Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community

AI Scare Trade und SaaSpocalypse

Investoren befürchten, dass die teuren Cloud-Software-Abonnements radikal entwertet werden, da hochentwickelte KI-Agenten die Aufgaben von Büroangestellten weitgehend autonom erledigen und somit die Notwendigkeit für abertausende Einzellizenzen drastisch reduziert wird.
Peter M. Färbinger, E3-Magazin
9. April 2026
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SAP-Aktie minus 50 Prozent seit dem Allzeithoch

Dass viele IT-Experten mit dieser geradezu prophetischen Prognose recht haben, zeigte sich Ende Januar: Da legte SAP seine Bilanz für das Geschäftsjahr 2025 vor – eigentlich mit sehr positiven Zahlen, bis auf das um einen Prozentpunkt verfehlte Jahresziel bei den kurzfristig verbuchbaren Cloud-Erlösen, den sogenannten Current Cloud Backlog: Dieser lag statt bei erwarteten 26 Prozent bei nur 25 Prozent – und löste an der Börse ein mittleres Beben bei der SAP-Aktie aus.

Hat SAP seine beste Zeit hinter sich? KI frisst Software – eine generelle Skepsis an den Börsen weltweit, die aktuell Schwergewichte wie SAP und Microsoft, aber auch kleinere Softwareanbieter mit nach unten reißt. Die Unternehmensberatung BearingPoint wertet die aktuelle Volatilität von Aktien als Echo eines fundamentalen Umbruchs im IT-Markt: Wer von der Anzahl der Lizenzen lebte, steuert in eine Monetarisierungsfalle.

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Es kollabiert das klassische Pro-Kopf-Preismodell: Mein erstes ERP-System war SAP R/3 auf einem IBM-Server RS/6000 mit AIX als Betriebssystem und Oracle als Datenbank. Ich war Neuling in der Szene und staunte nicht schlecht, dass IBM mit Software-Lizenzen gerade so über die Runden kam und SAP mit den R/3-Lizenzen immer reicher wurde! Auf dem IBM-Server RS/6000 gab es genau zwei User-Lizenzen: einen Administrator und SAP R/3 selbst. Jeder SAP-Anwender benötigte naturgemäß eine eigene R/3-Lizenz, aber keine AIX-Betriebssystemlizenz. Es war eine Frage der IT-Systemarchitektur, von der SAP profitierte.

Dieses IT-Szenario wiederholt sich mit KI-Agenten: „AI software is eating the world“, prophezeien Experten. Warum nicht hunderte S/4-Lizenzen durch einen einzigen KI-Assistenten ersetzen, der rund um die Uhr arbeitet und von hunderten ehemaligen SAP-Anwendern betreut, überwacht und gesteuert wird? Ein vollwertiges S/4-System könnte von fünf KI-Assistenten (ERP, SCM, HCM, PLM und CRM) und ihren KI-Agenten (Agentic AI) gesteuert werden.

Wir können nur erahnen, was genau vor sich geht

Die Panikverkäufe bei IT- und KI-Aktien vernichteten zeitweise Milliarden an Marktwert und ließen die Aktie des ERP-Weltmarktführers SAP in einem Jahr um dramatische 50 Prozent einbrechen, was den massiven Vertrauensverlust und die Angst vor einer disruptiven Zäsur durch KI-Pioniere wie Anthropic oder OpenAI schonungslos offenlegte.

Führende Finanzanalysten warnen davor, dass SAP in diesem Szenario zu einem simplen, intelligenzlosen Datenspeicher – einem reinen System of Records – degradiert werden könnte, wenn die eigentliche Wertschöpfung und Prozesslogik in die KI-Agenten der Konkurrenz abwandert und die Margen der Walldorfer implodieren.

Code Red bei SAP

SAP CEO Christian Klein wehrt sich gegen diese existenziellen Untergangsszenarien und argumentiert, dass die Idee, Agenten würden die bisherige Software verdrängen, schlichtweg unlogisch sei. Seine strategische Verteidigungslinie stützt sich auf die fundierte Annahme, dass künstliche Intelligenz nur dann verlässliche, halluzinationsfreie Ergebnisse liefern kann, wenn sie tief in die proprietären Geschäftsdaten und die hochkomplexe Prozesslogik eines Unternehmens eingebunden ist.

