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Die neue Rolle des SAP Competence Center

SAP-Kunden stehen unter doppeltem Druck: Sie müssen bestehende Systeme stabil betreiben und die Transformation in Richtung Cloud und neue Betriebsmodelle bewältigen. Für DSAG-Österreich-Vorstand Walter Schinnerer ist klar: Die eigentliche Herausforderung liegt in der Organisation.
Peter M. Färbinger, E3-Magazin
15. Mai 2026
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Peter M. Färbinger, E3: Herr Schinnerer, was hat sich aus Ihrer Sicht als CC-Leiter in den vergangenen Jahren verändert?

Walter Schinnerer, DSAG: Die Komplexität steigt durch Innovationen und regulatorische Anforderungen wie CCS deutlich. Gleichzeitig fragen sich viele Unternehmen, wie schnell sie Veränderungen umsetzen sollten. Ich denke, man muss realistisch bleiben: Neue Technologien werden sich durchsetzen, aber das braucht Zeit – nicht jeder muss Vorreiter sein. Klassische SAP-Lösungen wie R/3 sind über Jahre gemeinsam mit Kunden gereift und wurden durch Feedback kontinuierlich verbessert. Heute wird vieles schneller entwickelt und ausgerollt, mit weniger enger Abstimmung. Gerade im Cloud-Umfeld zeigt sich, dass die Realität komplexer ist als die Vision: Trotz jahrelanger Verfügbarkeit ist die Marktdurchdringung der Public Cloud in vielen Bereichen noch vergleichsweise gering.

Färbinger: Was bedeutet der Wandel vom Eigenbetrieb zur Cloud für Unternehmen? 

Schinnerer: Früher war die IT oft stark dezentral organisiert. Praktisch jedes Unternehmen betrieb seine Systeme selbst – das sprichwörtliche „Rechenzentrum im Keller“. Das bedeutete eigene Hardware, eigenen Betrieb und entsprechend hohen Aufwand. Zwar gab es auch externe Rechenzentren und Dienstleister, doch der Großteil setzte auf Eigenbetrieb. Diese Ausgangssituation zeigt, woher wir kommen: aus einer Welt, in der Kontrolle und Unabhängigkeit im Vordergrund standen. Genau deshalb ist der Schritt in Richtung Cloud für viele Unternehmen heute so groß – er bedeutet nicht nur einen technologischen, sondern auch einen kulturellen Wandel. 

Färbinger: Wie verändert die stärkere Fokussierung auf Enterprise Architecture die Zusammenarbeit mit SAP? 

Schinnerer: Vor einigen Jahren hat SAP das Competence-Center-Programm erweitert und eine fünfte Kernaufgabe eingeführt: Strategie und Governance. Zertifizierte Competence Center müssen heute eine SAP-Strategie definieren, dokumentieren und mit der Unternehmens- sowie IT-Strategie abstimmen. Früher war das weniger formalisiert. Zwar verfügten viele Unternehmen über IT-Strategien, doch die Bedeutung von SAP hing stark vom Einsatz ab – etwa geringer in der Finanzbuchhaltung, deutlich höher in produktionsnahen Bereichen. Parallel dazu rückt das Thema Enterprise Architecture stärker in den Fokus, insbesondere im Kontext von Programmen wie Rise. In modernen Service- und Supportmodellen ist Architekturberatung häufig bereits integriert und unterstützt Unternehmen dabei, ihre SAP-Landschaft strategisch weiterzuentwickeln.

„Ich glaube nicht, dass man mit Cloud-Lösungen
viele Personen einspart.
Man setzt sie halt nur
teilweise anders ein.”

Walter Schinnerer,
Fachvorstand Österreich,
DSAG

Färbinger: Der Architekt kommt von SAP?

Schinnerer: Der Architekt kommt direkt von SAP und ist Teil des Servicepakets. Er sorgt auch dafür, dass strategische Themen im Unternehmen nach und nach sauber dokumentiert werden. Das ist eine Rückbesinnung auf frühere Prinzipien, bei denen SAP stärker geprüft hat, ob Kunden die Kernaufgaben tatsächlich erfüllen. Früher gab es persönliche Reviews – wie kleine Audits –, bei denen sich Kunden aktiv verantworten mussten. Heute läuft vieles standardisiert ab: über Tools, Excel-basierte Abfragen und Uploads ins Serviceportal. Die Rückmeldung erfolgt oft automatisiert. Das führt bei vielen Kunden zum Eindruck, dass Inhalte weniger tief geprüft werden. Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, hier wieder stärker auf echte inhaltliche Überprüfung und persönlichen Austausch zu setzen, um Qualität und Mehrwert sicherzustellen.

Färbinger: Was braucht es, damit SAP-Kunden in diesen Modellen wirklich besser unterstützt werden?

