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SAP-ERP-Exit mit Model Context Protocol

Um die immense Bedeutung von MCP zu verstehen, muss man die strukturelle Integrationsmisere moderner ERP-Landschaften betrachten. Bisher glich die Anbindung von KI an bestehende S/4-Systeme einem mühsamen und proprietären Alptraum.
Peter M. Färbinger, E3-Magazin
13. August 2026
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Medienbrüche und APIs als Showstopper

Abap-Entwickler mussten in einer Zeit vor SAP BTP (Business Technology Platform) für jede einzelne KI-Anwendung und jede Datenquelle maßgeschneiderte, isolierte Schnittstellen programmieren, was unweigerlich zu einer unkontrollierbaren Schnittstellen-Explosion führte – dem berüchtigten NxM-Integrationsproblem mit ausufernder Komplexität, uneinheitlichen Sicherheitskonzepten und explodierenden Wartungskosten.

MCP etabliert hierfür eine radikal offene, strukturelle Lösung, die in der globalen Tech-Community völlig zurecht als das „USB-C für KI-Apps“ gefeiert wird. Es standardisiert die Integrations- und Tool-Schicht und definiert einheitlich, wie sprachmodellbasierte Anwendungen (LLM-Clients) sicher, nachvollziehbar und dynamisch auf externe Systeme, Datenquellen und Rechenkerne zugreifen können. Ohne für jedes Drittsystem eine eigene Integration programmiert werden muss.

Neue SAP-ERP-Architektur durch MCP

Für einen SAP-Bestandskunden verschiebt ein MCP-Server die Grenzen der Systemarchitektur grundlegend, indem er als standardisierter Übersetzer und kognitive Membran vor dem ERP-Backend sitzt.

Anstatt komplexe Schnittstellen hart in die Logik von KI-Agenten zu codieren, stellt das ERP-System seine Fähigkeiten und Daten über einen MCP-Server kontrolliert als vordefinierte Werkzeuge und konsolidierte Schnittstellen bereit. Die übergeordnete KI-Anwendung fungiert als MCP-Host, erkennt die über den Server offengelegten Werkzeuge – wie das Auslesen eines Bestellstatus, das Abfragen von Lieferantenbewertungen oder das Prüfen von Materialbeständen – und ruft diese je nach prozessualem Bedarf selbstständig und situativ auf.

Roland Berger Consulting: MCP hilft KI

Der unschätzbare Vorteil dieses Ansatzes besteht darin, dass die KI keine private Unternehmensdatenbasis durch teures, riskantes und datenschutzrechtlich bedenkliches Modelltraining verinnerlichen muss, sondern über den MCP-Server in Echtzeit mit präzisen, gefilterten Live-Betriebsdaten versorgt wird.

Zu diesen privilegierten Szenarien gehören Produkte in der letzten Wartungsphase, der sogenannten Customer Specific Maintenance, bei der SAP nur noch reduzierte Leistungen erbringt, nachweislich durch Verschulden von SAP gescheiterte Implementierungsprojekte, Kundeninsolvenzen, erhebliche Personalreduzierungen von zehn Prozent oder mehr über zwei Jahre sowie Firmenveräußerungen (Divestitures), bei denen Lizenzen ohne Transfergebühren und ohne Verlust von Rabatten auf den Käufer übertragen oder ungenutzte Restbestände ersatzlos gekündigt werden können.

MCP-Offenheit versus SAP-Lizenzrecht

Diese offene Architektur kollidiert jedoch mit den wirtschaftlichen Interessen des Walldorfer Softwaremonopolisten SAP, was sich in der im April 2026 erlassenen und umstrittenen neuen SAP API Policy schmerzhaft manifestiert. Unter dem offiziellen Vorwand, die Systemstabilität und die Cybersicherheit vor unkontrollierten Zugriffen zu schützen, hat SAP die Daumenschrauben für Drittanbieter und Bestandskunden massiv angezogen.

Die Richtlinie verbietet im berüchtigten Paragrafen 2.2.2 explizit jegliche API-Nutzung für die Interaktion mit autonomen oder generativen KI-Systemen, die Sequenzen von API-Aufrufen eigenständig planen, auswählen oder ausführen, sofern dies nicht über einen von SAP genehmigten und zertifizierten Pfad erfolgt. Zudem sind systematische Massendatenextraktionen in externe Data Warehouses oder Data Lakes wie Microsoft Fabric untersagt.

Besonders brisant ist die seit Februar 2024 wirksame Einstufung der beliebten ODP-RFC-Schnittstelle zur Datenintegration als „verbotene Nutzung“ für Drittanwendungen. Für den SAP-Bestandskunden erwächst hieraus ein existenzielles Risiko: SAP versucht, sich als exklusiver und mautpflichtiger Gatekeeper für die unternehmenseigene Datenintelligenz zu etablieren. Wer seine S/4-Daten im anbrechenden KI-Zeitalter mit überlegenen, herstellerfremden Algorithmen veredeln möchte, wird systematisch blockiert und gezwungen, das teure und proprietäre Ökosystem der Business Technology Platform (SAP BTP) und der Business Data Cloud (SAP BDC) zu lizenzieren.

API-, BTP- und BDC-Exit mit MCP-Server

In diesem Spannungsfeld stellt sich für ERP-Entscheider die drängende Frage, ob sich diese restriktive API Policy der SAP durch den geschickten Einsatz von MCP-Servern umgehen lässt. Die Antwort erfordert eine differenzierte Analyse der technischen und vertraglichen Realität.

Technisch betrachtet stellt ein MCP-Server in der Tat ein mächtiges Instrument zur Emanzipation dar. Durch die Kapselung von standardisierten OData-Schnittstellen als remote MCP-Tools können Bestandskunden ihre SAP-Prozessdaten direkt an externe, überlegene KI-Plattformen wie Microsoft Copilot Studio oder Snowflake Cortex Agents anbinden – und zwar vollständig unter Umgehung des oftmals funktional unreifen SAP-Assistenten Joule und ohne teure BTP-Umwege.

Doch die juristische und kaufmännische Realität holt den SAP-Bestandskunden an dieser Stelle unbarmherzig ein: Wie der Integrationsexperte Marian Zeis in seinen Analysen warnt, gibt es von SAP keine einfache, binäre Compliance-Freigabe. Ein autonomer Drittanbieter-KI-Agent, der über ein kundeneigenes MCP-Gateway auf SAP-Daten zugreift und dort Aktionen ausführt, triggert rechtlich unmissverständlich die restriktiven KI-Klauseln der API-Richtlinie.

Stolperfalle: SAP-ERP-Audits

SAP behält sich vor, die MCP-, BTP- und API-Zugriffe über automatisierte Audits und Vermessungswerkzeuge zu überwachen, und wird versuchen, jeden externen Datenfluss im Rahmen des umstrittenen Digital-Access-Lizenzmodells als indirekte Nutzung mit hohen Beleggebühren zu monetarisieren. Ein MCP-Server bricht somit zwar den technischen Vendor-Lock-in auf und verhindert, dass Kunden gezwungen sind, minderwertige SAP-KI-Produkte zu kaufen, er befreit sie jedoch nicht von der vertraglichen Pflicht, den Datenabzug und die indirekte Nutzung lizenzrechtlich abzusichern, um Nachzahlungen im nächsten Audit zu vermeiden.

Souveränes ERP durch MCP-Server

Trotz dieser kaufmännischen Drohgebärden von SAP entwickelt sich rund um das Model Context Protocol ein hochdynamisches, souveränes Ökosystem, das von SAP-Partnern und der Open-Source-Community getrieben wird. SAP selbst hat den strategischen Schuss zwar gehört und lokale MCP-Server für eigene Entwicklungs-Frameworks wie CAP, UI5 und Fiori allgemein verfügbar gemacht, um Entwicklern kontextuelle KI-Hilfe direkt an der Codebasis zu bieten.

Zudem wird ein geplantes MCP-Gateway innerhalb des API-Managements der SAP Integration Suite in Aussicht gestellt, um Altsysteme anzubinden – dieses ist jedoch noch keine flächendeckende Realität und zielt primär darauf ab, den Zugriff exklusiv auf Joule-Agenten zu beschränken. Die eigentliche, sofort nutzbare Innovation findet daher aufseiten etablierter Drittanbieter statt.

Observability für LLMs durch MCP

Der europäische Open-Source-Pionier Suse bietet mit dem Trento MCP Server eine hochsichere Lösung an, die Echtzeit-Observability-Daten der SAP-Infrastruktur für beliebige LLMs nutzbar macht, ohne dass vertrauliche Betriebsdaten das Unternehmen verlassen müssen. Theobald Software stellt spezialisierte MCP-Server bereit, die eine verlässliche und sichere Direktverbindung zwischen externen AI-Agents und den SAP-Tabellenstrukturen herstellen, was für die Datenkonsistenz im ERP-Umfeld essenziell ist. Auch der Archivierungsspezialist KGS nutzt das Protokoll, um revisionssichere Dokumentenarchive als semantisch reiche Kontextlieferanten für KI-Systeme zu erschließen. In der freien Entwickler-Community sind es vor allem Vordenker wie Marian Zeis oder Alice Vinogradova, die mit quelloffenen Abap-MCP-Servern den Weg ebnen, um S/4 Hana und klassische ECC-6.0-Systeme mautfrei hinter moderne KI-Plattformen zu schalten.

