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Ein neuer SAP-Vorstand

Seit etwa einem Jahr ist der SAP-Aktienkurs auf Sinkflug und ein Ende ist nicht in Sicht. Diese Entwicklung müssen Aufsichtsrat und Vorstand gleichermaßen verantworten. SAP-CEO Christian Klein hat der nahenden Katastrophe monatelang hilflos zugesehen. Was nun?
Peter M. Färbinger, E3-Magazin
5. Februar 2026
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SAP braucht neue Führung und gute Geschichten

SAP-CFO Dominik Asam beklagte sich zu Recht: Sein vorläufiges Zahlenwerk zum Geschäftsjahr 2025 erscheint solide. An manchen Stellen könnte es besser sein, aber aufgrund der weltpolitischen Lage scheint SAP diesmal noch mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein. „So einen heftigen Effekt auf den Aktienkurs hätte ich nicht erwartet“, sagte SAP-Vorstand Dominik Asam in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. In seinen 15 Jahren als Finanzchef – zuvor bei Infineon und Airbus – habe er das nicht erlebt. (Quelle: Handelsblatt)

Ein Aktienkurs wird naturgemäß von vielen sich auch widersprechenden Parametern beeinflusst. Würde jemand die genauen Gründe jeweils kennen, dann wäre diese Person wahrscheinlich der reichste Mensch der Welt. Tatsache ist aber auch, dass SAP neben guten Bilanzzahlen, einer treuen Bestandskundschaft und viel betriebswirtschaftlichem Wissen eben kein Cloud- und KI-Storytelling hat. Die SAP-Vorstände Christian Klein und Thomas Saueressig verkörpern keine empathische Cloud-Vision und KI-Strategie.

Partnerschaften im KI-Bereich mit fast jedem Unternehmen der Tech-Szene sind keine Roadmap und keine Vision. In Davos auf dem World Economic Forum versuchten auch Christian Klein und Thomas Saueressig etwas Vernünftiges zu den Themen KI und Cloud zu sagen, aber die Aussagen waren dünn und oberflächlich: Thomas Saueressig redete über die Notwendigkeit einer souveränen Cloud, was aber schwierig sein könnte.

Christian Klein versuchte sich auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz und meinte gegenüber einem Fachmagazin des Heise-Verlags, dass wahrscheinlich in ein paar Jahren Tastaturen überflüssig sein werden, weil ERP dann mittels Sprachbefehlen gesteuert wird. Im Magazin t3n war zu lesen: Die klassische Tastatur hat sich seit ihrer Erfindung kaum verändert. Dank KI könnte sie aber schon bald eine grundlegende Transformation erleben und durch gesprochene Sprache ersetzt werden, glaubt zumindest SAP-Chef Christian Klein. (Quelle: t3n)

KI versus Börsenstory

Das Handelsblatt schrieb: Dass Aktionäre derzeit so kritisch auf die Softwarebranche blicken, liegt jedoch nicht an künstlicher Intelligenz allein. Die Börsenstory vieler Firmen war ohnehin gekennzeichnet von Widersprüchen. (Quelle: Handelsblatt) Aktionäre, Investoren und Finanzanalysten wollen eben auch eine stringente Geschichte zum Unternehmen. Das Medien- und Informationszeitalter erfordert Transparenz, Entertainment und Storytelling.

SAP versagt bei der Erzählung einer spannenden Geschichte über die ERP-Zukunft. Eine Conversion auf S/4 Hana wird eingefordert, aber das Narrativ fehlt. Es fehlt der Rahmen, in dem sich ERP weiterentwickeln könnte, und hierbei ist KI auch als Bedrohung zu verstehen, wie das Handelsblatt analysierte: Die Aktien von Adobe, Salesforce und SAP haben diese Woche einmal mehr deutlich an Wert verloren, ebenso Atlassian, Hubspot und ServiceNow. An den Märkten habe sich ein „deutlicher Wandel“ vollzogen, urteilt Jim Reid, der bei der Deutschen Bank die makroökonomische Forschung leitet: Anstelle der Euphorie rund um künstliche Intelligenz trete eine „wachsende Besorgnis“ über eine Disruption der bisherigen Geschäftsmodelle. (Quelle: Handelsblatt)

