SAP-Studie: Private Cloud und KI werden Standard


Private Cloud ist mit 64 Prozent das dominierende Betriebsmodell, während On-Premises-Umgebungen weiter an Bedeutung verlieren. Auch künstliche Intelligenz entwickelt sich zum Standard: 67 Prozent der Befragten nutzen KI operativ oder als integralen Bestandteil ihrer Geschäftsprozesse, vor allem, um Prozesse zu beschleunigen und Kosten zu sparen. Valantic führt die SAP-Studie seit 2018 durch. An der diesjährigen Befragung haben 409 Führungskräfte aus der DACH-Region teilgenommen.
Das Digital-Consulting-, Solutions- und Software-Haus Valantic befragt jährlich Entscheiderinnen und Entscheider nach dem Stand ihrer S/4-Transformation sowie nach Investitionsabsichten, präferierten Technologien und den davon erwarteten Geschäftschancen. Damit ist die Valantic-SAP-Studie ein wichtiges Stimmungsbarometer der SAP-Community.
Die aktuelle Ausgabe fokussiert die Themen Cloud-Strategie, Datenplattformen und künstliche Intelligenz. Die Erhebung wurde gegenüber 2025 methodisch erweitert: Sie stützt sich auf eine deutlich größere Stichprobe von Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und erlaubt somit erstmals einen regional differenzierten Vergleich innerhalb der DACH-Region. Darüber hinaus liefert sie 2026 vertiefte branchenspezifische Analysen – insbesondere für zentrale SAP-Industrien wie die diskrete Fertigung, Lebensmittelindustrie und Handel.
Startpunkt ERP-Modernisierung
Der Markt hat die Planungsphase weitgehend verlassen, die Umsetzung der S/4-Migrationen sowie die Stabilisierung der modernisierten Systemlandschaften dominiert. Gleichzeitig verschieben sich die Schwerpunkte. Was zunächst als ERP-Migration begann, entwickelt sich zunehmend zu einer umfassenderen Transformation der IT-Umgebungen in Richtung einer cloudbasierten Plattformarchitektur zur Integration von Daten, Prozessen und KI auf Basis der SAP Business Technology Platform (BTP) und SAP Business Data Cloud (BDC).
Die Umstellung auf S/4 markiert für viele Unternehmen nicht das Ende der Transformation, sondern einen Ausgangspunkt für weitere Optimierungen mit dem Ziel, die möglichen Wettbewerbsvorteile auszuschöpfen.
Der Großteil der befragten Unternehmen ist in der S/4-Umsetzungs- und -Stabilisierungsphase angekommen. 28 Prozent der Befragten arbeiten bereits produktiv mit ihren neuen ERP-Systemlandschaften, 42 Prozent befinden sich mitten in ihren Implementierungsprojekten, weitere 25 Prozent planen konkret die Migration. Lediglich fünf Prozent haben aktuell keine Umstellung vor.
Dabei wandert die Transformation durch die Marktsegmente: Während größere Organisationen früher gestartet sind und sukzessive produktiv gehen (65 Prozent abgeschlossene Projekte), steigt bei KMUs der Anteil laufender Implementierungen im Vorjahresvergleich von 17 auf 25 Prozent.

Kontrollierter Wandel
Beim Betriebsmodell baut die Private Cloud ihre dominante Stellung aus. 64 Prozent (2025: 58 Prozent) der Befragten betreiben ihre SAP-Systeme in einer eigenen Cloud-Umgebung. Das bestätigt den Trend des Vorjahres: Die Mehrheit der Unternehmen bevorzugt eine stetige, kontrollierte Transformation.
Dies gilt gerade für industrielle Sektoren wie die Diskrete Fertigung, die Lebensmittelindustrie sowie Transport und Logistik. Die Gründe: ein hoher Individualisierungsgrad, komplexe Produktions- und SCM-Logiken, die Integration von Shopfloor- und PLM-Systemen sowie strengere regulatorische Rahmenbedingungen. 25 Prozent der Unternehmen nutzen die Public Cloud (2025: 22 Prozent), während On-Premises-Umgebungen mit nunmehr elf Prozent weiter deutlich an Attraktivität verlieren (2025: 20 Prozent).
„Gleichzeitig wächst der Anteil der Public-Cloud-Nutzung, insbesondere dort, wo Standardisierung und schnelle Rollouts gefragt sind. Unsere Studie zeigt: Die erfolgreichsten Unternehmen kombinieren beide Welten und bauen mit SAP S/4 Hana, SAP BTP und SAP BDC eine flexible Plattformarchitektur, die sie für zukünftige Daten- und KI-Szenarien optimal positioniert“, so Rüdiger Hoffmann, Partner und Managing Director bei Valantic.

