Von Vertrieb bis Betrieb denken


Viele CX-Projekte scheitern nicht an der Oberfläche, sondern an der Verbindung zur operativen Realität. Unternehmen denken im Frontend, ordnen CX aber nicht in die gesamte SAP- und Prozesslandschaft ein.
Aufträge, Verträge, Preise, Verfügbarkeiten, Lieferstatus, Rechnungen, Reklamationen, Serviceeinsätze, Stammdaten, Berechtigungen oder HR-Prozesse liegen häufig in bestehenden SAP- oder Fachsystemen. Kundendaten sind in mehreren Systemen verteilt. Service-Teams arbeiten mit unvollständigen Informationen. Vertriebsprozesse enden dort, wo ERP-Prozesse beginnen.
Portale bilden einzelne Services ab, sind aber nicht sauber mit SAP S/4 Hana, bestehenden SAP-ECC-Systemen, Fachverfahren oder Folgeprozessen integriert. AI wird diskutiert, aber häufig als Add-on betrachtet – nicht als nativer Bestandteil eines modernen Zielbildes.
Die Konsequenz: Unternehmen investieren in neue Oberflächen, schaffen aber nicht automatisch bessere Prozesse. Sie digitalisieren einzelne Kontaktpunkte, ohne die dahinterliegenden Abläufe, Datenflüsse und Verantwortlichkeiten mitzudenken. Genau hier entscheidet sich, ob Customer Experience echten Business Value erzeugt – oder nur ein weiteres System in einer ohnehin komplexen Landschaft wird. CX gehört deshalb dorthin, wo auch SAP S/4-Hana-Transformation, Prozessmodernisierung, Datenmanagement, Integration, AI und Betriebsmodelle entschieden werden: auf Management- und Architektur-Ebene.
End-to-End, nicht Big Bang
Eine ganzheitliche Customer Experience zu schaffen, wird häufig falsch verstanden. End-to-End bedeutet nicht, dass Unternehmen sofort alle CX-Komponenten vollständig ausrollen oder ein großes Transformationsprogramm starten müssen. Es meint vielmehr, dass der erste Schritt so geplant wird, dass er später anschlussfähig bleibt. Und dass die Prozesse konsequent von Anfang bis Ende gedacht, designt und dann auch umgesetzt werden. Denn der eigentliche Mehrwert liegt im End-to-End über die gesamte Unternehmensarchitektur hinweg.
Klein starten
Genau darin liegt der entscheidende Unterschied. Unternehmen können klein starten – mit einem konkreten Use Case, einem Serviceprozess, einem Sales-Szenario, einer Portal-Komponente, einer AI-gestützten Automatisierung oder einem ersten Daten- und Transparenzbaustein. Wichtig ist, dass dieser Einstieg nicht isoliert bleibt, sondern auf ein tragfähiges Zielbild einzahlt.
Der richtige Ansatz lautet daher: ganzheitlich denken, modular starten und skalierbar ausbauen. Ein kleines CX-Vorhaben kann bereits deutliche Mehrwerte schaffen. In der SAP Sales Cloud kann eine bessere Pipeline-Transparenz entstehen. In der SAP Service Cloud können Serviceprozesse strukturiert, automatisiert und beschleunigt werden. Über SAP Engagement Cloud können gezielte Kampagnen, etwa zur Reaktivierung oder Kundenbindung, aufgebaut werden.
Mit SAP Commerce Cloud ERP Cloud Edition lassen sich digitale Verkaufsprozesse und neue Umsatzpotenziale erschließen. Modulare Portallösungen können Kunden, Partnern oder Mitarbeitenden einen zentralen Zugang bieten und verschiedene Prozesse sichtbar zusammenführen. Der Punkt ist nicht, alles gleichzeitig umzusetzen. Der Punkt ist, den ersten Schritt so zu wählen, dass er geschäftlich wirkt und technisch erweiterbar bleibt.
CX und S/4 gemeinsam planen
Viele Organisationen stehen parallel vor SAP S/4-Hana-Roadmaps, Brownfield-, Greenfield- oder selektiven Transformationsszenarien, der Modernisierung gewachsener ECC-Landschaften, Datenharmonisierung, Prozessstandardisierung und steigenden Anforderungen an digitale Kundenprozesse. Werden diese Themen getrennt betrachtet, entstehen neue Silos. Werden sie gemeinsam geplant, kann Customer Experience zum sichtbaren Business-Mehrwert einer umfassenden SAP-Transformation werden.
SAP liefert mit SAP Customer Experience, SAP S/4 Hana und SAP BTP eine starke Plattformbasis für integrierte Kundenprozesse. SAP CX adressiert zentrale Bereiche wie Vertrieb, Service, Commerce, Customer Engagement, Customer Data und Order Management. SAP S/4HANA und bestehende SAP-ECC-Systeme bilden die operativen Kernprozesse ab. SAP BTP schafft die Grundlage für Integration, Erweiterung, Daten, Automatisierung und AI-nahe Innovationen.
Der eigentliche Nutzen entsteht jedoch nicht durch die reine Auswahl einzelner Lösungen, sondern durch deren wirksame Verbindung. Eine Serviceanfrage darf nicht im Portal stehen bleiben. Ein Vertriebsprozess darf nicht an der ERP-Grenze abbrechen. Eine Kampagne darf nicht ohne relevante Kundendaten laufen. Eine Commerce-Lösung darf nicht losgelöst von Preisfindung, Verfügbarkeit, Logistik und Abrechnung betrachtet werden. Eine 360-Grad-Sicht auf Kundinnen und Kunden entsteht nicht durch ein weiteres System, sondern durch vernetzte Daten, klare Prozesse und eine tragfähige Architektur.