Schinnerer: Es braucht vor allem mehr persönliche Betreuung und echte Ressourcen. Neben Rollen wie dem Enterprise-Architekten gibt es bereits Funktionen wie den Technical Quality Manager, der als zentraler Ansprechpartner bei kritischen Themen unterstützt. Solche Rollen sind wertvoll, weil sie Nähe schaffen und ein echtes Verständnis für den Kunden entwickeln. Entscheidend ist, dass nicht nur Prozesse und Tools im Vordergrund stehen, sondern Menschen, die Verantwortung übernehmen. SAP sollte hier stärker investieren – in Manpower und persönliche Betreuung. Denn es macht einen großen Unterschied, ob ein echter Ansprechpartner regelmäßig den Dialog sucht oder ob alles über automatisierte Systeme läuft. Qualität entsteht durch persönliche Interaktion, nicht durch reine Automatisierung.

Färbinger: Wie hat sich die Rolle des CC-Leiters verändert?

Schinnerer: Die Rolle hat sich deutlich weiterentwickelt – weg vom reinen Verwalter hin zum aktiven Gestalter. Früher lag der Fokus stärker auf Betrieb und Organisation der bestehenden SAP-Landschaft. Heute geht es viel mehr darum, die Richtung vorzugeben und die Entwicklung aktiv mitzugestalten. Mit der zusätzlichen strategischen Komponente, die SAP eingeführt hat, ist diese Veränderung jetzt auch offiziell verankert. Das heißt: Was viele vielleicht ohnehin schon gemacht haben, wird nun klar eingefordert. Als Leiter eines Competence Center reicht es nicht mehr, nur zu koordinieren – man muss sich aktiv mit Strategie, Architektur und Weiterentwicklung auseinandersetzen.

Färbinger: Welche organisatorischen und finanziellen Auswirkungen hat die stärkere strategische Rolle des CC in Unternehmen?

Schinnerer: Die Zertifizierung ist zwar kostenfrei, hat aber klare finanzielle und organisatorische Folgen. Mit der stärkeren strategischen Rolle des Competence Center steigen auch die Investitionsentscheidungen – und damit die Abstimmung mit dem Finanzbereich. Gleichzeitig unterscheiden sich die Organisationsformen stark: vom Einzelverantwortlichen bis hin zur eigenen Abteilung. Entscheidend ist, dass Strukturen, Rollen und Verantwortlichkeiten klar definiert und dokumentiert sind – idealerweise in skalierbaren Modellen wie einer Matrixorganisation. Hinzu kommt wachsender regulatorischer Druck durch Audits oder Zertifizierungen. Wichtig ist, dass diese Themen nicht nur punktuell, etwa alle zwei Jahre, betrachtet werden, sondern kontinuierlich. Gerade in der Cloud gewinnt zudem das Kostenmanagement an Bedeutung, da Transparenz und Steuerung komplexer werden und mehr Eigenverantwortung erfordern.

Färbinger: Wie hat sich die Transparenz in den vergangenen Jahren entwickelt? 

Schinnerer: In den vergangenen Jahren hat sich die Transparenz deutlich verbessert. Früher war vor allem der Cloud-Bereich gut einsehbar, während On-premises-Verträge und Systemdaten weniger transparent waren. Heute sind sowohl Vertrags- als auch technische Informationen deutlich besser zugänglich. 

Färbinger: Wird das Potenzial der SAP-Portale und Daten nicht vollständig genutzt?

Schinnerer: as Problem ist weniger die Verfügbarkeit als die Nutzung: Viele Unternehmen schöpfen das Potenzial der Portale nicht aus, obwohl die Daten wertvoll für Monitoring, Optimierung und strategische Entscheidungen sind. Besonders in Konzernen zeigt sich das: Die Lizenzverantwortung liegt häufig zentral, etwa im Einkauf, während die operativen Einheiten – wie Competence Center oder Betrieb – die Daten nicht aktiv nutzen. Früher wurden Reports wie EarlyWatch gezielt eingesetzt, heute sind die Informationen zwar weiterhin verfügbar, aber in Portalen gebündelt. Der entscheidende Unterschied ist: Man muss sich aktiv damit beschäftigen. Genau hier liegt die Aufgabe des Competence-Center-Leiters – dieses Wissen aufzubauen, zu verankern und für eine kontinuierliche Nutzung zu sorgen.

Färbinger: Führt der Umstieg in die SAP Cloud wirklich zu weniger Personalbedarf?

Schinnerer: Die Erwartung, dass durch die Cloud automatisch Personal eingespart wird, greift zu kurz. Zwar entfallen einige operative Aufgaben, etwa im Infrastruktur- oder Basisbetrieb, doch die Arbeit verschiebt sich. Strategische Themen wie Architektur, Governance und Integration gewinnen an Bedeutung. Es geht daher weniger um Personalabbau als um neue Qualifikationen und eine gezielte Umverteilung der Ressourcen. Mitarbeitende können – entsprechend weiterentwickelt – verstärkt strategische Rollen übernehmen.

Färbinger: Welche zentralen Aufgaben bleiben auch in der Cloud-Welt bestehen?

