Kubernetes allein macht noch keine Integrationsplattform


Auf den ersten Blick erscheint der Ansatz einfach. Die Integrationslogik wird in Containern betrieben und auf einer Kubernetes-Plattform ausgeführt. In der Praxis zeigt sich schnell, dass Kubernetes nur das Fundament bildet. Der eigentliche Aufwand entsteht durch die Anforderungen, die rund um den produktiven Betrieb einer solchen Umgebung erfüllt werden müssen.
Hier treffen viele SAP-Kunden auf ein ihnen bislang unbekanntes Themenfeld. Die Integrationsteams verfügen oft über langjährige Erfahrung mit klassischen SAP-Technologien, Middleware und Prozessintegration. Kenntnisse über Kubernetes, Container-Betrieb, Service Mesh, Automatisierung oder Cloud-native Security sind dagegen oft nur begrenzt vorhanden. Die Einführung der Edge Integration Cell wird dadurch gleichzeitig zu einem Infrastrukturprojekt und einem Qualifizierungsprojekt.
Oft unterschätzt: Sizing
Zu den oft unterschätzten Themen gehört das richtige Sizing der Plattform. Zwar lassen sich Kubernetes-Umgebungen grundsätzlich flexibel skalieren, doch die Realität großer Unternehmensumgebungen sieht oft anders aus. Zusätzliche Ressourcen müssen beschafft, freigegeben und in bestehende Betriebsprozesse integriert werden. Fehler im Sizing und bei der Dimensionierung können deshalb erhebliche Auswirkungen auf Zeitpläne und Kosten haben.
Ebenso wichtig ist die Wahl einer Plattform, die den Betrieb weitgehend automatisiert. Identitätsmanagement, Netzwerkfunktionen, Monitoring, Logging, Sicherheitsmechanismen, Container-Registries oder Lifecycle-Management müssen zuverlässig zusammenspielen. Wer diese Bausteine einzeln integriert und betreibt, erhöht Komplexität und Betriebsaufwand. Aufmerksamkeit verdienen außerdem die sogenannten Day-2-Operations. Themen wie Backup und Restore, Disaster Recovery, Plattform-Upgrades oder die Verwaltung von Kubernetes-Versionen werden in vielen Projekten zunächst nachrangig behandelt. Unternehmen sollten keinesfalls erst nach der Inbetriebnahme über Wiederanlauf- und Wiederherstellungsszenarien nachdenken.
Neben der Konsolidierung von Workloads gewinnt die Fähigkeit, unterschiedliche Anwendungen auf einer gemeinsamen Infrastruktur zu betreiben, an Bedeutung. Red Hat OpenShift dient dabei als universelle Applikationsplattform. Im Zuge der S/4-Transformation und Clean Core lassen sich Side-by-Side-Erweiterungen als containerisierte Anwendungen entwickeln und über Standard-OData-APIs sicher mit S/4 verbinden. Automatisierung, Developer Console und Serverless verkürzen die Entwicklungszeiten. Multi-Tenancy und hybride Betriebsmodelle schaffen die Grundlage für resiliente und souveräne IT-Plattformen.
Security first
Parallel dazu steigen die Anforderungen an die Sicherheit. Integrationsplattformen bilden heute häufig den zentralen Kommunikationsknoten zwischen SAP-Systemen, Cloud-Diensten und Drittanwendungen. Selbst die Anbindung an eine On-Prem-KI-Lösung wie Red Hat Openshift AI ist mittlerweile mithilfe von SAP EIC möglich. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Isolierung, Zugriffskontrolle, Laufzeitüberwachung und die Erkennung verdächtiger Aktivitäten. Moderne Sicherheitsmechanismen müssen deshalb von Anfang an Bestandteil der Architektur sein. Die Edge Integration Cell ist dabei nur ein Vorbote einer größeren Entwicklung.
SAP setzt zunehmend auf Container-Technologien und Kubernetes-basierte Betriebsmodelle. Gleichzeitig modernisieren viele Unternehmen ihre Anwendungen nach Cloud-nativen Prinzipien und entwickeln neue Funktionen außerhalb des ERP-Kerns. Dadurch entstehen Plattformen, auf denen Application Modernization, Integration und künftig auch KI-Workloads zusammenlaufen. Die Einführung der Edge Integration Cell sollte deshalb nicht allein als Nachfolgeprojekt für PI oder PO verstanden werden. Sie markiert vielmehr den Einstieg in eine neue Generation von SAP-Infrastrukturen.
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