KI: Ohne Qualifikation wird Tempo zum Risiko


Es hat sich etwas verändert im Markt. Auf unsere Jobangebote melden sich heute zunehmend mehr qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber. Das ist eine neue Erfahrung, denn als SAP-Berater und Softwarehersteller im deutschsprachigen Raum war es für uns in den vergangenen Jahren mitunter herausfordernd, alle ausgeschriebenen Positionen adäquat zu besetzen.
Diese aktuelle Veränderung scheint mir einerseits eine Folge der volatilen (Welt-)Wirtschaft zu sein. Zum anderen dürfte der KI-getriebene Stellenabbau zur Optimierung des Shareholder Value jetzt definitiv auch bei uns aufgeschlagen haben. Denn immer öfter hören wir, dass Bewerbungen andernorts abgelehnt wurden, schlicht weil keine Juniorstellen mehr ausgeschrieben werden oder „weil diese Jobs jetzt die KI erledigt“. Betroffen sind davon vorwiegend Positionen in der Softwareentwicklung und hier speziell Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger. Trotz hoher Qualifikation wird motivierten Absolventinnen und Absolventen von Universitäten, Fachhochschulen und berufsbildenden höheren Lehranstalten so der Einstieg in eine erfolgreiche Karriere verwehrt.
KI ist längst Alltag im Tagesgeschäft
Selbstverständlich ist KI längst auch in unserem Arbeitsalltag angekommen. Im Tagesgeschäft der Snap-Entwicklerinnen und -Entwickler ist GitHub Copilot das Werkzeug unserer Wahl. Wir nutzen das Tool bei der Softwareentwicklung unserer snapWARE-Palette und schätzen die Vorzüge der KI-Unterstützung bei der Code-Generierung und der automatisierten Erstellung von Testszenarien und Dokumentationen (das Tempo ist atemberaubend). Und wir nehmen auch gerne die durch KI erzielten Qualitätssteigerungen bei der Softwareentwicklung im SAP-Umfeld mit. Aus meiner Sicht gibt es aber eine wesentliche Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von KI: Es braucht immer einen Menschen (= Senior), der der „Intelligenz“ genaue Anweisungen gibt, wie etwas umzusetzen ist, und der in der Lage ist zu beurteilen, ob das Resultat eines Prompts brauchbar ist.
Da Senior Developer bekanntlich nicht vom Himmel fallen, frage ich mich, woher diese künftig kommen sollen, wenn shareholderorientierte Unternehmen ihre Personalpolitik mit KI „kosteneffizient“ gestalten und damit Einsteigern den Berufseinstieg verwehren. Und es in der Folge dann keine Juniors geben wird, die sich zu Seniors entwickeln können. Oder anders gesagt: die in der Lage sind zu beurteilen, was KI hervorbringt, ob etwas Fakt oder Fake ist.
Qualifikation kommt von Qualität
Als eigentümergeführtes Unternehmen haben wir uns bei Snap bewusst dafür entschieden, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst auszubilden. Dazu haben wir schon vor Jahren die Snap-Akademie gegründet, in der sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter individuell entwickeln können. Das klingt nicht nur gut, das bringt auch ganz konkrete Vorteile: Als Unternehmen verfügen wir über ein hochqualifiziertes Team mit umfangreichem Know-how. Unsere Kunden können jederzeit zuverlässig die benötigte Expertise abrufen – und das unabhängig davon, wie KI-Anbieter sich künftig refinanzieren. Und zu guter Letzt finden engagierte Kolleginnen und Kollegen (und solche, die es werden wollen) bei uns Gelegenheit einzusteigen, zu lernen und zu wachsen. Weil ich persönlich, und wir alle bei Snap, der Meinung sind, dass KI sehr viele Möglichkeiten bietet, um uns in atemberaubendem Tempo zu unterstützen.
Möglicherweise bringt die nahe Zukunft ja ein sich selbst konfigurierendes, agentengesteuertes SAP ERP, wie es Christian Klein vor Kurzem auf der SAP Sapphire skizziert hat. Aber bis AI Agents das dafür notwendige zuverlässige Niveau erreicht haben, braucht es eine qualifizierte Person, die Anforderungen präzisiert, Architekturentscheidungen trifft und den Output prüft. Sonst wird aus dem hohen Tempo sehr schnell ein hohes Risiko.
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