KI versus ERP

SAP hat im Bereich KI viele Partnerschaften mit Unternehmen aus der Tech-Szene geschlossen, aber noch nicht erklärt, ob es dafür auch eine Notwendigkeit gibt: KI kann ERP unterstützen und produktiver machen, aber KI könnte auch ERP ersetzen. KI-Agenten könnten die Aufgaben von vielen ERP-Anwendern übernehmen, wodurch ein SAP-Lizenzmodell radikal gefährdet wäre. Maintenance, Services und Software-Updates könnten obsolet werden, wenn KI-Agenten eigenständig und vorausschauend die Pflege der ERP-Software organisieren. Neue Funktionen und Add-ons könnten zukünftig nicht mehr von SAP und SAP-Partnern bereitgestellt, sondern von KI-Agenten programmiert werden.

KI bietet unendlich viele Möglichkeiten in viele Himmelsrichtungen. Wohin sich SAP bewegen will, das hat SAP-Chef Christian Klein noch nicht verraten. Seine lapidare und sehr allgemeine Aussage, dass KI den ERP-Anwender unterstützen soll und ihm im Alltag helfen muss, ist zu wenig. Das Magazin WirtschaftsWoche schrieb dazu: Unter die Räder gerieten auch Softwareunternehmen. So fielen die Kurse von Microsoft, Oracle, Salesforce, ServiceNow und Adobe um knapp drei bis fast acht Prozent. „Softwareunternehmen galten eigentlich als Gewinner des KI-Booms“, sagte Lars Skovgaard, Stratege bei der Danske Bank. „Aber plötzlich kommt die Sorge auf, ob sich die Investitionen überhaupt wieder einspielen – und ob man nicht von neuen Entwicklungen überholt wird.“ (Quelle: WirtschaftsWoche)

Der SAP-Vorstand ist aus der Zeit gefallen und mit dem falschen Vorstand fällt der SAP-Aktienkurs ins Bodenlose. Warum? SAP-Chef Christian Klein folgt einem alten und traditionellen Rollenbild: ohne Fleiß kein Preis! Aber wir leben in einem Medien- und Kommunikationszeitalter: Hier sind „Storytelling“ und „tue Gutes und rede darüber“ ebenso wichtig. Eine SAP-Exitstrategie: Der fleißige CEO Christian Klein müsste die gesamte SAP-Kommunikation und das Marketing austauschen, weil es von SAP aktuell keine „Story“ gibt.

Fazit: Christian Klein und Luka Mucic

Einst musste Ex-SAP-CFO Luka Mucic den ERP-Konzern de facto über Nacht verlassen, weil Mitgründer und „Über-Vater“ Professor Hasso Plattner mit der Entwicklung des Aktienkurses nicht zufrieden war. Auch in dieser Woche hat Plattner viel Geld verloren: Sein persönlicher Wohlstand ist durch den Kurssturz der SAP-Aktie an der Frankfurter Börse nicht gefährdet. Aber Professor Plattner verfolgt weltweit und besonders in Potsdam (Deutschland) sehr ehrgeizige Projekte, die sich Großteils aus der Dividende und dem Kurs der SAP-Aktie speisen.

Sollte SAP-CEO Christian Klein gemeinsam mit CFO Dominik Asam bis zur SAP-Hauptversammlung im Mai den Aktienkurs nicht deutlich über 200 Euro bringen, dann wird SAP wahrscheinlich zum Jahresende 2026 einen neuen Chef haben. Auch wenn Professor Plattner nicht mehr Mitglied des Aufsichtsrats ist, so bleibt dennoch sein Einfluss auf den ERP-Konzern gewaltig. Viele aktive SAP-Aufsichtsratsmitglieder sind Hasso Plattner persönlich verpflichtet und letztendlich ist der Aufsichtsrat nur der verlängerte Arm der Aktionäre und hier hat Professor Plattner noch immer ein sehr starkes Gewicht. Damit könnten die Tage von Christian Klein gezählt sein.

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Peter M. Färbinger, E3-Magazin

Peter M. Färbinger, Herausgeber und Chefredakteur E3-Magazin DE, US, ES und FR (e3mag.com), B4Bmedia.net AG, Freilassing (DE), E-Mail: pmf@b4bmedia.net und Tel. +49(0)8654/77130-21


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