All-in on Abap


On-prem-Freiheiten versus strenge Cloud-Regularien
Keynote-Sprecher Professor Christian Leubner wird in Heidelberg verdeutlichen, dass der Wechsel in die Cloud für Abap-Entwickler fundamentale Veränderungen der gewohnten Abläufe und unzähliger technischer Details erzwingt, da SAP eine rigide Trennung zwischen den einstigen On-prem-Freiheiten und den neuen, strengen Cloud-Regularien diktiert.
Das technische Vehikel dieser architektonischen Zwangsmaßnahme trägt in der Community den klangvollen Codenamen Steampunk, was offiziell das SAP BTP Abap Environment bezeichnet. Mit Steampunk zwingt SAP seine Bestandskunden, kundenindividuelle Erweiterungen konsequent aus dem ERP-Kernsystem auszulagern und als sogenannte Side-by-Side-Szenarien auf der Business Technology Platform (SAP BTP) zu betreiben. Flankiert wird dies durch das Konzept des Embedded Steampunk, das On-Stack-Erweiterungen direkt im S/4-System erlaubt, jedoch unter exakt denselben unerbittlichen Restriktionen des neuen und stark reglementierten Entwicklungsmodells „Abap Cloud“ operiert.
Teurer Refactoring-Prozess
Für die SAP-Bestandskunden ergeben sich aus dieser neuen Entwicklungsdoktrin gewaltige technische, organisatorische und kaufmännische Herausforderungen, die oftmals einem schmerzhaften und teuren Refactoring-Prozess gleichkommen. In der neuen Abap-Cloud-Welt ist der grenzenlose Direktzugriff auf Datenbanktabellen, das lokale Dateisystem oder den Kernel des Anwendungsservers rigoros verboten.
Die Programmierer dürfen ausschließlich auf von SAP explizit freigegebene, sogenannte Whitelisted-APIs und klar definierte Erweiterungspunkte zugreifen. Diese Maßnahme garantiert zwar auf dem Papier die dringend benötigte Release- und Upgrade-Stabilität für künftige Cloud-Szenarien, entwertet aber gleichzeitig historisch gewachsenen und wettbewerbsdifferenzierenden Custom-Code, der in langwierigen Projekten neu geschrieben werden muss.
Eclipse, ADT und CDS
Zudem wird den Anwendern ihr über Jahrzehnte liebgewonnenes Werkzeug entzogen: Die klassische, GUI-basierte Entwicklungsumgebung mit der Transaktion SE80 hat ausgedient, und stattdessen wird der Einsatz der Eclipse-basierten Abap Development Tools (ADT) zwingend vorgeschrieben.
Die Umstellung verlangt von den Entwicklern außerdem zwingend fundierte Kenntnisse in Core Data Services (CDS) sowie die tiefe Beherrschung des Abap RESTful Application Programming Models (RAP), um moderne transaktionale Geschäftsobjekte und Webservices überhaupt noch regelkonform orchestrieren zu können. Wer diese steile Lernkurve im eigenen IT-Team nicht bewältigt, wird in der neuen, cloud-getriebenen SAP-Welt schlichtweg handlungsunfähig.
KI und Abap-1
Um diesen enormen Migrationsdruck abzufedern und die millionenfachen Zeilen alten Legacy-Codes überhaupt in die neue Cloud-Ära überführen zu können, bedient sich SAP mittlerweile der generativen künstlichen Intelligenz, wobei spezifische Large Language Models (LLMs), die direkt auf Abap-Code trainiert wurden und in der Entwicklerwelt unter dem Assistenten „Joule for Developers“ oder dem Paradigma Abap-1 subsumiert werden, eine zentrale strategische Rolle spielen.