AI ist mehr als nur Zusatz
AI wird im CX-Kontext häufig noch als Zusatzfunktion verstanden: ein Chatbot, ein Textvorschlag, eine automatische Klassifizierung. Das greift zu kurz. Moderne Customer Experience muss AI-native gedacht werden. Prozesse, Datenmodelle, Interaktionen und Workflows müssen von Anfang an so konzipiert werden, dass AI sinnvoll, kontrolliert und mit Business-Kontext eingesetzt werden kann.
Dafür empfiehlt es sich, mit AI-nativen Templates und wiederverwendbaren Lösungsbausteinen zu arbeiten, um typische CX-Szenarien schneller greifbar zu machen. Dazu gehören beispielsweise intelligente Service-Triage, Zusammenfassungen von Kundenhistorien, Next-Best-Action-Unterstützung, automatische Erkennung von Anliegen, Wissensunterstützung für Service Agents oder datenbasierte Hinweise für Vertrieb und Kundenbetreuung.
Entscheidend ist dabei die Balance aus Automatisierung und Vertrauen. AI darf im Kundenprozess nicht zum digitalen Abweisungsmechanismus werden. Sie muss Geschwindigkeit, Kontext und Qualität verbessern und zugleich klare Übergaben an Menschen sicherstellen.
Gerade deshalb ist die Verbindung zur SAP-End-to-End-Kompetenz so wichtig. AI ist nur so gut wie die Prozesse, Daten und Entscheidungen, in die sie eingebettet ist. Eine AI-gestützte Servicepriorisierung braucht relevante Kunden-, Vertrags- und Auftragsdaten. Eine Next-Best-Action im Vertrieb braucht belastbare Informationen zu Pipeline, Historie, offenen Angeboten und Kundenpotenzialen. Eine intelligente Kampagne braucht saubere Kundendaten, Segmentierung und Rückkanäle in Vertrieb und Service.
Einstiegspunkt modulare Portale
Ein besonders greifbarer Einstiegspunkt sind modulare Portallösungen. Sie machen Customer Experience für Kunden, Mitarbeitende und Entscheider sichtbar. Portale können Self-Service ermöglichen, Serviceprozesse strukturieren, Vertriebsprozesse anstoßen, Daten transparent machen und Kundeninteraktionen bündeln. Entscheidend ist jedoch: Ein Portal ist nicht die gesamte CX-Strategie. Es ist der sichtbare Zugang zu einer sauber integrierten Prozess-, Daten- und Systemlandschaft.
Richtig umgesetzt, wird ein Portal zur Brücke zwischen Kundenschnittstelle, SAP CX, SAP S/4 Hana oder SAP ECC, bestehenden Fachverfahren, Integrationsebene und Betrieb.
Es kann klein starten – etwa mit einem klar abgegrenzten Service- oder Anfrageprozess – und später modular erweitert werden: um zusätzliche Self-Services, Commerce-Funktionen, Vertriebsprozesse, Kampagnenlogik, Dokumente, Statusinformationen oder AI-gestützte Interaktionen.
Genau darin liegt der praktische Nutzen: Unternehmen müssen nicht alles auf einmal bauen. Sie können mit einem konkreten, wertstiftenden Einstieg beginnen und diesen Schritt für Schritt zu einer umfassenderen Customer-Experience-Architektur ausbauen.
Von ersten Ideen ins Handeln
Viele Unternehmen wissen, dass sie ihre Customer Experience verbessern müssen, möchten aber nicht mit einem großen Transformationsprogramm starten. Häufig fehlt nicht der Wille zur Veränderung, sondern eine belastbare Einordnung für den Einstieg: Wo stehen wir heute? Und gibt es konkrete Handlungsfelder?
Im Mittelpunkt stehen die aktuellen Herausforderungen, die bestehende Systemlandschaft, erkennbare Prozessbrüche, Business-Ziele und mögliche Use Cases. Darauf aufbauend bietet ein Workshop die Chance, eine strukturierte Grundlage für Priorisierung, Roadmap und Business Value zu schaffen. Die Zusammenarbeit mit einem Partner kann helfen, klein zu starten, CX in ein konsistentes Prozess-, Daten- und Betriebsmodell einzubetten – und dann groß auszubauen.
CX erfolgreich starten und skalieren
- End-to-End statt Insellösungen: CX muss mit Prozessen, Daten und Systemen – insbesondere S/4, ECC und Fachverfahren – zusammengedacht werden.
- Klein starten, groß denken: Mit einem konkreten Use Case beginnen und von Anfang an auf ein skalierbares Zielbild ausrichten.
- Prozesse statt nur Oberflächen: Portale und neue Touchpoints schaffen erst dann Business Value, wenn die dahinterliegenden Prozesse und Datenflüsse integriert sind.
- CX und SAP-Transformation verbinden: Customer Experience gemeinsam mit S/4-Transformation, Prozessmodernisierung, Datenmanagement und Integration planen.
- SAP als Plattform nutzen: SAP Customer Experience, P S/4 und SAP ermöglichen integrierte Kundenprozesse.
- AI-native denken als Bestandteil von Prozessen, Workflows und Entscheidungsunterstützung etablieren.
- Portale können als sichtbare Brücke zwischen Kunden, CX, ERP, Fachsystemen und Services dienen und schrittweise erweitert werden.
Zum Partnereintrag:



