Verstehen wir Christian Klein?


Für altgediente Mitarbeiter in der SAP-Community ist das Thema Sprache und Kommunikation ein ständiger Ort der Missverständnisse, Irrtümer und Stolperfallen: Was der eine sagt, muss der andere noch lange nicht auch so verstehen! Bereits unter Ex-SAP-CEO Professor Henning Kagermann entstand die virtuelle Idee eines Sprachlexikons: Wie sollen die Aussagen und Vorgaben von SAP in die Bedürfnisse und Wünsche der SAP-Bestandskunden übersetzt werden? Ein imaginäres Langenscheidt-Taschenwörterbuch könnte eine Lösung sein.
Naturgemäß liegen die SAP-Erfolge mit R/3 und die Regentschaft von Henning Kagermann schon viele Jahrzehnte zurück. Ein Wörterbuch Deutsch – SAP – Deutsch wäre aktuell mehr ein Large Language Model als ein analoges Buch aus Papier. Selbst ein PDF als elektronisches Abbild des „Langenscheidt“ wäre nicht mehr zeitgemäß. Die Notwendigkeit eines Übersetzungswerkzeugs als Mittler und Mediator zwischen SAP und den Bestandskunden ist aktuell jedoch größer als je zuvor. Im Cloud- und KI-Diskurs fehlt mehr denn je eine gemeinsame Sprache.
SAP-Chef Christian Klein will die ERP-Anwender von den Vorzügen und Vorteilen der SAPschen KI überzeugen – mehr noch: sie überreden. Hat er recht oder unrecht? Sind die Aussagen von Christian Klein zutreffend oder verwirrend? Sind sie strategisch oder nur eine Marketingblase? Wir wissen es nicht, denn wir verstehen den SAP-Vorstandssprecher nicht! Seine Aussagen passen nicht zu den bekannten Bildern anderer KI-Anbieter: Ist Christian Klein damit der einsame Rufer in der Wüste, ist er der geniale KI-Prophet oder nur ein verirrtes Lamm aus der Herde der KI-Opfer?
Christian Klein inszeniert künstliche Intelligenz als die ultimative Informatikrevolution, die SAP-Bestandskunden Produktivitätssprünge von bis zu 30 Prozent und massive Kosteneinsparungen bringen soll. Doch investigativ betrachtet gleicht dieser unter dem Motto „All-in on AI“ vorangetriebene Kurs einem panischen Diskurs nach vorn. Getrieben von der tiefgreifenden Angst der Finanzmärkte, dass autonome KI-Agenten von Anbietern wie OpenAI oder Anthropic das klassische ERP-Geschäftsmodell obsolet machen könnten, muss SAP-Chef Christian Klein den Investoren zwingend eine lukrative Wachstumsstory – ein KI-Narrativ in schönem Deutsch – präsentieren, um den eigenen Börsenwert zu retten und den drohenden KI-Crash abzuwehren. Den Bestandskunden verspricht Klein vollmundig eine neue Ära digitaler „Super Worker“ und den Copilot Joule, die komplexe Geschäftsprozesse autonom und wie von Geisterhand steuern sollen. Versteht das irgendjemand?
Wahrscheinlich fehlt ein neues Wörterbuch: Deutsch – SAP – KI – SAP – Deutsch. Die harte Realität in der SAP-Community entlarvt diese Rhetorik und das KI-Narrativ jedoch oftmals als reinen Marketing-Zuckerguss: Viele der hochgelobten KI-Funktionen sind laut Anwenderberichten unausgereift, fehleranfällig und lösen keine substanziellen Probleme im unternehmerischen Tagesgeschäft.





