Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community

Wenn KI zur Cyberfähigkeit wird

Mit den US-Exportkontrollen für leistungsfähige Frontier-Modelle wie „Fable“ und „Mythos“ wurde im Juni 2026 deutlich, was viele Unternehmen bislang unterschätzt hatten: Führende KI-Fähigkeiten für Cyberangriff und Cyberabwehr sind keine frei verfügbare Ressource mehr.
David Urlhart, MHP
Benedikt Bauer, MHP
18. September 2026
avatar
avatar

KI-Modelle entwickeln sich so schnell weiter, dass sie selbst zu einem operativen Sicherheitsfaktor werden. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) weist darauf hin, dass KI die Cybersicherheitslage grundlegend verändert. Während Angreifer durch KI schneller analysieren, automatisieren und skalieren können, bleiben Verteidiger weiterhin an reale Betriebsgrenzen gebunden – etwa Testaufwand, Freigabeprozesse, Wartungsfenster, Herstellerabhängigkeiten sowie begrenzte personelle Kapazitäten.

Mehr als ein KI-Modell

KI ist nicht mehr nur ein Werkzeug, das Sicherheitsverantwortliche unterstützt. Sie entwickelt sich zunehmend zu einer eigenständigen Cyberfähigkeit. Cyberfähigkeit bedeutet in diesem Zusammenhang nicht ein einzelnes Modell oder eine einzelne Anwendung. Gemeint ist das Zusammenspiel agentischer Fähigkeiten: Schwachstellen erkennen, Code analysieren, Exploit-Logik ableiten, Angriffswege validieren, Tools bedienen und diese Aktivitäten über große Systemlandschaften hinweg skalieren. Genau diese Kombination verändert die Dynamik der digitalen Sicherheitslage grundlegend.

Viele Unternehmen sind auf diese Entwicklung noch nicht vorbereitet. Während in Vorständen weiterhin über KI-Pilotprojekte, Proofs of Concept und einzelne Effizienzgewinne diskutiert wird, verschiebt sich die Grundlage digitaler Verteidigungsfähigkeit bereits. KI unterstützt nicht mehr nur bestehende Sicherheitsprozesse. Sie wird zu einem operativen Faktor in Cyberoperationen.

KI-Fähigkeiten verstärken sich

Kritisch ist dabei nicht das einzelne Modell, sondern die Verkettung mehrerer Fähigkeiten, die sich gegenseitig verstärken. KI-Systeme können technische Aufgaben zunehmend in zusammenhängende Abläufe überführen: von der Analyse über die Validierung bis zur skalierbaren Anwendung auf komplexe IT-Landschaften. Dadurch verändern sich Tempo, Reichweite und Wiederholbarkeit von Angriff und Verteidigung.

Das verkürzt das Zeitfenster zwischen dem Bekanntwerden einer Schwachstelle und ihrer möglichen Ausnutzung erheblich. Wochen werden zu Tagen, Tage zu Stunden. Für Unternehmen stellt sich damit nicht mehr nur die Frage: „Sind wir sicher?“ Die entscheidende Frage lautet vielmehr: „Können wir schnell genug reagieren, wenn KI die Geschwindigkeit des Angriffs bestimmt?“

Diese Entwicklung verändert die Logik der Cybersicherheit grundlegend. In der Vergangenheit ging es häufig darum, bessere Tools einzuführen, mehr Expertinnen und Experten einzustellen und bestehende Prozesse zu optimieren. Diese Logik reicht heute nicht mehr aus. Wenn Angriffe und Verteidigung mit Maschinengeschwindigkeit vorbereitet, priorisiert und teilweise automatisiert werden, können klassische Planungs- und Entscheidungszyklen zum strukturellen Nachteil werden.

Wer weiterhin auf manuelle Sichtung, sequenzielle Ticket-Priorisierung und lange Eskalationsketten setzt, verliert genau dort Zeit, wo Geschwindigkeit zur entscheidenden Sicherheitsressource wird.

Neue strategische Abhängigkeiten

Hinzu kommt eine neue Form strategischer Abhängigkeit. Wer seine Verteidigungsfähigkeit auf wenige Modelle oder Anbieter stützt, koppelt die eigene Abwehr an Faktoren außerhalb der eigenen Kontrolle: Modellzugang, Nutzungsbedingungen, geopolitische Entscheidungen, Exportkontrollen und Anbieterstrategien. Wird der Zugang zu zentralen Modellen eingeschränkt, sinkt unmittelbar die Fähigkeit, Schwachstellen zu analysieren, Angriffe zu simulieren oder Vorfälle schnell zu bewerten. Dieses Risiko lässt sich nicht allein durch höhere Sicherheitsbudgets kompensieren.

