Interview: Cyberangriffe treffen das Kerngeschäft


E3-Magazin: In Ihrer neuen Rolle beschäftigen Sie sich täglich mit Cyberangriffen, geopolitischen Risiken und neuer Regulierung. Wie stark ist Cybersecurity heute ein wirtschaftlicher Faktor für Unternehmen?
Josko Jeraj, Manage Now: Cybersecurity ist längst mehr als IT-Thema – sie ist ein zentraler Aspekt des Geschäftsrisikos. Angriffe sind organisiert, international vernetzt und zunehmend automatisiert. Gleichzeitig wachsen durch Cloud-Architekturen, mobiles Arbeiten und miteinander verknüpfte Produktionssysteme die digitalen Angriffsflächen. Eine erfolgreiche Attacke kann IT-Systeme lahmlegen, Lieferketten unterbrechen und erhebliche Reputationsschäden verursachen. Für viele Firmen stehen dabei unmittelbare wirtschaftliche Folgen im Raum, beispielsweise Produktionsausfälle oder Vertrauensverlust bei Kunden und Partnern. Gleichzeitig verschärfen sich gesetzliche Vorgaben – Sicherheit wird dadurch zur Managementaufgabe und zur Voraussetzung für stabile Geschäftsprozesse sowie digitale Innovation.
E3-Magazin: Manage Now spricht von souveräner integrierter IT. Was bedeutet digitale Souveränität für Unternehmen?
Jeraj: Organisationen müssen die Kontrolle über ihre Informationen, IT-Architekturen und geschäftskritischen Prozesse behalten. Dazu gehört die Hoheit über Daten: Wo liegen sie, wer greift darauf zu, unter welchem Rechtsrahmen werden sie verarbeitet? Darüber hinaus bedeutet digitale Souveränität, Abhängigkeiten von einzelnen Plattformen zu vermeiden. Hybride und Multi-Cloud-Konstrukte spielen deshalb eine zentrale Rolle. Manage Now betreibt beispielsweise ein eigenes Rechenzentrum in Deutschland und ermöglicht es, Cloud-Services, Managed Services und eigene Infrastruktur flexibel zu kombinieren. Klar ist aber auch: Vollständige Unabhängigkeit wird es in der Praxis kaum geben. Entscheidend ist vielmehr, dass Unternehmen ihre Plattformen variabel steuern und Workloads zwischen unterschiedlichen Umgebungen verschieben können. Dadurch entstehen zusätzliche Handlungsspielräume, unter anderem bei Regulierungen, Performance oder Kosten.

„Wenn On-prem-Systeme, Private Clouds und Hyperscaler
kombiniert werden, fehlt oft die Transparenz über
Datenflüsse, Zugriffsrechte und Sicherheitszustände”
Josko Jeraj,
CEO,
Manage Now
E3-Magazin: Hybride IT-Strukturen sind ein häufig gewähltes Modell – wo entstehen dabei die größten Risiken?
Jeraj: Schwierig zu bewältigen ist die wachsende Komplexität. Wenn On-premises-Systeme, Private Clouds und Hyperscaler kombiniert werden, fehlt oft die Transparenz über Datenflüsse, Zugriffsrechte und Sicherheitszustände. Besonders kritisch ist das Identity- und Access-Management: Unterschiedliche Systeme führen häufig zu überprivilegierten Accounts – ein typischer Einstiegspunkt für Angriffe. Zudem unterschätzen viele Unternehmen ihre Verantwortung im Cloud-Modell. Fehlkonfigurationen zählen zu den gängigsten Sicherheitslücken. Im Mittelpunkt sollte eine übergreifende Steuerung hybrider IT-Umgebungen stehen – mit zentralem Monitoring, einheitlichem Identity-Management und eindeutigen Governance-Strukturen.
E3-Magazin: Wie wird sich der Managed-Services-Markt entwickeln?
Jeraj: Der Markt wird weiter wachsen, weil IT-Landschaften komplexer werden und Firmen ihre Infrastruktur gleichzeitig stabil, sicher und flexibel betreiben müssen. Ich sehe drei Trends: Erstens nimmt die Automatisierung in der IT-Anwendung deutlich zu, auch durch KI-gestützte Analysen. Zweitens wächst Security enger mit Managed Services zusammen – Kunden erwarten integrierte Lösungen aus Betrieb, Cloud, Infrastruktur und Sicherheit. Drittens gewinnt digitale Souveränität an Bedeutung. Firmen suchen Partner, die Bereitstellung und Weiterentwicklung ihrer IT zusammenführen. Für Dienstleister birgt das einen Rollenwandel: weg vom reinen Betreiber, hin zum Integrator komplexer Landschaften. Entscheidend wird künftig weniger der eingesetzte Tool-Stack sein, sondern Architekturkompetenz, Governance und verlässlicher Betrieb – und die Fähigkeit, komplexe hybride Plattformen stabil zu orchestrieren. (Quelle: Manage Now)



