EU Data Act – Licht am Ende des Tunnels


Der Weg in die Cloud gleicht für viele SAP-Bestandskunden einer erzwungenen Reise in ein gelobtes IT-Himmelreich, doch das sogenannte FUE-Evangelium (Full Use Equivalent) entpuppt sich bei genauerer rechts- und betriebswirtschaftlicher Betrachtung als gefährliche Einbahnstraße. Während SAP-Chef Christian Klein unermüdlich die Vorzüge von Rise with SAP als Rundum-sorglos-Paket für die digitale Transformation preist, wird ein existenzielles Risiko systematisch verschwiegen: Es gibt seitens SAP de facto keine tragfähige Cloud-Exit-Strategie. Wer sich auf dieses Vertragswerk einlässt, begibt sich in einen tiefen Vendor-Lock-in.
Meine SAP-Stammtischschwestern und -brüder haben versucht, einen potenziellen Cloud-Exit zu verstehen. Wir müssen die Mechanik der SAP-Lizenztransformation dekonstruieren, ist der Auftrag von meinem Stammtisch. In der klassischen On-prem-Welt waren Softwarelizenzen für Systeme wie ECC ein Investitionsgut (CapEx). Mit dem Wechsel zu Rise zwingt SAP uns Bestandskunden durch Contract Conversion, dieses wertvolle Eigentum an der Himmelspforte abzugeben und in ein Mietmodell (OpEx) in Form von Cloud-Subskriptionen umzuwandeln.
Kündigen wir Stammtischschwestern und -brüder diesen SAP-Cloud-Vertrag oder möchten aussteigen, verdampft unser Nutzungsrecht augenblicklich! Die Konsequenz ist brutal: Nach Vertragsende bleiben dem SAP-Bestandskunden lediglich die nackten Rohdaten, die ohne die dazugehörigen SAP-Algorithmen völlig wertlos sind (siehe E3-Coverstory DMI, März 2026).
Eine Reaktivierung des alten ECC-Systems ist juristisch und technisch unmöglich, da die On-prem-Lizenzen durch die Konvertierung unwiederbringlich vernichtet wurden. Der einzige Ausweg aus dieser Falle bestünde darin, die eigenen Lizenzen im Vorfeld nicht aufzugeben und ein Bring-Your-Own-License-Modell (BYOL) bei einem unabhängigen Hyperscaler zu wählen, was SAP bei mir durch vertriebliche Repressionen massiv zu verhindern versuchte.
Besonders toxisch wird die Lage, wenn das Projekt Rise in der Umsetzungsphase scheitert und das avisierte Cloud-Ziel gar nicht erst erreicht wird. Ein Rise-Vertrag ist ein multidimensionales Konstrukt, das mindestens aus den Umzugskosten (Conversion) und der laufenden Cloud-Subskription besteht. Kommt es zu einem Projektabbruch, weil die S/4-Transformation an der Komplexität der historisch gewachsenen Datenstrukturen scheitert, zeigt sich SAP bei den Conversion-Kosten vielleicht noch kulant, beharrt aber unerbittlich auf den Zahlungen für die Cloud-Subskription.
Der SAP-Bestandskunde steht dann mit den Trümmern seines ERP-Systems im Niemandsland: Zurück in die alte On-prem-Welt kann er nicht, weil die Lizenzen abgegeben wurden, und nach vorne in die Cloud geht es nicht, weil die Implementierung gescheitert ist.
In diesem Machtgefälle richten sich unsere Hoffnungen auf den neuen EU Data Act, der explizit darauf abzielt, Lock-in-Effekte aufzubrechen und den Wechsel von Cloud-Dienstleistern zu erleichtern. Das Gesetz schreibt vor, dass Anbieter vertragliche und technische Hürden abbauen müssen, um die Datenportabilität zu gewährleisten.
Doch die juristische Realität bei SAP sieht anders aus. Zwar stellt der EU Data Act ein Licht am Ende des Tunnels dar, doch SAP hüllt sich zu den konkreten Ausstiegsmodalitäten weitgehend in Schweigen und wartet auf standardisierte EU-Musterverträge. Ein klassischer Rise-Vertrag ist eine juristische Offenbarung, bei der der SAP-Anwender ausschließlich Pflichten und kaum Rechte hat.
Auch aus Sicht der Compliance und IT-Security gleicht ein ungeplanter SAP-Cloud-Exit einem Ritt auf der Rasierklinge. SAP-Bestandskunden sind gezwungen, proaktiv umfassende Data-Retention-Strategien zu entwickeln, um sensible Informationen vor Vertragsende revisionssicher zu extrahieren, siehe DMI JiVS in der E3-Ausgabe März 2026. Gleichzeitig bleiben wir im Rise-Modell vollumfänglich für die Einhaltung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und des Berechtigungsmanagements verantwortlich.
SAP-Cloud ist eine strategische Einwegfunktion, eine mathematische Trapdoor-Funktion, die den Eintritt verlockend einfach macht, den Exit jedoch mit existenzbedrohenden rechtlichen, finanziellen und technischen Hürden versperrt.