Die vergangenen Wochen zeigen: Diese Entwicklung ist keine ferne Zukunft mehr. Anbieter geben cyberfähige Frontier-Modelle wie GPT-5.5-Cyber gezielt für verifizierte Verteidiger frei. Microsoft präsentiert mit MDASH eine Lösung, bei der mehrere spezialisierte KI-Agenten zusammenarbeiten, um Schwachstellen über große Codebasen hinweg automatisiert zu finden, zu validieren und ihre Ausnutzbarkeit nachzuweisen. Gleichzeitig reagieren Staaten mit Exportkontrollen auf diese neuen cyberrelevanten KI-Fähigkeiten. Der entscheidende Punkt ist: Die Fähigkeit, leistungsfähige Frontier-Modelle gezielt einzusetzen und mit bestehenden Sicherheitsprozessen zu verbinden, wird selbst zu einer kritischen Cyberfähigkeit. Damit wird die Abhängigkeit von Modellzugang, Anbieterstrategien und regulatorischen Rahmenbedingungen zu einem strategischen Risikofaktor für Unternehmen.

Genau hier liegt die eigentliche Managementaufgabe. Cybersecurity wird im Zeitalter agentischer KI nicht nur technischer, sondern auch strategischer. Es geht nicht darum, KI wahllos überall einzuführen. Unternehmen müssen ihre Verteidigungsfähigkeit so aufbauen, dass sie auch unter neuen Abhängigkeiten, höheren Geschwindigkeiten und steigenden Befundmengen handlungsfähig bleibt.

Drei grundlegende Veränderungen

Es braucht drei grundlegende Veränderungen:

Erstens darf Verteidigung nicht von einem einzelnen Modell abhängen – Unternehmen benötigen modellunabhängige Sicherheitsarchitekturen, Multi-Vendor-Strategien und klare Fallback-Optionen. Wenn ein Unternehmen morgen den Zugang zu einem führenden Modell verliert, darf es nicht gleichzeitig die Fähigkeit verlieren, Schwachstellen zu analysieren, Angriffe zu simulieren oder Vorfälle zu bewerten.

Resilienz entsteht nicht durch das beste Einzelmodell, sondern durch ein belastbares Ökosystem. Entscheidend ist, dass Unternehmen unterschiedliche Modelle, Anbieter und Sicherheitswerkzeuge so kombinieren können, dass zentrale Verteidigungsprozesse auch bei eingeschränkter Verfügbarkeit einzelner KI-Fähigkeiten handlungsfähig bleiben.

Zweitens müssen Reaktionsprozesse auf KI-Geschwindigkeit ausgelegt werden: Viele Security-Organisationen sind heute noch für die Bearbeitungsgeschwindigkeit von Menschen konzipiert. Das wird nicht ausreichen. Unternehmen müssen verstehen, an welchen Stellen ihre Response-Prozesse zu langsam sind, welche Entscheidungen automatisiert vorbereitet werden können und wo weiterhin zwingend eine menschliche Freigabe notwendig bleibt.

Agentische Cyberfähigkeiten entwickeln sich weiter.

Ein AI Response Readiness Assessment kann genau diese Lücken sichtbar machen. Es zeigt, wo manuelle Übergaben, unklare Verantwortlichkeiten, fragmentierte Informationen oder lange Freigabeprozesse die Reaktionsfähigkeit verlangsamen. Eine Response-Automation-Roadmap übersetzt diese Erkenntnisse anschließend in konkrete Maßnahmen – von automatisierter Befundaggregation über risikobasierte Priorisierung bis hin zu vorbereiteten Entscheidungsvorlagen für kritische Sicherheitsereignisse.

Drittens müssen Unternehmen ihre Exposition über das gesamte Ökosystem hinweg verstehen – die relevante Angriffsfläche endet nicht an der eigenen Firmengrenze. Häufig sind Lieferanten, Drittkomponenten, Cloud-Services, Legacy-Systeme und externe Schnittstellen die eigentlichen Schwachstellen im System. Wenn KI-Agenten diese Zusammenhänge schneller erkennen als die eigene Organisation, entsteht ein gefährliches Ungleichgewicht.

Eine Enterprise Exposure Map und ein AI Security Governance Framework schaffen hier Transparenz, Priorisierung und Steuerbarkeit. Sie helfen Unternehmen zu verstehen, welche Systeme, Abhängigkeiten und Schnittstellen besonders kritisch sind, wie KI in Sicherheitsprozessen eingesetzt werden darf und welche Governance notwendig ist, um Risiken über das gesamte digitale Ökosystem hinweg zu steuern.