„Die dominierende Rolle der Private Cloud in der
SAP-Community ist ein deutliches Signal:
Unternehmen wollen ihre Transformation kontrolliert
und in ihrem eigenen Tempo gestalten”
Rüdiger Hoffmann,
Partner und Managing Director,
Valantic
Cloud: Effizienz und Komplexität
Bei der SAP-Cloud-ERP-Migration rückt aufgrund der gestiegenen Anzahl laufender Implementierungen und bereits produktiver Systeme die tatsächliche Projekterfahrung in den Fokus. Die Bewertung fällt in den Transformationsphasen Implementierung und Betrieb differenziert aus.
In laufenden Migrationen herrscht bei den Befragten finanzielle Ambivalenz. So erwarten 42 Prozent mehr Kosteneffizienz durch Cloud-ERP, gleichzeitig befürchtet eine Mehrheit (57 Prozent) hohe Projektkosten. Rund 30 Prozent der Entscheider betrachten die Migrationskomplexität als zu hoch, in der Chemie- und Pharmaindustrie sind es mit 44 Prozent sogar deutlich mehr. Bremsfaktor ist dabei weniger die Cloud-Technologie selbst, sondern die Überführung historisch gewachsener Prozesse und proprietärer Systeme in standardisierte Cloud-Umgebungen.
Nach dem Go-live bewerten Unternehmen, ob sich der Aufwand für die Transformation auf SAP Cloud ERP tatsächlich auszahlt. Hier liefert die Kostenwahrnehmung ein erstes deutliches Signal: 51 Prozent der Befragten attestieren ihrer Cloud-Lösung einen kosteneffizienten Produktivbetrieb.
Auch die bessere Zugänglichkeit der Systeme gewinnt an Bedeutung und wird von jedem zweiten Unternehmen positiv bewertet, in der Chemie- und Pharmaindustrie wissen dies sogar 56 Prozent zu schätzen. Für Logistik (69 Prozent) und Handel (46 Prozent) mit ihren dezentralen Strukturen und Omnichannel-Modellen zahlt sich der einheitliche Zugriff auf zentrale Lösungen und Plattformen besonders aus.
Künstliche Intelligenz ist für Unternehmen klar geschäftsrelevant. Sie versprechen sich eindeutige Business-Mehrwerte wie Prozessbeschleunigung, Kosteneinsparungen und bessere Problemanalysen. Entsprechend breit wird die Technologie bereits eingesetzt (insgesamt 67 Prozent). Im Detail nutzen 42 Prozent der Unternehmen erste KI-Anwendungen und Services, 25 Prozent haben sie sogar bereits fest in ihre Geschäftsprozesse integriert – insbesondere Unternehmen mit abgeschlossener Cloud-ERP-Transformation (28 Prozent) sowie in der Automobilindustrie (53 Prozent). 17 Prozent der Unternehmen haben eine KI-Strategie erstellt, während 13 Prozent aktuell daran arbeiten.
Bei konkreten KI-Lösungen wünschen sich die Unternehmen von SAP und Partnern vor allem KI-Agenten (42 Prozent). Weitere Prioritäten sind die KI-gestützte Planung und Analyse, KI-Unterstützung für Entwickler und in SAP-Anwendungen integrierte KI-Funktionen.

Datenbasierte Steuerung mit BDC
Für den wertstiftenden KI-Einsatz kommt es auf integrierte Daten an. Nicht zuletzt deshalb etabliert sich die SAP Business Data Cloud bei den Unternehmen als zentraler Referenzpunkt für datenbasierte Steuerung. Insgesamt 60 Prozent der Befragten sehen die Plattform als integralen Bestandteil ihres Datenmanagements. Für die Mehrheit (66 Prozent) spielt die SAP BDC bereits in der Planungsphase eine Schlüsselrolle und steht damit schon früh auf der Transformations-Roadmap.
Gleichzeitig zeigt sich eine zunehmende Konsolidierung zugunsten SAP-naher Datenarchitekturen: Der Anteil der Unternehmen, die eine vergleichbare Architektur außerhalb des SAP-Portfolios nutzen, sinkt auf 30 Prozent (2025: 40 Prozent). Mit der BTP und der BDC entsteht eine Plattformarchitektur für Integration, Datenmanagement und Erweiterungen. Die SAP-Landschaft entwickelt sich damit zu einer technologischen Plattform für Daten, Prozesse und Innovation.
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