Diese spezialisierten Basismodelle wurden mit hunderten Millionen Zeilen Abap- und CDS-Code der SAP sowie umfangreicher technischer Dokumentation trainiert, um den Entwicklern kontextbezogene und hochpräzise Vorschläge für die Code-Erstellung und die komplexe Migration von Altlasten nach S/4 Hana zu liefern. Die KI agiert hier als allgegenwärtiger digitaler Assistent, der langweilige Routineaufgaben automatisiert, Unit-Tests generiert und veralteten, inkompatiblen Code analysiert, um passgenaue, Clean-Core-konforme Lösungen zur automatisierten Umschreibung vorzuschlagen.
IT-Reparaturdienstverhalten
Kritisch betrachtet offenbart dieser massive KI-Einsatz jedoch die ganze strategische Ironie des ERP-Weltmarktführers: SAP nutzt hochentwickelte künstliche Intelligenz primär als algorithmisches Reparaturwerkzeug, um die gigantischen Migrationshürden und architektonischen Zwangskorsette, die man den Kunden mit der radikalen Clean-Core-Strategie selbst auferlegt hat, überhaupt erst technisch und zeitlich bewältigbar zu machen.
Zukunft von „All-in on Abap“
Die Zukunft von Abap ist somit keineswegs der oft beschworene endgültige Tod der Sprache, sondern ihre unbedingte Unterwerfung unter die strikte Plattformökonomie der SAP-Cloud. Abap wird von den SAP-Bestandskunden weiterhin dringend benötigt, da es das unersetzliche und bewährte Fundament bleibt, um tiefgreifendes, branchenspezifisches Prozesswissen in die standardisierten ERP-Abläufe zu integrieren.
Der Anwender soll und muss Abap künftig jedoch ausschließlich im Rahmen des dogmatischen Clean-Core-Prinzips verwenden. Das bedeutet in der Praxis, dass jede neu geschriebene Zeile Code entweder als streng entkoppelte Side-by-Side-Erweiterung in der BTP (Steampunk) oder als stark kontrollierte On-Stack-Entwicklererweiterung (Embedded Steampunk) über das Abap-Cloud-Modell realisiert werden muss.
Modifikationen im Z-Namensraum: technische Sackgasse
Unternehmen, die sich dieser technischen Disziplin verweigern und aus Bequemlichkeit an alten, wild wuchernden Modifikationen im Z-Namensraum festhalten, riskieren unwiderruflich ihre künftige Upgrade-Fähigkeit und treiben sich selbst in eine teure, technische Sackgasse. Die kritische Schlussfolgerung für jeden aufgeklärten SAP-Bestandskunden lautet daher, dass der Einsatz von Abap im Zeitalter der generativen KI und der Cloud kein freies, kreatives Handwerk mehr ist, sondern einer industriellen, KI-gestützten und durch SAP hart reglementierten Fließbandarbeit gleicht, bei der Systemstabilität, Cloud-Konformität und absolute Release-Fähigkeit stets über der architektonischen Freiheit der eigenen IT-Abteilung stehen.
Seit über vier Jahrzehnten bildet die Programmiersprache Abap das unangefochtene, schlagende Herzstück der globalen SAP-Landschaften, doch die glorreichen Zeiten der grenzenlosen Entwicklerfreiheit sind im Namen des Cloud-Computings unwiderruflich vorbei. Wer die aktuelle ERP-Transformation betrachtet, erkennt einen radikalen Paradigmenwechsel, den Professor Christian Leubner in seinen Analysen zum Thema „Abap für die Cloud“ schonungslos demaskiert.
Nächste Woche findet in Heidelberg der Steampunk und BTP Summit 2026 statt. Die SAP-Community diskutiert die Plattformtrends inklusive alternative Produkte wie Boomi für SAP-Bestandskunden. Ein wesentlicher Teil der zweitägigen Veranstaltung wird neben einem KI-Erlebnisworkshop naturgemäß das Thema Abap sein.
In Heidelberg wird Christian Leubner eine Keynote zum Thema Abap-Cloud halten. Jetzt noch schnell Restkarten sichern und mit Professor Leubner über „All-in on Abap“ diskutieren. Zur Anmeldung geht es hier.






