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Environment – Social – Governance (ESG)

Nachhaltigkeit entwickelt sich vom „nice to have“ zum „must have“. Das drückt sich in der veränderten Kundenerwartung, zahlreichen Selbstverpflichtungen, Regulatorik und neuen Rahmenwerken aus.
Peter Wüst, NetApp
Mathias Kaldenhoff, SAP
14. März 2023
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NetApp und SAP gestalten eine digitale Zukunft im Industrie-4.0-Umfeld

Auf globalem Level sorgt Environment, Social und Governance (ESG) für nachhaltigeres Handeln von Unternehmen, regional die EU-Taxonomie und das Lieferkettengesetz und national das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG). Software-Konzerne wie NetApp und SAP schaffen für Unternehmen die Voraussetzungen für eine Symbiose von Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

ESG evaluiert die unternehmerische Sozialverantwortung, also den freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu nachhaltiger Entwicklung, der über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht. Daran knüpft sich eine verantwortungsbewusste unternehmerische Haltung bei getätigten Investitionen, das „Socially Responsible Investing“. Kriterien der ESG werden von Investoren in die Analyse von Wertpapieren einbezogen, um soziale, ökologische und ethische Konsequenzen von Investitionen in Unternehmen und Staaten zu berücksichtigen und zu bewerten.

In Europa greift seit 2022 die sogenannte EU-Taxonomie im Rahmen des Green Deal, um auch Kapitalflüsse aus privaten Investitionen in ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten zu lenken. Global wie regional zeigt der spürbare Wandel in der Gesellschaft hin zu bewussterem Handeln und Konsumieren am Kapitalmarkt eine deutliche Verschiebung zu nachhaltig gemanagten Investments. Nachhaltigkeit wird zu einem Kriterium des Risikomanagements in der Finanzwirtschaft.

Die Lieferkettengesetze schaffen einen gesetzlichen Rahmen für die Sorgfaltspflicht entlang der gesamten Lieferkette und stehen für den weltweiten Schutz der Arbeitnehmer. Für Unternehmen führt das zu neuen Pflichten: Lieferanten müssen auf die Einhaltung sozialer und ökologischer Mindeststandards einer faireren und nachhaltigeren globalen Wirtschaft überprüft werden, um eine verantwortungsvolle Unternehmensführung zu fördern.

Die Twin Transformation verbindet Digitalisierung und Nachhaltigkeit. In den Zeiten verstärkter Digitalisierung ist daher zu verstehen, dass die digitale Transformation und die grüne Transformation (die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele) eine symbiotische Beziehung führen. Die daraus entstehende „Twin Transformation“ bestimmt die Investitionen und die Bewertung nachhaltiger wirtschaftlicher Aktionen von Unternehmen durch den Finanzmarkt.

Unternehmen, die Digitalisierung und Nachhaltigkeit gemeinsam angehen, haben eine zweieinhalbfach höhere Wahrscheinlichkeit, zu den erfolgreichen Unternehmen der Zukunft zu zählen. Denn Twin Transformation umfasst ein Dreigestirn an Möglichkeiten: positive Darstellung gegenüber den Finanzmärkten durch Erhöhung der eigenen Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitigem sozial und ökologisch verantwortlichem Handeln.

Digital Twin, IoT und Asset Administration Shell (AAS) basieren auf konsistenten Datenstrukturen.
Digital Twin, IoT und Asset Administration Shell (AAS) basieren auf konsistenten Datenstrukturen.

Soziales und ökologisches Handeln beschränkt sich dabei nicht nur auf das eigene Unternehmen, sondern betrifft auch die Einflussnahme auf Kunden oder Partner. SAP und NetApp setzen dies allein sowie in ihren unterschiedlichen Beziehungen miteinander um.