Mehr als ein weiteres Tool

Die gute Nachricht ist: Künstliche Intelligenz kann das Gleichgewicht zugunsten der Verteidigung verschieben – allerdings nur für Unternehmen, die jetzt die entsprechenden Voraussetzungen schaffen. Wer KI lediglich als weiteres Tool im Security-Stack betrachtet, greift zu kurz. Entscheidend ist nicht die Einführung einzelner Funktionen, sondern der Umbau der Verteidigungsfähigkeit: weg von manueller Reaktion, hin zu intelligenter Priorisierung, automatisierter Vorbereitung und strategischer Resilienz gegenüber Modell- und Anbieterabhängigkeiten. Es geht nicht um Aktionismus, sondern um Handlungsfähigkeit. Unternehmen müssen jetzt verstehen, von welchen Modellen und Anbietern ihre Verteidigung abhängig ist, wo ihre Reaktionsprozesse zu langsam sind und wo ihnen Transparenz über die eigene Exposition fehlt.

Wer diese Fragen frühzeitig beantwortet, kann agentische künstliche Intelligenz nicht nur als Risiko bewerten, sondern gezielt nutzen, um die eigene Verteidigungsfähigkeit zu stärken. Die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre wird daher nicht nur sein, ob Unternehmen KI in der Cybersicherheit einsetzen. Entscheidend wird sein, ob sie ihre Verteidigung so aufstellen, dass sie mit der Geschwindigkeit, Skalierung und Abhängigkeit einer KI-geprägten Cyberrealität umgehen können.

Zum Partnereintrag:

avatar
David Urlhart, MHP

Manager Cyber Security


avatar
Benedikt Bauer, MHP

Senior Consultant Cyber Security


Schreibe einen Kommentar

Die Arbeit an der SAP-Basis ist entscheidend für die erfolgreiche S/4-Conversion. 

Damit bekommt das sogenannte Competence Center bei den SAP-Bestandskunden strategische Bedeutung. Unhabhängig vom Betriebsmodell eines S/4 Hana sind Themen wie Automatisierung, Monitoring, Security, Application Lifecycle Management und Datenmanagement die Basis für den operativen S/4-Betrieb.

Zum vierten Mal bereits veranstaltet das E3-Magazin in Salzburg einen Summit für die SAP-Community, um sich über alle Aspekte der S/4-Hana-Basisarbeit umfassend zu informieren.

Veranstaltungsort

FourSide Hotel Salzburg,
Trademark Collection by Wyndham
Am Messezentrum 2, 5020 Salzburg, Österreich
+43-662-4355460

Veranstaltungsdatum

Mittwoch, 10. Juni, und
Donnerstag, 11. Juni 2026

Nur KI-Erlebnisworkshop am 11. Juni 2026 (limitierte Plätze)
Bonus: Zugang zu allen Vorträgen am 11. Juni 2026

Reguläres Ticket

Vorträge, Abendveranstaltung und je Verfügbarkeit der KI-Workshop am 11. Juni 2026
Die Plätze beim KI-Erlebnisworkshop sind limitiert und eine Anmeldung ist erforderlich.

Abonnenten des E3-Magazins Ticket

ermäßigt mit Promocode CCAbo26

Studierende*

ermäßigt mit Promocode CCStud26.
Studiennachweis bitte per Mail an office@b4bmedia.net senden.
*Die ersten 10 Tickets sind für Studierende kostenfrei. Versuchen Sie Ihr Glück! 🍀
EUR 305 exkl. USt.
EUR 590 exkl. USt.
EUR 390 exkl. USt.
EUR 290 exkl. USt.

Veranstaltungsort

Hotel Hilton Heidelberg
Kurfürstenanlage 1
D-69115 Heidelberg

Veranstaltungsdatum

Mittwoch, 22. April und
Donnerstag, 23. April 2026

Tickets

Nur KI-Erlebnisworkshop am 23. April 2026 
Bonus: Zugang zu allen Vorträgen am 23. April 2026
Reguläres Ticket
22. April 2026: Vorträge und Abendveranstaltung
23. April 2026: Vorträge und KI-Workshop
EUR 305 exkl. USt
EUR 590 exkl. USt
Abonnenten des E3-Magazins
ermäßigt mit Promocode STAbo26
EUR 390 exkl. USt
Studierende*
ermäßigt mit Promocode STStud26.
Studiennachweis bitte per Mail an office@b4bmedia.net senden.
EUR 290 exkl. USt
*Die ersten 10 Tickets sind für Studierende kostenfrei. Versuchen Sie Ihr Glück! 🍀
Veranstalter ist das E3-Magazin des Verlags B4Bmedia.net AG. Die Vorträge werden von einer Ausstellung ausgewählter SAP-Partner begleitet. Der Ticketpreis beinhaltet den Besuch aller Vorträge des Steampunk und BTP Summit 2026, den Besuch des Ausstellungsbereichs, die Teilnahme an der Abendveranstaltung sowie die Verpflegung während des offiziellen Programms. Das Vortragsprogramm und die Liste der Aussteller und Sponsoren (SAP-Partner) wird zeitnah auf dieser Website veröffentlicht.