Fazit: nicht ohne meinen MCP-Server

Die Schlussfolgerung für den SAP-Bestandskunden lautet: Künstliche Intelligenz und insbesondere die Ära der Agentic AI benötigen zwingend das Model Context Protocol als universelle Verbindungsschnittstelle, um im geschäftskritischen ERP-Umfeld überhaupt eine Daseinsberechtigung zu haben.

Ein ERP-System wie SAP S/4 Hana ist und bleibt der unverzichtbare, stabile Anker für Datenqualität, Branchenwissen und Prozesslogik in jedem Unternehmen. Doch dieses wertvolle Wissen bleibt isoliert und starr, wenn es nicht durch die flexiblen, kognitiven Fähigkeiten moderner KI-Modelle zum Leben erweckt wird. Umgekehrt sind reine Sprachmodelle ohne den präzisen, strukturierten Geschäftskontext eines ERP-Systems anfällig für gefährliche Halluzinationen und im operativen Alltag vollkommen blind.

MCP ist das rettende Bindeglied, das die beiden Welten nahtlos, sicher und herstellerunabhängig miteinander verschmilzt. Für den ERP-Entscheider darf der Weg in die künstliche Intelligenz daher niemals über die exklusiven, überteuerten Cloud-Pfade der SAP führen. Wer seine unternehmerische Freiheit wahren möchte, muss auf ein offenes, komponierbares ERP-Konzept (Composable ERP) setzen, bei dem das SAP-System das transaktionale Backend bleibt, während die KI-Orchestrierung über standardisierte MCP-Schnittstellen und anbieterunabhängige Integrationsplattformen gesteuert wird.

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Peter M. Färbinger, E3-Magazin

Peter M. Färbinger, Herausgeber und Chefredakteur E3-Magazin DE, US, ES und FR (e3mag.com), B4Bmedia.net AG, Freilassing (DE), E-Mail: pmf@b4bmedia.net und Tel. +49(0)8654/77130-21


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Die Arbeit an der SAP-Basis ist entscheidend für die erfolgreiche S/4-Conversion. 

Damit bekommt das sogenannte Competence Center bei den SAP-Bestandskunden strategische Bedeutung. Unhabhängig vom Betriebsmodell eines S/4 Hana sind Themen wie Automatisierung, Monitoring, Security, Application Lifecycle Management und Datenmanagement die Basis für den operativen S/4-Betrieb.

Zum vierten Mal bereits veranstaltet das E3-Magazin in Salzburg einen Summit für die SAP-Community, um sich über alle Aspekte der S/4-Hana-Basisarbeit umfassend zu informieren.

Veranstaltungsort

FourSide Hotel Salzburg,
Trademark Collection by Wyndham
Am Messezentrum 2, 5020 Salzburg, Österreich
+43-662-4355460

Veranstaltungsdatum

Mittwoch, 10. Juni, und
Donnerstag, 11. Juni 2026

Nur KI-Erlebnisworkshop am 11. Juni 2026 (limitierte Plätze)
Bonus: Zugang zu allen Vorträgen am 11. Juni 2026

Reguläres Ticket

Vorträge, Abendveranstaltung und je Verfügbarkeit der KI-Workshop am 11. Juni 2026
Die Plätze beim KI-Erlebnisworkshop sind limitiert und eine Anmeldung ist erforderlich.

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Veranstaltungsort

Hotel Hilton Heidelberg
Kurfürstenanlage 1
D-69115 Heidelberg

Veranstaltungsdatum

Mittwoch, 22. April und
Donnerstag, 23. April 2026

Tickets

Nur KI-Erlebnisworkshop am 23. April 2026 
Bonus: Zugang zu allen Vorträgen am 23. April 2026
Reguläres Ticket
22. April 2026: Vorträge und Abendveranstaltung
23. April 2026: Vorträge und KI-Workshop
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Veranstalter ist das E3-Magazin des Verlags B4Bmedia.net AG. Die Vorträge werden von einer Ausstellung ausgewählter SAP-Partner begleitet. Der Ticketpreis beinhaltet den Besuch aller Vorträge des Steampunk und BTP Summit 2026, den Besuch des Ausstellungsbereichs, die Teilnahme an der Abendveranstaltung sowie die Verpflegung während des offiziellen Programms. Das Vortragsprogramm und die Liste der Aussteller und Sponsoren (SAP-Partner) wird zeitnah auf dieser Website veröffentlicht.