So schreibt SAP auf der ESG-Seite für Investoren: „Unsere Nachhaltigkeitsagenda ist ein zentrales Element unseres Unternehmensziels und fest in unserer Strategie verankert. Wir möchten auf unserem Planeten positive Veränderungen in Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft bewirken. Dies können wir mit unseren Geschäftsaktivitäten auf zwei Wegen erreichen – indem wir bei unseren Kunden die Voraussetzungen für Nachhaltigkeit schaffen und indem wir Nachhaltigkeit selbst vorleben.“

George Kurian, CEO von NetApp, lässt im ESG-Bericht 2021 verlauten: „For the benefit of our employees, customers, partners, shareholders, and neighbors, we are committed to effective environmental, social, and governance (ESG) management.“

Nachhaltigkeit vorleben

SAP, in nachhaltiger Vorbildfunktion, zeigt schon seit Jahren die Verknüpfung wirtschaftlicher, ökologischer und gesellschaftlicher Leistung und Vorreiterschaft bei integrierter Berichterstattung. Dadurch kann das Unternehmen bessere Entscheidungen treffen. Zur ganzheitlichen Steuerung hat SAP unter anderem klare Ziele für wichtige nicht finanzielle Kennzahlen festgelegt. Dafür wurde SAP ausgezeichnet bewertet: im Dow-Jones-Nachhaltigkeitsindex als das nachhaltigste Softwareunternehmen; von Morgan Stanley Capital International im Bereich ESG mit der Bestnote AAA; von Sustainalytics innerhalb der Branche in der ersten Perzentile; von ISS ESG mit einem Prime Rating im ersten Dezil.

Ähnlich verhält es sich bei der Firma Net-App, die im ESG-Bericht 2022 ihre in die gesamten Geschäftsprozesse integrierten Nachhaltigkeitsziele nach Priorität und Kategorie für Stakeholder und eigenes Geschäft ordnet. Zudem lässt NetApp sich kontinuierlich (alle zwölf Monate) auf der EcoVadis-Plattform bewerten. Im letzten Score steigerte das Unternehmen dabei das Vorjahresergebnis um sechs Punkte und stieg in die Top sieben Prozent der bewerteten Unternehmen auf, prämiert mit einer Gold-Medaille.

Datengetriebene Fälle von Industrie 4.0 mit den Techniken: Digital Twin, Analytics, Predictive Maintenance und IIoT/IoT.
Datengetriebene Fälle von Industrie 4.0 mit den Techniken: Digital Twin, Analytics, Predictive Maintenance und IIoT/IoT.

Nach vorsichtigen Schätzungen werden im Jahr 2030 circa acht Prozent des weltweiten Energieverbrauchs in der kommerziellen IT entstehen. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 waren es zwei Prozent. Im Jahr 2020 bedeutete dies nach Aussagen des Digitalverbands Bitkom allein in Deutschland (bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung der Rechenzentrumsinfrastrukturen um 21 Prozent) einen Gesamtverbrauch von 16 Milliarden kW/h an Energie und Treibhausgasemissionen von 6,09 Millionen Tonnen CO2.

Um diese Entwicklung zu verlangsamen, trat NetApp als erster speicherfokussierter Lieferant einem MIT-Konsortium zur Entwicklung von PAIA bei. Das benutzerfreundliche Tool weist den ökologischen Fußabdruck von Produkten der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) über den gesamten Lebenszyklus aus. NetApp erfüllt außerdem Nachhaltigkeitsstandards wie ISO14001, WEEE, RoHS und REACH und liefert seinen Kunden ein kostenloses „Environmental Dashboard“, das in Echtzeit den Energieverbrauch der einzelnen Arrays misst.

Die von NetApp ausgewiesenen Kennzahlen und externen Bewertungen können unter Aspekten der Lieferantenbewertung für ein Listing in Green-IT-Einkaufsportalen herangezogen werden. Denn innerhalb eines Produktpasses sind Fertigungsbedingungen, Herstellernachweise, Fertigungskomponenten und reine Betriebskomponenten mindestens klimaneutral ausgewiesen.

Um die weiteren Nachhaltigkeitsversprechen der Systeme von NetApp und darauf residierender Softwarelösungen zu bemessen, ist neben der Betrachtung der IT-Infrastrukturmaßnahmen zur Energieeffizienz auch das Datenmanagement zu evaluieren. Etwa 15 Prozent der Energieaufwände von Rechenzentren entfallen auf die Datenspeicherung – eine nicht unerhebliche Menge. Auf die Bitkom-Studie bezogen beläuft sich der Fußabdruck der Datenspeicherung in deutschen Rechenzentren im Jahr 2020 auf circa 2,5 Milliarden kW/h an Energie und mindestens 1 Million Tonnen an CO2-Emissionen.