Infolgedessen fokussiert sich SAP derzeit intensiv auf das Konzept der Agentic AI und positioniert seinen KI-Assistenten Joule als zentralen Copiloten, der künftig ganze Flotten von spezialisierten KI-Agenten über verschiedene Geschäftsbereiche wie Finanzen, Einkauf oder Personalwesen hinweg orchestrieren soll. SAP geht dabei den Weg, nicht hunderte isolierte Use-Cases zu vermarkten, sondern bündelt diese in rollenbasierten Assistenten, die den Endanwendern konkrete, komplexe Arbeitsabläufe abnehmen.

Exit-Strategie: SAP-RPT-1

Der Walldorfer ERP-Weltmarktführer präsentierte mit SAP-RPT-1 ein eigenes, auf relationale Geschäftsdaten und Tabellen spezialisiertes Basismodell, das verlässliche betriebswirtschaftliche Prognosen abseits der klassischen, oft unberechenbaren Sprachmodelle garantieren soll.

Doch eine kritische Betrachtung der SAP-Community offenbart, dass das laute KI-Marketing von SAP der operativen Realität meilenweit voraus ist und von einem echten Erfolg noch nicht gesprochen werden kann. Laut einer aktuellen Umfrage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) setzen von jenen Unternehmen, die bereits KI-Anwendungsfälle produktiv nutzen, alarmierende 77 Prozent auf Non-SAP-Lösungen von Hyperscalern oder Start-ups, während lediglich desaströse drei Prozent die originären KI-Werkzeuge von SAP verwenden.

Selbst Großkunden wie Volkswagen testen den KI-Copiloten Joule, beklagen aber Insiderberichten zufolge, dass die Lösung noch unausgereift sei und ein greifbarer Einspareffekt in Geld oder Ressourcen schlichtweg fehle. Die SAP-Bestandskunden erwarten von ihrem ERP-Lieferanten definitiv keinen inflationär verteilten, oberflächlichen KI-Zuckerguss, sondern praxistaugliche, sichere und vor allem transparente Lösungen, die das tägliche Datenchaos ordnen und echte betriebswirtschaftliche Mehrwerte schaffen.

Für massiven Unmut sorgt zudem die harte strategische Vorgabe von Christian Klein, wonach essenzielle KI-Innovationen wie Joule oder der Green Ledger ausschließlich jenen Kunden vorbehalten bleiben, die sich über Rise with SAP oder Grow with SAP in teure Cloud-Verträge zwingen lassen. Die treuen On-prem-Kunden fühlen sich dadurch erpresst und von der ERP-Zukunft abgeschnitten, was das Vertrauen in den Weltmarktführer nachhaltig beschädigt hat.

SAP als Getriebener und zögerlicher Nachzügler

Im weltweiten KI-Markt agiert SAP folglich nicht als visionärer Pionier, sondern vielmehr als Getriebener und zögerlicher Nachzügler, der den rasanten Entwicklungen von Nvidia, OpenAI, Microsoft und Google hastig hinterherläuft.

Da SAP nicht über die gigantischen Rechenkapazitäten und die zweistelligen Milliardenbudgets für die Grundlagenforschung an eigenen universellen Large Language Models (LLMs) verfügt, flüchtet sich der Konzern in ein unübersichtliches Netz aus Partnerschaften. Über den Generative AI Hub der Business Technology Platform (SAP BTP) erhalten Kunden Zugang zu den Sprachmodellen der Hyperscaler, während SAP die geschäftskritischen ERP-Daten und den Geschäftskontext beisteuert. Die eigentliche Chance und die ultimative Vision der SAP liegen somit nicht in der Konstruktion generischer KI-Modelle, sondern in der exklusiven Veredelung dieser Technologie durch das einzigartige, über Jahrzehnte erworbene Branchen- und Prozesswissen.

Wenn es Christian Klein gelingt, ein Composable ERP aufzubauen, in dem die Business Data Cloud (SAP BDC) das zersplitterte Datenchaos der Kunden ordnet und fehlerfreie KI-Agenten die komplexe Aufbau- und Ablauforganisation souverän steuern, kann SAP seine Weltmarktführerschaft erfolgreich verteidigen. Laut dem Anwenderverein DSAG läuft SAP BDC unter der Bezeichnung Business Data Complexity.

Scheitert SAP jedoch daran, diesen gigantischen proprietären Datenschatz in einen klaren, unersetzlichen Mehrwert zu übersetzen, droht dem einstigen Software-Giganten in der Ära der agentischen KI unweigerlich der Abstieg zu einem beliebig austauschbaren Infrastruktur-Lieferanten.

