Frankenstein-Architektur


Eine zusammengesetzte ERP-Architektur muss nicht zum Nachteil der SAP-Bestandskunden gereichen, denn SAP selbst bietet eine Plattformarchitektur an, mit der sich sehr wohl Cloud- und On-prem-Anwendungen orchestrieren lassen. Es scheint, als ob SAP-Vorstandsmitglied Thomas Saueressig wider besseres Wissen argumentiert hat.
Es erwächst ein Kulturkampf in der SAP-Community: Wenig überraschend bezeichnete SAP-Vorstand Saueressig in einem Computerwoche-Interview eine Kombination aus KI-Agenten, Gateways, Schnittstellen, On-prem-Computing, Frameworks, Plattformen etc. als veraltete Frankenstein-Architektur.
Für SAP erscheint es als Horrorszenario, wenn On-prem mit Cloud-Computing betrieben wird, aber genau diese Orchestrierung gelingt vielen SAP-Bestandskunden äußerst erfolgreich: Die Zusammensetzung aus einer alten SAP Business Suite, ERP/ECC 6.0, mit einer neuen Cloud-Plattform wie SAP BTP, Business Technology Platform, gelingt. Dieses Composable ERP ermöglicht es ECC-Bestandskunden, den GenAI-Hub der BTP zu nutzen und somit auch KI-Agenten für sich arbeiten zu lassen.
SAP selbst bietet für dieses ERP-Szenario passende Tunnel, Schnittstellen und Gateways an. Warum sich also fürchten vor einer „Frankenstein-Architektur“, die letztendlich „nur“ ein Composable ERP ist? Bereits der Kollege von Thomas Saueressig, SAP-Vorstandsmitglied Muhammad Alam, warnte auf einer SAP-Veranstaltung in Las Vegas, USA, vor einem Flickenteppich, der sich beim Einsatz von Applikationen verschiedener IT-Hersteller einstellen könnte. Naturgemäß warnte Vorstand Alam unmissverständlich vor dem zügellosen Einsatz von Salesforce, Workday und ServiceNow.
Eine neue Umgangssprache bei SAP: Frankenstein-Architektur und Flickenteppich! Oder die tiefsitzende Angst vor einem Composable ERP, das die aktuellen Pläne der neuen SAP Business Suite durchkreuzen würde. SAP setzt auf End-to-End-Prozesse, die in der SAP ERP Cloud ablaufen und ohne fremde Hilfe auskommen. Naturgemäß setzt SAP auch auf ein Plattform-Ecosystem mit Business Technology Platform und Business Data Cloud (BDC), aber SAP will in jedem Fall absolute ERP-Kontrollinstanz bleiben.

Erstmals wurde die Karikatur von Robert Platzgummer (1975 bis 2016) in der E3-Ausgabe November 2001 veröffentlicht. Immer schon war es in der IT möglich, verschiedene Programmmodule zu kombinieren, und Open Source ist dafür ein erprobtes Mittel. SAP jedoch will immer die totale Kontrolle: Frankenstein und Composable ERP sind demnach die Feindbilder.