Damit gewinnt neben der Energieeffizienz auch die Dateneffizienz an elementarer Bedeutung: Data Quantity, denn das klimafreundlichste Speichern von Daten ist, keine Daten zu speichern (no data), wenn speichern, dann die richtigen Daten (no data waste); Data Privacy sichert den Zugriff auf zentrale Ablageorte (no data copy), und Data Cloud sowie Data Mesh den Zugriff zwischen On-prem und Cloud (data federation).

NetApp ist mit seinen Möglichkeiten in zahlreichen von der SAP in der Cloud zur Verfügung gestellten Lösungen im Einsatz und trägt mit unterschiedlichen Aspekten zur Darstellung eines klimafreundlicheren Rechenzentrumbetriebes bei. Doch Energie- und Dateneffizienzmaßnahmen allein genügen nicht; sie verschieben nur das Unvermeidliche.

Datenbilanz und Dateneffektivität

In manchen Industrien laufen 80 Prozent aller Transaktionen über SAP-Systeme. Betrachtet man nur das Wachstum der kommerziellen Daten im Verhältnis zum Wachstum der Transaktionsdaten der sie strukturierenden SAP-Systeme, lässt sich die exponentielle Zunahme jedoch nicht erklären. Diese entsteht erst durch die rasant wachsende Digitalisierung.

Omnipräsente Konnektivität und innovative Technologien vermitteln zwischen Menschen, Orten, Produkten und Systemen, schaffen intelligente Vermögenswerte, smarte Produkte, Anlagen, Gebäude, Materialien und Prozesse. Sie sind Schlüsselmerkmale der vierten industriellen Revolution mit dem Grundgedanken der vollumfänglichen Vernetzung. Unternehmen verbinden Stammdaten mit Bewegungsdaten des alltäglichen Verbraucherverhaltens, messen, wiegen und zählen – denn managebar ist nur, was auch nachverfolgt werden kann.

Für viele Unternehmen liegt der Reiz der Industrie 4.0 unter anderem darin, neue datenbasierte Geschäftsmodelle zu entwickeln, indem IT- und OT-Daten (Operational Technology) zusammengebracht und in SAP-Systeme integriert werden. Die Integration von Daten aus der IT mit Daten aus der OT schafft zudem neue Möglichkeiten in der Datenanalyse. NetApp macht hier in Deutschland aktuell den Sprung in die Praxis: mit smarter Instandhaltung ohne fixe Wartungszyklen, zum Beispiel für Brückeninfrastruktur in Kooperation mit der Universität der Bundeswehr München. Ein anderes Beispiel: Mit einem internationalen Automobilzulieferer wird die virtuelle Inbetriebnahme von Produktionslinienerweiterungen betrachtet. So können Produktionsänderungen, Prototypen und Auswirkungen auf die Lieferkette im laufenden Betrieb simuliert und umgesetzt werden.

Digitale Zwillinge bilden den gesamten Prozess virtualisiert ab, testen die Prozessreife und verkürzen damit die Zeit bis zur Inbetriebnahme. Die über Verwaltungsschalen/digitale Zwillinge von BaSyx standardisierten und mit Metadaten versehenen Daten werden in einem Objektdatenspeicher von NetApp abgelegt. Digitale Daten aus unterschiedlichen Quellen, zum Beispiel Sensorik, können mittels entsprechender Metadaten zur weiteren Verarbeitung leicht neu kombiniert und über die Standardschnittstellen sowohl lokalen als auch cloudbasierten SAP-Anwendungen bereitgestellt werden.

