Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community

Was soll es kosten?

Bei 57 Prozent der deutschen Unternehmen zwischen 500 und 1000 Mitarbeitenden belaufen sich die jährlichen Kosten für ihr SAP-System auf über eine Million Euro. 16 Prozent bezahlen sogar über zwei Millionen Euro.
Peter Wohlfarth, Theobald Software
3. April 2023
avatar

Studie: Mehrheitlich über eine Million Euro pro Jahr SAP-Kosten im Mittelstand

Die Studie „SAP im Mittelstand“ von Theobald Software, in der IT-Entscheider und Fachanwender über die eigenen SAP-Kosten befragt wurden, ist kostenlos erhältlich unter theobald-software.com. Bei knapp einem Drittel der befragten IT-Entscheider fallen zwischen 500.000 Euro und einer Million Euro jährlich für das SAP-System an, nur etwa jedes zehnte Unternehmen kommt mit weniger als einer halben Million Euro aus. Zu den Kosten für SAP selbst addieren sich Aufwendungen für die Nutzung von SAP-Daten außerhalb von SAP. Diese spielt für viele Unternehmen eine wichtige Rolle. Erkennbar ist dies daran, dass SAP-nutzende Unternehmen bereit sind, ähnlich hohe Investitionen für Drittanwendungen zu tätigen wie für SAP selbst. Gut zwei Drittel der Unternehmen investieren mehr als 500.000 Euro jährlich in Drittanwendungen, ein Fünftel sogar mindestens eine Million Euro.

Transferleistung

Diese Zahlen zeigen: Die Integration von Systemen und Daten ist ein wichtiges Anliegen unter den befragten IT-Leitern. Fast zwei Drittel der Unternehmen transferieren Daten aus dem SAP-System, um sie in anderen Systemen und Anwendungen weiterzuverarbeiten. Die Menge an transferierten Daten ist für zwei Drittel der Unternehmen in den vergangenen drei Jahren zudem kontinuierlich angestiegen. Knapp die Hälfte der Studienteilnehmer gibt in der Umfrage entsprechend an, bereits eine Integrationslösung zu nutzen, weitere 40 Prozent planen es. Niemand stellt den Nutzen einer solchen Software infrage. Dabei erstreckt sich die Cloudifizierung der IT-Landschaften auch auf den Betrieb der Integrationssoftware. Fast alle Befragten nutzen die Cloud-Option beim Bezug einer Integrationssoftware. Unterschiede sind nur bei der Betriebsart erkennbar. Die meisten (60 Prozent) bevorzugen eine extern gehostete Lösung.

Nutzung von Integrationssoftware

Nutzung von Integrationssoftware. Haben Sie eine Integrationssoftware bereits im Einsatz, ist dies geplant, wird dies diskutiert oder ist das gar nicht relevant? Anteile der befragten IT-Entscheider. (n=75)

Wartung, Support, Cloud-Migration

Sehr oft sind S/4-Migrationen mit dem Wechsel zu einem cloudbasierten Delivery-Modell verbunden. Das scheint viele Unternehmen umzutreiben: Die Migration der SAP-Systeme in die Cloud erachten über 38 Prozent der Befragten als eine große Herausforderung. In der Vergangenheit wurden viele SAP-Systeme kundenspezifisch erweitert, was die Wartbarkeit erschwert. Daher ist es folgerichtig, dass ebenfalls über 38 Prozent der Befragten Wartung und Support als große Herausforderung erachten. Für etwa ein Drittel sind die Bedienbarkeit sowie Benutzerfreundlichkeit der SAP-GUI ein zentraler Aspekt. SAP-Daten verarbeiten und analysieren: Amazon führt, doch Wettbewerber sind ihm dicht auf den Fersen.

Amazons Public-Cloud-Infrastruktur S3 ist die bevorzugte Umgebung für die Speicherung und Verarbeitung von SAP-Daten: 59 Prozent nutzen sie, weitere 27 Prozent haben es geplant. Zukünftig werden also 85 Prozent auf Amazon zurückgreifen. Ebenfalls 59 Prozent nutzen die Infrastruktur von SAP selbst, weitere 19 Prozent haben es geplant. Während MS-Azure bei knapp der Hälfte der Befragten bereits im Einsatz ist, planen dies zusätzlich 37 Prozent. Demnach wird die Nutzung von Microsoft mit 87 Prozent auf ein vergleichbares Niveau wie Amazon ansteigen.

Google ist – verglichen mit Amazon und Microsoft Azure – ein Spätstarter im Geschäft mit Public-Cloud-Lösungen für B2B-Kunden, konnte sich aber schon als ernst zu nehmender Wettbewerber positionieren: 24 Prozent aktuelle Nutzung, 47 Prozent zusätzlich geplant. Viele der befragten Unternehmen werden zukünftig speziell MS-Azure, Google-Cloud-Storage und Snowflake einsetzen. Letzteres wird dabei voraussichtlich die größten Wachstumsraten verzeichnen. Nutzen Snowflake aktuell lediglich 13 Prozent, werden dies zukünftig weitere 44 Prozent tun, mehr als eine Vervierfachung. Bei der Anbindung der SAP-Umgebung an Cloud-Plattformen zeigt sich ein ähnliches Bild: Amazon führt, SAP-eigene Cloud-Lösungen sind ebenfalls sehr stark und Microsoft – hier aber vor allem Power BI deutlich vor Azure – folgt dicht dahinter. Snowflake als Cloud-Plattform ist ebenfalls bei vielen Unternehmen in Planung.

