmeldung ist erforderlich.

Abonnenten des E3-Magazins Ticket

ermäßigt mit Promocode CCAbo26

Studierende*

ermäßigt mit Promocode CCStud26.
Studiennachweis bitte per Mail an office@b4bmedia.net senden.
*Die ersten 10 Tickets sind für Studierende kostenfrei. Versuchen Sie Ihr Glück! 🍀
EUR 305 exkl. USt.
EUR 590 exkl. USt.
EUR 390 exkl. USt.
EUR 290 exkl. USt.

Veranstaltungsort

Hotel Hilton Heidelberg
Kurfürstenanlage 1
D-69115 Heidelberg

Veranstaltungsdatum

Mittwoch, 22. April und
Donnerstag, 23. April 2026

Tickets

Nur KI-Erlebnisworkshop am 23. April 2026 
Bonus: Zugang zu allen Vorträgen am 23. April 2026
Reguläres Ticket
22. April 2026: Vorträge und Abendveranstaltung
23. April 2026: Vorträge und KI-Workshop
EUR 305 exkl. USt
EUR 590 exkl. USt
Abonnenten des E3-Magazins
ermäßigt mit Promocode STAbo26
EUR 390 exkl. USt
Studierende*
ermäßigt mit Promocode STStud26.
Studiennachweis bitte per Mail an office@b4bmedia.net senden.
EUR 290 exkl. USt
*Die ersten 10 Tickets sind für Studierende kostenfrei. Versuchen Sie Ihr Glück! 🍀
Veranstalter ist das E3-Magazin des Verlags B4Bmedia.net AG. Die Vorträge werden von einer Ausstellung ausgewählter SAP-Partner begleitet. Der Ticketpreis beinhaltet den Besuch aller Vorträge des Steampunk und BTP Summit 2026, den Besuch des Ausstellungsbereichs, die Teilnahme an der Abendveranstaltung sowie die Verpflegung während des offiziellen Programms. Das Vortragsprogramm und die Liste der Aussteller und Sponsoren (SAP-Partner) wird zeitnah auf dieser Website veröffentlicht.