Europäischer Markt weiter robust

Der gesamte jährliche Vertragswert stieg im zweiten Quartal und im Jahresvergleich, um 18 Prozent, gab aber gegenüber dem ersten Quartal leicht nach. Der Fachkräftemangel zeigt überraschende Auswirkungen.
E-3 Magazin
9. November 2022
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IT- und Business-Services

Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete der europäische Markt für IT- und Business-Services im zweiten Quartal 2022 ein deutliches Wachstum. Doch vor dem Hintergrund zunehmender wirtschaftlicher Unruhe gab es auch Zeichen einer sich abschwächenden Marktdynamik. Dies meldet der aktuelle EMEA ISG Index auf Basis der neuesten Zahlen der IT-Services-Branche. Er wird von der Information Services Group (ISG) herausgegeben.

Nachfrage steigt

Der EMEA ISG Index erfasst Fremdvergaben mit einem jährlichen Vertragswert (Annual Contract Value, ACV) von mindestens 5 Millionen US-Dollar (4,9 Millionen Euro). Ihm zufolge hat der ACV des Gesamtmarktes aus Managed Services und cloudbasierten XaaS mit 7,6 Milliarden Dollar (7,5 Milliarden Euro) zum dritten Mal in Folge den Quartalswert von 7 Milliarden Dollar (6,9 Milliarden Euro) überschritten. Dies entspricht einem Plus von 18 Prozent gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres. Gegenüber dem ersten Quartal dieses Jahres bedeutet es jedoch ein leichtes Minus von 0,5 Prozent.

Im zweiten Quartal überstieg die Nachfrage nach XaaS in EMEA das vierte Quartal in Folge die Marke von 3,5 Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro) und erreichte 3,8 Milliarden Dollar (3,7 Milliarden Euro). Dies entspricht einem Wachstum von 27 Prozent gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahrs, aber auch einem Rückgang von 3 Prozent gegenüber dem ersten Quartal dieses Jahres. Innerhalb dieses Marktsegments legten Infrastructure as a Service (IaaS) im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 2,8 Milliarden US-Dollar (2,8 Milliarden Euro) und Software as a Service (SaaS) um 19 Prozent auf 962 Millionen US-Dollar (947 Millionen Euro) zu. Mit Blick auf das Vorquartal hingegen lag das Minus bei 3 Prozent beziehungsweise 4 Prozent.

Der ACV im Teilmarkt der Managed Services setzte seinen Wachstumstrend fort und erreichte 3,9 Milliarden US-Dollar (3,8 Milliarden Euro) und damit 10 Prozent mehr als im gleichen Quartal des Vorjahrs und 3 Prozent mehr als im Vorquartal. Zum fünften Mal in den vergangenen sieben Quartalen lag hier der ACV über 3,5 Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro). Dabei lag das IT-Outsourcing (ITO) mit 2,9 Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro) um 1 Prozent über dem Vorjahreswert und um 4 Prozent über dem Wert des ersten Quartals.

Besonders stark war die Nachfrage nach Services bei Anwendungsentwicklung und -wartung (ADM), die gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent und gegenüber dem ersten Quartal dieses Jahres um 29 Prozent zulegten. Der Umsatz im Bereich Business Process Outsourcing (BPO) wuchs dank branchenspezifischer Services um 47 Prozent auf 968 Millionen Dollar (953 Millionen Euro), ging aber im Vergleich zum Vorquartal um 1 Prozent zurück.

Auch im Bereich Internet of Things tut sich einiges. Nicht nur der Gesamtmarkt für IoT-Services und -Lösungen wächst in Deutschland sehr stark. Insbesondere auch das Teilsegment der Managed-IoT-Services verzeichnet aktuell jährliche Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich. Grund sind unter anderem der zunehmende Fachkräftemangel und die sprunghaft ansteigende Bedrohung durch Cyberangriffe. Dies meldet die neue Vergleichsstudie ISG Provider Lens Internet of Things – Services and Solutions Report Germany 2022.

Den Markt befeuern

„Bei Managed-IoT-Services erleben wir aktuell einen deutlichen Mentalitätswandel in deutschen Unternehmen“, sagt Heiko Henkes, Director und Principal Analyst bei ISG. „Auch wegen der Erfahrungen mit Cloud Computing und ähnlichen Technologien legen die Verantwortlichen die Scheu, IT-Services auszulagern, zunehmend ab.“

Heiko Henkes, ISG One

Bei Managed-IoT-Services erleben wir aktuell einen deutlichen Mentalitätswandel in deutschen Unternehmen.

Heiko Henkes, Director und Principal Analyst, ISG

Zudem würden die Unternehmen erkennen, dass es sich bei IoT nicht mehr nur um einzelne Projekte handle, sondern um unternehmensweit relevante Produkte und Services, die zudem immer komplexer würden. „Für die damit verbundenen Herausforderungen verfügen die meisten IT-Abteilungen der Unternehmen weder über die notwendigen personellen Ressourcen noch über das erforderliche Know-how“, so Henkes weiter. Anbieter von Managed-IoT-Services könnten und würden diese Lücken derzeit füllen.

Zudem würden geografisch verteilte IoT-Landschaften, Sensoren und Edge-Geräte mit teilweise sehr unterschiedlichen Sicherheitsstandards dazu führen, dass die Unternehmens-IT sie nur schwer bis unmöglich betreiben und warten kann, so die ISG-Studie weiter. Umgekehrt würden gerade in langfristigen und unternehmensweiten Projekten Managed-IoT-Services den Unternehmen größere finanzielle Spielräume verschaffen, mit denen sie ihre IoT-Projekte größer und umfassender anlegen könnten.

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