Löschen im Auftrag von Mensch und Natur
Sieht man Bilder von den neuen gigantischen Rechenzentren, die auf der ganzen Welt entstehen, verschlägt es einem leicht den Atem: mehrere Tausend Quadratmeter geballte Energie, die die qualmenden Fabriken der ersten und zweiten industriellen Revolution fast lieblich aussehen lassen. Und wozu? Um unsere digitale Welt 24/7 anzufeuern und die gesamte Datenproduktion in Clouds zu lagern. Cloud, das klingt leicht und luftig – doch das sind die massiven Farmen bei Weitem nicht. Weltweit müssen Milliarden Server gekühlt und Rechner mit Strom versorgt werden.
Speichern auf Teufel komm raus
Noch schämen sich die wenigsten, wenn sie fleißig Dateien und Dokumente mehrfach duplizieren und vor allem niemals etwas löschen. Doch stellen immer mehr Umweltschützer fest: „Klickscham“ ist die neue „Flugscham“. Und das alles, weil nicht gelöscht wird. Aber warum fällt es vielen so schwer, sich von ihren Dokumenten zu trennen? Weil wir verlernt haben, wie das geht.
War es früher noch notwendig, sich auf das Wesentliche zu beschränken, weil Speichermedien in ihren Ausmaßen begrenzt und Speicherplatz teuer war, hat sich das Blatt in den vergangenen Jahren gewendet. Nachrichten, Dokumente, Akten und Fotos verschwinden – weil es so einfach ist – in der Cloud, teilweise auf Nimmerwiedersehen. Das führt vor allem für Unternehmen neben der Umweltfrage noch zu weiteren Problemen.
Jede einzelne Datei benötigt Speicherplatz, was Kosten in den Unternehmen verursacht, aber obendrein – und das kann langfristig noch viel entscheidender sein: Dokumentenmassen führen dazu, dass in der täglichen Arbeit das Relevante im Nebel des Irrelevanten kaum mehr zu sehen ist.
An dieser Frage forscht auch die Universität Bamberg unter dem Motto „Dare2Del“. Einer der Grundpfeiler ihrer Forschung ist das Wissen, dass digitale Daten, die überflüssig geworden sind, die Suche nach Informationen erschweren, Entscheidungen verzögern und von anstehenden Aufgaben ablenken.
Professorin und Projektleiterin Uta Schmid schlussfolgert: Sinnvoll zu löschen erhöhe die Arbeitsleistung. Doch auch wenn das Löschen ins Bewusstsein rückt, die Forscher wissen, die wenigsten Menschen möchten sich während ihrer Arbeit Gedanken um die Archivierung machen. Aufheben oder löschen? Dies sollte möglichst unauffällig im Hintergrund passieren – zuverlässig, intelligent und natürlich nachhaltig.
Autonome Archivierung
Steffen Holzmann, Green-IT-Experte bei der Deutschen Umwelthilfe, rät: alte E-Mails löschen. Sich von nicht benötigten Newslettern abmelden. Aber das genügt im Unternehmensumfeld natürlich nicht. Vor allem die täglich erstellten Dokumente sind eine Herausforderung in Sachen Gigabyte-Gigantismus.
Wenn wir mit dem Thema Archivierung umwelt- und leistungsbewusst umgehen wollen und die manuellen Überlegungen der Mitarbeitenden minimieren wollen, müssen wir auf intelligente Software zählen. KGS nennt diese Archivierungslösung „Tia“ – The Intelligent Archive. Das Ziel: eine autonome Archivierung, die Muster selbst erkennt und „Predictive Archiving Services“ bietet.
So macht das intelligente Archiv Löschvorschläge, reorganisiert übervolle Archive, entlastet teure Speicherplätze und nutzt günstigen Speicher sinnvoll aus. Machine Learning heißt das Zauberwort: Das System lernt und unterscheidet. Ein rechtlich relevantes Dokument wird anders „gelagert“ als eine Alltagsnotiz.
Ein Dokument, das keine Aufbewahrungsfrist enthält, jahrelang nicht auf den Bildschirm geholt wurde, doppelt oder dreifach verfügbar ist, wird als zu löschender Datenmüll angezeigt – oder für die ganz geheilten Datenmessies: direkt automatisch entsorgt. Ja, es rebelliert das Sammlerherz in uns. Doch Mensch und Natur brauchen dringend Luft zum Atmen.