Schinnerer: Auch in der Cloud bleiben die Kernaufgaben des Competence Center bestehen – sie verändern sich nur. Themen wie Verträge, Einkauf und Kostenmanagement werden wichtiger, da Subscription-Modelle aktiv gesteuert werden müssen. Ebenso bleibt die Einflussnahme auf Weiterentwicklungen entscheidend. Beim Betrieb verschiebt sich der Fokus, Verantwortung und Monitoring bleiben jedoch beim Unternehmen. Zudem fungiert das Competence Center als Informationsdrehscheibe. Die Aufgaben werden nicht weniger, sondern vielfältiger.

Färbinger: Welche Bedeutung hat die „Dolmetscherfunktion“?

Schinnerer: Die Dolmetscherfunktion des Competence Center ist zentral und wird oft unterschätzt. Sie fungiert als Schnittstelle zwischen SAP und dem Unternehmen, nimmt neue Entwicklungen auf und übersetzt sie in den eigenen Kontext. Durch Veranstaltungen, Updates und neue Formate entstehen laufend Impulse, die eingeordnet, bewertet und verständlich weitergegeben werden müssen. Diese Aufgabe bleibt unabhängig vom Betriebsmodell – ob On-premises oder Cloud. In der Praxis zeigt sich: Die Arbeit wird nicht weniger, sondern verändert sich. Der Fokus liegt weniger auf Technik, sondern stärker auf Verständnis, Kommunikation und Einordnung. Das  Competence Center ist keine Nebenbaustelle. Wer SAP transformiert, muss auch seine Organisation transformieren. Es reicht nicht, Systeme zu migrieren. Man braucht klare Rollen, dokumentierte Verantwortlichkeiten, strategische Einbettung und Menschen, die vom Start bis zum Betrieb mitgenommen werden.

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Peter M. Färbinger, E3-Magazin

Peter M. Färbinger, Herausgeber und Chefredakteur E3-Magazin DE, US, ES und FR (e3mag.com), B4Bmedia.net AG, Freilassing (DE), E-Mail: pmf@b4bmedia.net und Tel. +49(0)8654/77130-21


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Die Arbeit an der SAP-Basis ist entscheidend für die erfolgreiche S/4-Conversion. 

Damit bekommt das sogenannte Competence Center bei den SAP-Bestandskunden strategische Bedeutung. Unhabhängig vom Betriebsmodell eines S/4 Hana sind Themen wie Automatisierung, Monitoring, Security, Application Lifecycle Management und Datenmanagement die Basis für den operativen S/4-Betrieb.

Zum vierten Mal bereits veranstaltet das E3-Magazin in Salzburg einen Summit für die SAP-Community, um sich über alle Aspekte der S/4-Hana-Basisarbeit umfassend zu informieren.

Veranstaltungsort

FourSide Hotel Salzburg,
Trademark Collection by Wyndham
Am Messezentrum 2, 5020 Salzburg, Österreich
+43-662-4355460

Veranstaltungsdatum

Mittwoch, 10. Juni, und
Donnerstag, 11. Juni 2026

Nur KI-Erlebnisworkshop am 11. Juni 2026 (limitierte Plätze)
Bonus: Zugang zu allen Vorträgen am 11. Juni 2026

Reguläres Ticket

Vorträge, Abendveranstaltung und je Verfügbarkeit der KI-Workshop am 11. Juni 2026
Die Plätze beim KI-Erlebnisworkshop sind limitiert und eine Anmeldung ist erforderlich.

Abonnenten des E3-Magazins Ticket

ermäßigt mit Promocode CCAbo26

Studierende*

ermäßigt mit Promocode CCStud26.
Studiennachweis bitte per Mail an office@b4bmedia.net senden.
*Die ersten 10 Tickets sind für Studierende kostenfrei. Versuchen Sie Ihr Glück! 🍀
EUR 305 exkl. USt.
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Veranstaltungsort

Hotel Hilton Heidelberg
Kurfürstenanlage 1
D-69115 Heidelberg

Veranstaltungsdatum

Mittwoch, 22. April und
Donnerstag, 23. April 2026

Tickets

Nur KI-Erlebnisworkshop am 23. April 2026 
Bonus: Zugang zu allen Vorträgen am 23. April 2026
Reguläres Ticket
22. April 2026: Vorträge und Abendveranstaltung
23. April 2026: Vorträge und KI-Workshop
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EUR 590 exkl. USt
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Veranstalter ist das E3-Magazin des Verlags B4Bmedia.net AG. Die Vorträge werden von einer Ausstellung ausgewählter SAP-Partner begleitet. Der Ticketpreis beinhaltet den Besuch aller Vorträge des Steampunk und BTP Summit 2026, den Besuch des Ausstellungsbereichs, die Teilnahme an der Abendveranstaltung sowie die Verpflegung während des offiziellen Programms. Das Vortragsprogramm und die Liste der Aussteller und Sponsoren (SAP-Partner) wird zeitnah auf dieser Website veröffentlicht.