Als nächster kollaborativer Schritt zwischen NetApp, SAP und weiteren Integrationspartnern kann ein ganzheitlicher Manufacturing-Marktplatz auf Cloud-Basis entstehen. Kunden definieren ihre Produktionsanforderungen auf einem internationalen Portal, das die Auslastung, Fertigungstiefe, Rohstoff- und Lieferkette sowie alle anderen relevanten Kenngrößen der teilnehmenden Betriebe kennt, und vergeben dann den Auftrag an den günstigsten, nachhaltigsten oder schnellsten Anbieter im Pool. An solchen Szenarien wird im Rahmen von Gaia-X oder Catena-X bereits gearbeitet.

Dateneffektivität und Ökoeffektivität

Die digitale Transformation dateneffektiv mit Nachhaltigkeitsprinzipien zu verbinden, ist ein weiterer wichtiger und zeitgemäßer Beitrag NetApps. Die Symbiose der grünen und der digitalen Transformation wird aufgrund der vielen gemeinsamen Schnittstellen als „Twin Transformation“ bezeichnet. Insbesondere in europäischen Ländern bietet diese Symbiose aufgrund des Vorsprungs im Industrie 4.0-Kontext große Chancen. In der Twin Transformation werden die digitalen und nachhaltigen Geschäftsmodelle gemeinsam betrachtet, integriert, aufgebaut und betrieben.

Aus dem digitalen Zwilling wird ein „nachhaltiger digitaler Zwilling“, aus einem digitalen Geschäftsmodell wird ein digitales, nachhaltiges Modell, das um den wirtschaftlich bedeutsamen Terminus Öko-effektivität erweitert wird. Die digitalen Zwillinge ermöglichen IFTTT-Analysen, OEM- und Mietmodelle und schreiben transaktionsorientiert Nachhaltigkeitsdaten über Rohmaterial, Produzent, Transport und Logistik, Handel, Nutzer, Service und Recycling – also den gesamten Lebenszyklus – in die angeschlossenen Systeme. 

Digitale Zwillinge können dadurch in einer weiteren Transformationsphase zu nachhaltigen Finanzobjekten wandeln und über den SAP Sustainable Control Tower kontiert werden. Das SAP Product Footprint Management wird neben den verbauten Komponenten auch auf Produktions- oder Maschinenebene unterstützt, womit sich Responsible Design and Production der Realität annähern.

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Peter Wüst, NetApp

Peter Wüst ist VP und Geschäftsführer Area Germany bei NetApp.


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Mathias Kaldenhoff, SAP

Mathias Kaldenhoff ist Partner Sustainability und Innovation Management bei SAP


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Die Arbeit an der SAP-Basis ist entscheidend für die erfolgreiche S/4-Conversion. 

Damit bekommt das sogenannte Competence Center bei den SAP-Bestandskunden strategische Bedeutung. Unhabhängig vom Betriebsmodell eines S/4 Hana sind Themen wie Automatisierung, Monitoring, Security, Application Lifecycle Management und Datenmanagement die Basis für den operativen S/4-Betrieb.

Zum zweiten Mal bereits veranstaltet das E3-Magazin in Salzburg einen Summit für die SAP-Community, um sich über alle Aspekte der S/4-Hana-Basisarbeit umfassend zu informieren. Alle Informationen zum Event finden Sie hier:

SAP Competence Center Summit 2024

Veranstaltungsort

Eventraum, FourSide Hotel Salzburg,
Am Messezentrum 2,
A-5020 Salzburg

Veranstaltungsdatum

5. und 6. Juni 2024

Reguläres Ticket:

€ 590 exkl. USt.

Veranstaltungsort

Eventraum, Hotel Hilton Heidelberg,
Kurfürstenanlage 1,
69115 Heidelberg

Veranstaltungsdatum

28. und 29. Februar 2024

Tickets

Regular Ticket
EUR 590 exkl. USt
Veranstalter ist das E3-Magazin des Verlags B4Bmedia.net AG. Die Vorträge werden von einer Ausstellung ausgewählter SAP-Partner begleitet. Der Ticketpreis beinhaltet den Besuch aller Vorträge des Steampunk und BTP Summit 2024, den Besuch des Ausstellungsbereichs, die Teilnahme an der Abendveranstaltung sowie die Verpflegung während des offiziellen Programms. Das Vortragsprogramm und die Liste der Aussteller und Sponsoren (SAP-Partner) wird zeitnah auf dieser Website veröffentlicht.