Kosten der SAP-Software
Kosten der SAP-Software.
Wie viel gibt Ihr Unternehmen ungefähr jährlich dafür aus? Anteile der befragten IT-Entscheider. (n=75)

Datenexport und Datenqualität

Bei der Nutzung von SAP-Daten außerhalb von SAP müssen die befragten Unternehmen vor allem Hürden bei der Datenqualität überwinden. Fast die Hälfte bezeichnet dies als große Herausforderung. Dabei sind der Erfahrung von SAP-Partner Theobald nach vor allem die Ganzheitlichkeit der Daten sowie die Vermeidung von Duplikaten von Relevanz. Den Security-Anforderungen kommt ebenfalls eine hohe Priorität zu, das betrifft vor allem Datensicherheit und -schutz. Bei der Frage nach den besonders relevanten Aspekten bei der Verarbeitung von SAP-Daten steht die Datenqualität bei den befragten Fachanwendern mit 79 Prozent an erster Stelle. Auch die hohen Bewertungen für Zuverlässigkeit und Validität (jeweils 60 bis 71 Prozent) unterstreichen den Qualitätsbedarf bei den zu verarbeitenden Daten.

Die zentrale Datenhaltung, im Sinne eines Single Point of Truth, ist für die meisten befragten Unternehmen das wichtigste Thema. Sie vereinfacht es, eine hohe Datenqualität zu gewährleisten, was wiederum die Grundlage für die weitere Datenverarbeitung ist. Rund neun von zehn Befragten finden die zentrale Datenhaltung sehr oder eher wichtig. Daher werden Data Lakes und Data Lakehouses zu wichtigen Bausteinen bei der Verarbeitung von SAP-Daten: Aktuell setzen laut der Studie gut 40 Prozent der Unternehmen entsprechende Lösungen ein, künftig werden es 68 Prozent sein.

90 Prozent wollen Echtzeit

Dieselbe Bedeutung wie die zentrale Datenhaltung haben für mindestens 80 Prozent der Teilnehmer außerdem die Datentransformation, -modellierung und -zusammenführung. Viele der befragten Fachanwender bewerten außerdem das SAP-Lizenzmanagement als große und den performanten Abzug der SAP-Daten als signifikante Herausforderung. Für den Zugang zu SAP-Daten beziehungsweise den Transfer von SAP-Daten zur Weiterverarbeitung in anderen Systemen setzt die große Mehrheit der Befragten auf Drittanbieter. Etwas mehr als ein Drittel verwendet dazu selbst entwickelte Lösungen.

Zwei Drittel der befragten Fachanwender nutzen die Daten dann intensiv für Reports, fast ebenso viele auch für betriebswirtschaftliche Analysen. Das sind klassische Disziplinen, die ERP-Lösungen abbilden. Ungefähr die Hälfte verwendet sie ebenso stark für das Controlling und Forecasts. Für diese und gegebenenfalls andere Zwecke greifen knapp 80 Prozent mehrmals täglich auf SAP-Daten zu.

Zwei Drittel der befragten Unternehmen geben allerdings die Dauer für interne Genehmigungsprozesse durch das SAP-Betriebsteam mit mehreren Tagen beziehungsweise Wochen und zum Teil sogar Monaten an. Nur ein Drittel der Befragten kann innerhalb eines Tages mit einer Bearbeitung rechnen. Fast 90 Prozent der befragten Unternehmen halten den Zugang zu Echtzeitdaten in den SAP-Systemen für eher wichtig oder sehr wichtig.

Die Business-Seite entscheidet zunehmend über die Verarbeitung von Daten: Nach Einschätzung der überwiegenden Mehrheit der befragten Data Scientists und Data Analysts werden Entscheidungen rund um die Verarbeitung von Daten zunehmend von der Business-Seite getroffen. Insgesamt stimmen 72 Prozent dem voll oder eher zu. Das ist schlüssig, da die Expertise zur Datennutzung in der Regel in den Fachbereichen verankert ist – gemeint sind hier nicht infrastrukturnahe Entscheidungen.

Die zunehmend wichtige Rolle der Fachabteilungen bei der Verarbeitung von SAP-Daten und deren Nutzung einer Integrationssoftware führt zu einer Priorisierung des Know-how-Transfers. Für über 90 Prozent der Studienteilnehmer eignen sich dafür intensivere Schulungen, deutlich über 80 Prozent wünschen sich eine weniger technische High-Level-Ansprache und den Ausbau von Self-Service-Angeboten.

