Warten auf EU Inc.


Aktuell werden die Pläne für die EU Inc. auf europäischer Ebene diskutiert, in Kürze werden dazu die entscheidenden Trilog-Verhandlungen beginnen. Ziel ist eine EU-weit einheitliche Rechtsform, die Gründungen und grenzüberschreitendes Wachstum deutlich vereinfacht.
„Europa braucht mehr Tech-Start-ups. Die EU Inc. würde das Gründen stark vereinfachen und Wachstum außerhalb der nationalen Grenzen erleichtern“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Die große Zustimmung unter Gründerinnen und Gründern zeigt, dass die EU die Weichen richtig stellt. Jetzt gilt es die Pläne rasch und europaweit einheitlich umzusetzen.“
Expansion ohne EU-Töchter
Damit die EU Inc. wirklich erfolgreich sein kann und dem Start-up-Ökosystem einen Schub verleiht, muss sie nach Ansicht der Gründerinnen und Gründer vor allem die Expansion in andere EU-Länder ohne lokale Tochtergesellschaften ermöglichen – das halten 94 Prozent für sehr oder eher wichtig.

„Entscheidend ist, dass die EU Inc. im nun
anstehenden politischen Verfahren nicht zerredet
wird und die zentralen Regelungen Bestand haben.”
Dr. Ralf Wintergerst,
Präsident,
Bitkom
Knapp dahinter folgt ein rein digitaler und automatisierter Prozess über einen One-Stop-Shop (91 Prozent), also eine einheitliche Anlaufstelle aufseiten der zuständigen Behörden.
Gründung in 48 Stunden
82 Prozent ist eine digitale Anteilsübertragung ohne Notar oder andere zusätzliche Stellen und Personen wichtig, 78 Prozent die freie Wahl des Gesellschaftssitzes innerhalb der EU.
Für jeweils rund zwei Drittel sollte die EU Inc. einen EU-weit einheitlichen Mustervertrag für Start-up-Investments bieten (69 Prozent), einheitliche Regelungen zur Besteuerung von Mitarbeiterbeteiligung schaffen (67 Prozent) sowie arbeits- und sozialpolitische Regeln harmonisieren (67 Prozent). Die Gründung innerhalb von 48 Stunden ist ebenfalls für 67 Prozent entscheidend, damit die EU Inc. erfolgreich wird. Am seltensten genannt werden die geplanten niedrigen Kosten von 100 Euro für die Gründung, dies halten nur 57 Prozent der Gründerinnen und Gründer für wichtig.
„Entscheidend ist, dass die EU Inc. im nun anstehenden politischen Verfahren nicht zerredet wird und die zentralen Regelungen Bestand haben“, so Wintergerst. (Quelle: Bitkom)
EU Inc.
Mit der geplanten EU Inc. will die Europäische Union Unternehmensgründungen vereinfachen und grenzüberschreitendes Wachstum erleichtern. Statt zwischen unterschiedlichen nationalen Rechtsformen wie GmbH oder SAS wählen zu müssen, sollen Gründer künftig eine europaweit einheitliche Gesellschaft gründen können. Geplant sind eine vollständig digitale Gründung innerhalb von 48 Stunden, Kosten von höchstens 100 Euro sowie kein vorgeschriebenes Mindestkapital. Einheitliche Regeln für Unternehmensführung und Mitarbeiterbeteiligungen sollen Start-ups und Investoren mehr Rechtssicherheit bieten. Steuer-, Arbeits- und Sozialrecht bleiben jedoch weiterhin national geregelt. Die EU Inc. ist Teil des sogenannten „28. Regimes“ und befindet sich derzeit noch im Gesetzgebungsverfahren. Ziel ist es, Europa als Innovations- und Wirtschaftsstandort international wettbewerbsfähiger zu machen.



