SAP Chief Quantum Officer


Qubits sollen die nächste ERP-Revolution sein
Das deutschsprachige Handelsblatt berichtete über die SAP-Pläne zum Quantencomputing. Abgesehen von der allgemeinen Euphorie sollte jede ernsthafte Überlegung davon ausgehen, dass sich Quantencomputing zur klassischen Informatik ähnlich verhält wie eine Tiefkühlpizza zu einem 3-Michelin-Sterne-Restaurant.
Aktuell experimentieren die superreichen IT-Konzerne an der Quantenüberlegenheit, was bedeutet, dass es eine winzige Hoffnung gibt, dass Quanten-Algorithmen eines Tages klassischen Abap-Algorithmen überlegen sein könnten. Warum sich SAP die Formel-1 zum Vorbild genommen hat, wo jedes Teil von Grund auf neu entwickelt wird, bleibt auch nach dem Lesen des Handelsblatt-Textes ein Rätsel.
In vielen erfolgreichen Motorsportszenarien beginnt man bei Serienfahrzeugen, die passend modifiziert werden. Warum hat SAP bei Atos oder Fujitsu nicht ein paar Quantencomputing-Simulatoren gekauft und versucht, mit einfachen Sortieralgorithmen (zweites Informatik-Semester) entsprechende Qubit-Erfahrung zu sammeln? SAP-Chef Christian Klein verweigerte in der Vergangenheit den Aufbau eines generischen LLM (Large Language Model) für ERP-End-to-End-Prozesse, also ein betriebswirtschaftliches ERP-LLM. Nun soll es das wesentlich teurere und anspruchsvollere Quantencomputing werden. Das Scheitern ist immanent.
Traveling Salesman Problem
Algorithmen und Datenstrukturen aus der ERP-Welt auf einen Quantencomputer zu transformieren, ist nicht nur eine Herkulesaufgabe, sondern aufgrund der technischen Möglichkeiten vollkommen sinnlos. Im deutschsprachigen Handelsblatt wird wohlwollend über die SAP-Pläne berichtet, was zu verwirrenden Aussagen führt. Es entsteht durch den Text der Eindruck, als wäre es eine Frage der Zeit, bis wann der SAP-Bestandskunde sein Traveling Salesman Problem (TSP) mit Hilfe eines Quanten-ERP lösen kann.
Das Problem des Handlungsreisenden (Traveling Salesman Problem) ist eine klassische NP- Optimierungsaufgabe, bei der es darum geht, den kürzesten Weg für einen Handlungsreisenden zu finden. Hierbei soll der Reisende die Orte genau einmal besuchen und dann zum Ausgangspunkt zurückkommen. Aufgrund seiner rechnerischen Komplexität wird es in der klassischen ERP-Praxis für die Logistik und Fertigung mit Hilfe von Approximationsalgorithmen, heuristischen Methoden oder dynamischer Programmierung annäherungsweise gelöst. NP-Probleme (nichtdeterministisch-polynomielle Zeit) sind
Rechenprobleme, deren Lösungen sich nur sehr schwer finden lassen, aber schnell (in polynomieller Zeit) überprüft werden können.
Alleingang oder Partnerschaften
SAP forscht also seit einigen Jahren im Bereich Quantencomputing, u. a. in Kooperation mit: IBM (IBM Quantum), Google (Quantum AI) und verschiedenen Universitäten. Betont wird, dass das Ziel kein Ersatz klassischer ERP-Systeme ist, sondern die Integration von Quantenalgorithmen als Optimierungsmodule in bestehende SAP-Landschaften. SAP würde weiterhin auf klassischen Servern (Intel-Prozessoren und Linux) laufen – einzelne komplexe Optimierungsprobleme könnten aber an einen Quantenprozessor ausgelagert werden (Cloud-basiert).
ERP-Systeme wie S/4 bedienen Produktionsplanung, Supply-Chain-Optimierung, Bestandsmanagement, Finanz- und Risikomodellierung und Transport- und Routenoptimierung. Viele dieser Herausforderungen gehören zur Klasse der kombinatorischen Optimierungsprobleme – also genau jenen Problemtypen, bei denen Quantenalgorithmen theoretisch Vorteile bringen könnten. Diese Probleme wachsen exponentiell mit der Komplexität. Quantenalgorithmen wie QAOA könnten hier theoretisch schneller gute Lösungen finden.
Das SAP-Quanten-Abap-Framework
Wo SAP einen Mehrwert liefern könnte, wäre in der Entwicklung eines Frameworks für betriebswirtschaftliche Algorithmen auf Quantenbasis. Das Ziel sollte sein, ein Quanten-Abap zu entwickeln. Selbst bei mäßigen Erfolgen einer Quanten-Hardware in den kommenden Jahren wird noch viele Jahre die Entwicklung von Quanten-Algorithmen die weitaus größere Aufgabe bleiben.
Ähnlich wie die SAP-Gründer mit der Programmiersprache Abap eine valide Grundlage für die Entwicklung betriebswirtschaftlicher Standardsoftware geliefert haben, kann ein zukünftiger ERP-Quanten-Erfolg wahrscheinlich nur mit einem passenden Framework für die Erstellung von ERP-Algorithmen für unterschiedliche Quanten-Hardware gelingen. Ob es SAP schaffen wird, im Quantenbereich einen ähnlichen Standard zu setzen wie mit Abap in der klassischen Informatik, bleibt abzuwarten.
Schuster, bleib bei deinen Leisten! Auch wenn die Idee eines Quantencomputers für betriebswirtschaftliche Prozesse verlockend sein mag, sollten die SAP-Verantwortlichen auf dem Boden der Tatsachen bleiben: SAP gelang es nicht, eigenständig und autonom Cloud Computing zu entwickeln (S/4 Hana war ursprünglich als On-prem-System geplant). Das Scheitern mit KI ist überall offensichtlich: Die Zusammenarbeit mit Aleph Alpha war ein Schlag ins Wasser und das ERP-LLM RPT-1 ist mit viel zu wenigen Mitteln ausgestattet, siehe auch Jonas Andrulis und Roland Berger. Aber jetzt will SAP mit Quantencomputing überzeugen – einer Technik, die tausendfach komplexer und teurer ist als Cloud und KI. Das Scheitern ist immanent!
SAP konnte Cloud Computing nicht signifikant weiterentwickeln, scheiterte am Aufbau eines LLM (Large Language Model) für betriebswirtschaftliche End-to-End-Prozesse, bleibt mit Joule weit hinter den Möglichkeiten eines universellen Agentic AI zurück, und will sich nun mit Quantencomputing ein verlorengegangenes Alleinstellungsmerkmal zurückholen.