Kosten Drittsysteme
Kosten der Drittsysteme. Wie viel gibt Ihr Unternehmen ungefähr jährlich für Drittanwendungen zur SAP-Integration aus, inklusive der Lizenzkosten, um auf SAP-Daten zuzugreifen, oder ggf. Schulungskosten zur Nutzung einer Integrationssoftware? Anteile der befragten IT-Entscheider in Organisationen, die SAP-Daten in anderen Anwendungen und Systemen nutzen. (n=48)

Fazit:

Als Topthemen für die IT-Entscheider gelten die Cloud-Migration sowie der fortwährende Aufwand für Wartung und Support der SAP-Systeme. Cloud-Lösungen sind sowohl für SAP-Systeme als auch für Integrationssoftware die bevorzugte Betriebsart. Es gibt einen weitverbreiteten Bedarf, SAP-Daten auch außerhalb der SAP-Systeme zu verwenden und zu verarbeiten. Entsprechend ausgeprägt ist die Nachfrage nach Integrationssoftware. Knapp die Hälfte der Befragten nutzt eine solche Lösung bereits, weitere 40 Prozent planen eine Anschaffung. Dabei wird deutlich, dass der größere Teil auf Drittlösungen von Softwareherstellern und weniger auf eigenentwickelte Lösungen setzt. Insgesamt bestätigt die Umfrage den Trend hin zur intensiveren Nutzung und Verarbeitung von Daten generell sowie zum Transfer von SAP-Daten in externe Systeme zur einfacheren und günstigeren Datenverarbeitung. SAP-Daten dienen hauptsächlich Reportings, betriebswirtschaftlichen Analysen, dem Controlling sowie dem Erstellen von Forecasts.

Damit zeigt sich, dass gerade die entsprechenden Fachabteilungen Bedarf an SAP-Daten haben. Eine wichtige Anforderung der Fachanwender ist die zentrale Datenhaltung (Single Point of Truth), die durch die Installation von Data Lakes und Data Warehouses erfüllt wird. Sie werden aktuell oder zukünftig intensiv genutzt. Dabei sind speziell die Big Player wie Amazon, Microsoft, Snowflake und Google stark. Der SAP-Datenabzug findet für knapp 80 Prozent mehrmals täglich statt, dabei ist speziell der Zugriff auf Echtzeitdaten essenziell für fast alle der befragten Unternehmen. Außerdem spielt eine hohe Qualität eine entscheidende Rolle. Auch die Sicherheit ist zentral und wird von den Fachanwendern als besonders große Herausforderung betrachtet.

Der interne Genehmigungsprozess durch das SAP-Basisteam nimmt bei zwei Dritteln der befragten Unternehmen mindestens mehrere Tage, aber auch teilweise Wochen und Monate in Anspruch. Das beauftragte Marktforschungsinstitut hat im Auftrag von Theobald Software im vierten Quartal des vergangenen Jahres 150 IT-Entscheider und Fachanwender aus dem DACH-Raum befragt. Diese waren zum Zeitpunkt der Befragung in mittelständischen Unternehmen beschäftigt, die SAP nutzten und sich zu gleichen Teilen aus drei Bereichen zusammensetzten: Dienstleistungen, Handel und Verkehr; verarbeitendes oder produzierendes Gewerbe; und öffentlicher Sektor. Die Studie „SAP im Mittelstand“ von Theobald Software steht kostenfrei zum Download bereit

avatar
Peter Wohlfarth, Theobald Software

Peter Wohlfarth ist Geschäftsführer von Theobald Software.


Schreibe einen Kommentar

Die Arbeit an der SAP-Basis ist entscheidend für die erfolgreiche S/4-Conversion. 

Damit bekommt das sogenannte Competence Center bei den SAP-Bestandskunden strategische Bedeutung. Unhabhängig vom Betriebsmodell eines S/4 Hana sind Themen wie Automatisierung, Monitoring, Security, Application Lifecycle Management und Datenmanagement die Basis für den operativen S/4-Betrieb.

Zum zweiten Mal bereits veranstaltet das E3-Magazin in Salzburg einen Summit für die SAP-Community, um sich über alle Aspekte der S/4-Hana-Basisarbeit umfassend zu informieren. Alle Informationen zum Event finden Sie hier:

SAP Competence Center Summit 2024

Veranstaltungsort

Eventraum, FourSide Hotel Salzburg,
Am Messezentrum 2,
A-5020 Salzburg

Veranstaltungsdatum

5. und 6. Juni 2024

Reguläres Ticket:

€ 590 exkl. USt.

Veranstaltungsort

Eventraum, Hotel Hilton Heidelberg,
Kurfürstenanlage 1,
69115 Heidelberg

Veranstaltungsdatum

28. und 29. Februar 2024

Tickets

Regular Ticket
EUR 590 exkl. USt
Veranstalter ist das E3-Magazin des Verlags B4Bmedia.net AG. Die Vorträge werden von einer Ausstellung ausgewählter SAP-Partner begleitet. Der Ticketpreis beinhaltet den Besuch aller Vorträge des Steampunk und BTP Summit 2024, den Besuch des Ausstellungsbereichs, die Teilnahme an der Abendveranstaltung sowie die Verpflegung während des offiziellen Programms. Das Vortragsprogramm und die Liste der Aussteller und Sponsoren (SAP-Partner) wird zeitnah auf dieser Website veröffentlicht.