SAP Deadline: 2027 – strategische Chance oder teures Druckmittel?


Die Support-Deadline zwingt Unternehmen zu einem Schritt, der sich oft eher wie ein aufgezwungener Pflichttermin als eine strategische Entscheidung anfühlt.
Die ECC-Frist 2027 ist derzeit das stärkste Verkaufsargument der SAP – doch eigentlich sollte sie es nicht sein. Bei S/4 Hana geht es nicht primär um Technik, sondern um die Zukunftsfähigkeit des gesamten Unternehmens. Wer jedoch nur aus Angst vor dem Support-Ende handelt, tappt in eine gefährliche Falle: Die Investition lässt sich dann kaum noch durch einen soliden Business Case rechtfertigen. Wir wissen alle, wie diese Geschichte endet: Wenn die Begründung für ein Vorhaben schwach ist, fällt auch das bereitgestellte Budget entsprechend gering aus.
Gleichzeitig fehlt ohne einen klaren strategischen Fokus der notwendige Rückhalt aus der Geschäftsleitung, wodurch die Unterstützung für das Vorhaben zunehmend schwindet. SAP hat das Wartungsende für ECC bereits vier Mal verschoben – von 2017 über 2019 und 2025 bis hin zu 2027 (bzw. 2030 unter bestimmten Bedingungen).
Jedes Mal hieß es, das Datum sei endgültig, und jedes Mal wurde es verschoben, weil der Markt noch nicht bereit war. Man muss es klar aussprechen: Der 31. Dezember 2027 ist kein technisches Ereignis, sondern ein kommerzielles Instrument, das die SAP-Vertriebsorganisation meisterhaft nutzt.
Die Kosten der Verlängerung
Nach 2027 bietet SAP zwar eine erweiterte Wartung bis 2030 an, allerdings nur unter klar definierten und restriktiven Bedingungen. So wird auf die bestehenden Wartungsgebühren ein zusätzlicher Aufschlag von 2 Prozent erhoben, was von SAP effektiv als Mehrkosten von rund 9 Prozent dargestellt wird. Gleichzeitig ist die Qualifizierung für diese verlängerte Wartung daran geknüpft, dass Unternehmen spätestens bis 2027 Lizenzen für S/4 erwerben. Wer diese Verpflichtung nicht eingeht, fällt automatisch in die sogenannte „kundenspezifische Wartung“ – einen Bereich ohne veröffentlichte Preislisten und damit mit schwer kalkulierbaren finanziellen Risiken.
Die Falle der Panik-Verhandlung
Unternehmen, die erst 90 Tage vor Ablauf der Frist aktiv werden, verlieren ihre gesamte Verhandlungsmacht. Sie akzeptieren oft das erstbeste Rise-Angebot, nur um den Support nicht zu verlieren. Das Ergebnis sind Knebelverträge mit weitreichenden und oftmals fatalen Folgen. Unternehmen akzeptieren dabei FUE-basierte Abonnements häufig ohne belastbaren Preisvergleich sowie ohne eine fundierte Analyse und Optimierung der tatsächlich benötigten Berechtigungen. Gleichzeitig entsteht eine erhebliche Wertevernichtung, da unbefristete Lizenzen aufgegeben werden, in die bereits Millionen investiert wurden. Hinzu kommen vertragliche Risiken, etwa fehlende Preisobergrenzen bei Vertragsverlängerungen oder verfallende BTP-, BDC- und AI-Capacity-Units beziehungsweise Credits nach dem Prinzip „Use it or Lose it“. Eine spürbare Reduzierung der FUE-Kosten ist darüber hinaus mittelfristig nicht in Sicht. Die Deadline 2027 verursacht nicht direkt Mehrausgaben, aber sie verkürzt das Verhandlungsfenster so massiv, dass finanzielle Verluste fast unvermeidlich werden.

Verfallende Capacity Credits
Im Rahmen des Cloud Platform Enterprise Agreement (CPEA) verpflichtet sich der Kunde jährlich zur Abnahme von Cloud Credits. Dieses Guthaben kann man vielfältig nutzen, sei es für Analytik, Prozessautomatisierung, KI oder kundenspezifische Entwicklungen (außerhalb des Standards, pfui!). Am Ende jedes Jahreszeitraums wird der Saldo auf null zurückgesetzt. Ungenutzte Guthaben verfallen. Sie können sie nicht übertragen. Der Zähler beginnt wieder bei null.
Lukratives Geschäftsmodell
Die meisten Unternehmen verbrauchen nur 40 bis 60 Prozent ihrer zugewiesenen Credits und die Zuteilung für das nächste Jahr beginnt auf demselben zugesagten Niveau, unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch. Die Herausforderung besteht darin, dass die meisten Unternehmen ihre BTP- oder KI-Verpflichtung nicht auf ihre eigenen Verbrauchsdaten beziehen können, weil es diese Dienste noch nicht gibt. Sie verpflichten sich zu einem Guthabenpool, bevor Sie die Anwendungen entwickeln und/oder nutzen. Die Preisarchitektur bestraft Über- und Unterlizenzierung. Der Verbrauch im ersten Jahr ist gering, da die Projekte noch im Aufbau sind. Im zweiten Jahr steigt der Verbrauch zwar an, bleibt aber häufig unter dem zugesagten Niveau. Im dritten Jahr hat sich das Muster etabliert, und das Unternehmen ist an einen Creditpool gebunden, der nie abgerufen werden wird.
Das gegenteilige Szenario ist ebenso kostspielig. Wenn der Verbrauch den vertraglich vereinbarten Pool überschreitet, berechnet SAP Überziehungsgebühren, die deutlich höher sind als der Preis in der ursprünglichen Vereinbarung. Eine zu niedrige Verpflichtung löst teure Nachkaufvorgänge zu Preisen aus, die Sie nicht ausgehandelt haben.
Capex wird zu Opex
Eine Migration ist teuer – die Kosten variieren je nach Komplexität zwischen zwei Millionen und über einer Milliarde US-Dollar. Gartner prognostiziert Zeiträume von drei bis sieben Jahren. Zusätzlich zur Implementierung belastet die Lizenzumstellung das Budget: Der Wechsel von ECC-Lizenzen zu Rise wandelt Anlagevermögen (Capex) in Betriebskosten (Opex) um. Zwar lockt SAP mit zeitlich begrenzten Migrationsgutschriften, doch diese verfallen häufig bereits bei der ersten Vertragsverlängerung.
Das typische Muster: Im ersten Jahr scheinen die Rise-Kosten noch paritätisch mit den alten Wartungskosten zu sein. Bis zum fünften Jahr übersteigen sie die alten Gesamtkosten (TCO) durch Eskalationsfaktoren und Zusatzmodule bei Weitem – während die Verhandlungsmacht und die alten Lizenzen längst verloren sind. Die Migrationsgutschrift ist weg. Die unbefristete Lizenz ist weg. Die Verhandlungsmacht ist weg. Als SAP 2021 Rise einführte, setzte das Unternehmen Full User Equivalents als primäre Lizenzierungsmetrik für Cloud-Abonnements ein. Anstatt eine feste Anzahl an Lizenzen für jeden Benutzertyp zu kaufen, abonnieren Sie einen Pool an FUEs.
FUE: Die Metrik für SAP Rise
Die Gewichtung ist genau festgelegt. SAP positioniert FUE als Flexibilität. Sie sind nicht an starre Zählungen für jeden Benutzertyp gebunden. Sie können innerhalb des Pools umverteilen, wenn sich Ihre Anforderungen ändern. Wenn zehn Core-Benutzer Advanced-Zugriff benötigen, verschieben Sie Kapazitäten, ohne neue Lizenzen zu kaufen. Das Risiko liegt in der Abstraktion.
Full User Equivalents wandeln eine konkrete Mitarbeiterzahl in eine gewichtete Zahl um, die die tatsächlichen Kosten pro Benutzer verschleiert. Wenn Ihr Rise-Vertrag 500 FUEs zu 2000 Euro pro FUE abdeckt, entspricht das einer Million Euro pro Jahr. Aber 500 FUEs könnten 500 Advanced-Benutzer, 2500 Core-Benutzer oder 15.000 Self-Service-Benutzer bedeuten. Die Kosten pro Person liegen je nach Zusammensetzung zwischen 2000 Euro und 66,66 Euro.
Die Frist 2027 wird kommen und gehen. Doch die Verträge, die Sie heute unter Druck unterschreiben, werden Sie mindestens fünf Jahre begleiten. Die entscheidende Frage für Ihren Business Case lautet daher: „Welche Zukunft wird unerreichbar, wenn wir heute nicht strategisch investieren?“
(Quelle: DLC)
Strategie – Empfehlung 2026: Souveränität zurückgewinnen
So sichern Sie sich eine starke Position:
Frühstart: Beginnen Sie jetzt mit den Verhandlungen. Das Zeitfenster für 2027 ist bereits zur Hälfte geschlossen. Jede Verzögerung verringert Ihre Verhandlungsmacht.
Unterstützung suchen: Das ganze Thema SAP ist zu komplex, als dass es nebenbei gehandelt werden kann. Eine SAM-Lösung für SAP trägt dazu bei, Transparenz zu gewinnen.
Szenarien vergleichen: Modellieren Sie unabhängig voneinander Optionen wie Rise, S/4 auf Hyperscalern, eine Wartungsverlängerung bis 2030 oder sogar Third-Party-Support. Jedes Modell hat ein eigenes TCO- und Risikoprofil.
Berechtigungen optimieren: Zahlen Sie nur für genutzte Berechtigungen, konsequent nach dem Prinzip der minimalen Berechtigung. Das SAP-Tool Star klassifiziert Benutzer anhand von Rollenberechtigungen und nicht anhand der tatsächlichen Nutzung. Ein Benutzer mit weitreichenden Berechtigungen, der diese jedoch selten nutzt, wird dennoch als „Advanced“ eingestuft.
Übertragungsbestimmungen verhandeln: Nach den Standard-CPEA-Bedingungen von SAP verfallen ungenutzte Credits jeweils am Jahresende. Bei Verträgen mit Großunternehmen ist je eine Übertragung von 10 bis 20 Prozent verhandelbar, etwa in Verbindung mit mehrjährigen Verpflichtungen oder Rise-Verlängerungen. Wenn Sie keine Übertragung aushandeln können, verhandeln Sie das Recht, zusätzliche Credits zum vereinbarten Preis statt zum Überziehungspreis zu kaufen.
Licht aus: Schalten Sie ungenutzte Ressourcen ab. Entwicklungsumgebungen, die nachts und am Wochenende laufen, verbrauchen kontinuierlich Credits. Vergessene Sandbox-Unterkonten und Prototyp-Anwendungen verbrauchen weiterhin Credits in kleinen Mengen, die sich über die Monate summieren.