SAP-RPT-1, Joule, Abap-1 und Agentic AI

Moltbook hebt das Prinzip von Agentic AI ins offene Internet. Statt einer Handvoll KI-Agenten agieren dort Millionen, ohne klaren Rahmen und ohne zentrale Steuerung. „Moltbook ist das erste Beispiel für eine Agenten-Ökologie, die Größe mit der Unordnung der realen Welt verbindet“, schreibt Jack Clark, Mitgründer des KI-Unternehmens Anthropic, in einem Blogpost. Man könne hier „definitiv die Zukunft sehen“, lautet sein Fazit. (Quelle: handelsblatt.com

Das Zitat „Ich habe die Zukunft gesehen und sie funktioniert“ wird oft dem Journalisten Lincoln Steffens (1866 bis 1936) zugeschrieben und bezieht sich auf die frühe Sowjetunion. Von 1919 bis 1921 besuchte Steffens Sowjetrussland und schrieb begeistert: „I have seen the future and it works“. Mit dem aufkommenden Stalinismus zeigte er sich dann aber zunehmend von der Russischen Revolution enttäuscht. „AI – and it works“ wird nun auch für SAP-Chef Christian Klein zur Überlebensfrage.

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Peter M. Färbinger, E3-Magazin

Peter M. Färbinger, Herausgeber und Chefredakteur E3-Magazin DE, US, ES und FR (e3mag.com), B4Bmedia.net AG, Freilassing (DE), E-Mail: pmf@b4bmedia.net und Tel. +49(0)8654/77130-21


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Die Arbeit an der SAP-Basis ist entscheidend für die erfolgreiche S/4-Conversion. 

Damit bekommt das sogenannte Competence Center bei den SAP-Bestandskunden strategische Bedeutung. Unhabhängig vom Betriebsmodell eines S/4 Hana sind Themen wie Automatisierung, Monitoring, Security, Application Lifecycle Management und Datenmanagement die Basis für den operativen S/4-Betrieb.

Zum vierten Mal bereits veranstaltet das E3-Magazin in Salzburg einen Summit für die SAP-Community, um sich über alle Aspekte der S/4-Hana-Basisarbeit umfassend zu informieren.

Veranstaltungsort

FourSide Hotel Salzburg,
Trademark Collection by Wyndham
Am Messezentrum 2, 5020 Salzburg, Österreich
+43-662-4355460

Veranstaltungsdatum

Mittwoch, 10. Juni, und
Donnerstag, 11. Juni 2026

Nur KI-Erlebnisworkshop am 11. Juni 2026 (limitierte Plätze)
Bonus: Zugang zu allen Vorträgen am 11. Juni 2026

Reguläres Ticket

Vorträge, Abendveranstaltung und je Verfügbarkeit der KI-Workshop am 11. Juni 2026
Die Plätze beim KI-Erlebnisworkshop sind limitiert und eine Anmeldung ist erforderlich.

Abonnenten des E3-Magazins Ticket

ermäßigt mit Promocode CCAbo26

Studierende*

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Studiennachweis bitte per Mail an office@b4bmedia.net senden.
*Die ersten 10 Tickets sind für Studierende kostenfrei. Versuchen Sie Ihr Glück! 🍀
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Veranstaltungsort

Hotel Hilton Heidelberg
Kurfürstenanlage 1
D-69115 Heidelberg

Veranstaltungsdatum

Mittwoch, 22. April und
Donnerstag, 23. April 2026

Tickets

Nur KI-Erlebnisworkshop am 23. April 2026 
Bonus: Zugang zu allen Vorträgen am 23. April 2026
Reguläres Ticket
22. April 2026: Vorträge und Abendveranstaltung
23. April 2026: Vorträge und KI-Workshop
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*Die ersten 10 Tickets sind für Studierende kostenfrei. Versuchen Sie Ihr Glück! 🍀
Veranstalter ist das E3-Magazin des Verlags B4Bmedia.net AG. Die Vorträge werden von einer Ausstellung ausgewählter SAP-Partner begleitet. Der Ticketpreis beinhaltet den Besuch aller Vorträge des Steampunk und BTP Summit 2026, den Besuch des Ausstellungsbereichs, die Teilnahme an der Abendveranstaltung sowie die Verpflegung während des offiziellen Programms. Das Vortragsprogramm und die Liste der Aussteller und Sponsoren (SAP-Partner) wird zeitnah auf dieser Website veröffentlicht.