Interview: Technik, Marketing und Organisation


E3: Betrachtet man die DSAG-Investitionsumfrage, war der Auftritt zum Thema KI ein wenig mysteriös, weil man aus der Umfrage herauslesen kann, dass nur drei Prozent der Mitglieder SAP-Software für KI verwenden. Das heißt, die Musik spielt woanders.
Stefan Nogly, DSAG: Weiß ich nicht. Ich würde unterscheiden, ob wir vom Einsatz künstlicher Intelligenz in unseren ERP-Systemen im produktiven Umfeld sprechen oder ob wir davon sprechen, dass wir KI innerhalb der IT im Betrieb und in der Entwicklung betrachten. Wir müssen lernen, mit KI umzugehen. Und ich würde mir nur dann Sorgen machen, wenn wir von irgendwelchen Lösungen sprechen würden, die überall im Einsatz sind im produktiven Umfeld. Und wir zugeben müssen, dass es eine Blackbox ist und wir nicht wissen, wo die Entscheidungen herkommen. Dann würde ich mir Sorgen machen.
E3: Es gilt, die Hausaufgaben zu machen?
Nogly: Am Ende sind wir dafür da, realistisch einzuordnen und zu erklären, dass die Technologie gewisse Möglichkeiten hat. Das ist meine Rolle im Unternehmen, aber auch meine Rolle hier in der DSAG. Ja, ich freue mich über den Vorstoß und das Angebot der SAP. In dieser Migrationsaufgabe darf die Schere nicht auseinandergehen.

“Ich halte die Sorgfalt oder die Art, wie SAP die ERP-Systeme konzipiert und jetzt KI einbaut, schon für richtig.”
Stefan Nogly,
Technologievorstand,
DSAG
E3: Für den Außenstehenden ergibt sich ein heterogenes und verwirrendes KI-Bild. Mich würde interessieren, wie die Einschätzung der DSAG zum Thema KI ist.
Nogly: Ich verstehe es so, dass man KI differenzieren muss. Wir haben viel über Software-entwicklung gesprochen, Code generieren, auch über eine Code Migration. Wenn ich aber in das Backoffice der IT schaue, dann reden wir auch über Application-to-Application-Schnittstellen. Es gibt Unternehmen, die haben hunderte, vielleicht tausende Schnittstellen. Auch die müssen manuell migriert werden oder es gibt Tools dazu. Dann kommen wir zu Themen, bei denen es um Rollen und Berechtigungen geht. Machen wir das vielleicht lieber per Hand? Ist das nicht vielleicht ein Werk, ein Handwerk, bei dem wir sicher sein wollen, dass das ein sehr loyaler Mitarbeiter umsetzt?
E3: Automatisierung mit KI ist eine Sache, das Vertrauen in das System eine andere, oder?
Nogly: So eine Migration und Veränderung machen viel Arbeit. Wollen wir das einem Tool geben? Und dann haben wir noch das Thema Daten. Es gibt Daten, die unspektakulärer sind, die man sicherlich auf eine Art migrieren kann. Und es gibt auch Daten, die gar nicht so unspektakulär sind. Aber den Migrationsaufwand mit einer Zahl zu benennen – was man einsparen kann, wenn man einen wirklich herausfordernden Migrationsweg geht – kann ich nicht unterstreichen, so einfach ist die Welt nicht.
E3: Grundsätzlich ist die DSAG zufrieden mit dem Kurs der SAP?
Nogly: Ja, wir sind hingegangen und haben gesagt: Lasst uns die DSAG-Gremienarbeit forcieren. Lasst uns Meinungen aus verschiedenen Perspektiven betrachten und damit ein Meinungsbild generieren. Und das haben wir auch im Kontext KI gemacht. Die grundsätzliche strategische Ausrichtung ist gut, die kann man mitgehen. Wenn SAP uns sagen würde: machen wir einfach, ist alles schon da, ich würde nicht daran glauben. Wir wollen mit den Mitgliedern gemeinsam definieren, was in den SAP-Datenprodukten drinnen ist. Und auf diesen festgelegten Datensätzen können wir dann KI-Modelle erstellen. Ich denke, Daten sind für ein KI-System quasi das Betriebssystem eines Unternehmens. Ich halte die Sorgfalt oder die Art, wie SAP die ERP-Systeme konzipiert und jetzt KI einbaut, schon für richtig.
E3: Noch mal zurück zur Investitionsumfrage der DSAG. Die Zahlen, was Cloud oder Public Cloud betrifft, sind nicht so berauschend, oder?
Nogly: Es wäre fatal zu denken, die Cloud wäre abgeschrieben. Und das hat nicht mal etwas mit der SAP zu tun, auch andere Unternehmen, die Unternehmenssoftware anbieten, gehen in die gleiche Richtung.
E3: Auch wenn die SAP-Community in Richtung Cloud geht, die Trennlinie zwischen On-prem und Cloud besteht, oder?
Nogly: Es ist herausfordernd. Philipp Herzig (SAP-CTO, Anm. d. Red.) ist uns ein Stück weit entgegengekommen. Und der Einsatz der DSAG hat Wirkung gezeigt. Jetzt muss man natürlich differenzieren. Irgendeine Anzahl an Unternehmen wird On-prem bleiben. Das müssen Sie sich natürlich überlegen. Die Strategie und die Aussagen der SAP sind ja klar. Innovationen kommen nur noch in die Cloud. Deswegen fordern wir als DSAG auf, nach Möglichkeit in die Cloud zu gehen.
E3: Ich kann SAP BTP in der Cloud betreiben und kann eine Schnittstelle machen zu meinem On-prem-System.
Nogly: Natürlich, wir versuchen natürlich genau diese Brücke zu schlagen und auch diese unterschiedlichen Arten von Lösungen vernünftig einzuordnen. Was sind mögliche Transformationswege? Und gleichzeitig auch den Dialog mit der SAP aufrechtzuerhalten. Ich denke, das ist unser Job, dieses Abwägen und Überlegen: Wann gehen wir mit welchem Thema los, wo helfen wir mit -White Papers? Es gibt ja nicht nur einen Weg und das muss auch die SAP akzeptieren, klar.
E3: Danke für das Gespräch.




