SAP ist Ihre größte IT-Investition. Steuern Sie sie auch so?


Wer Budgetverantwortung trägt, kennt das ungute Gefühl: Die Jahresabrechnung liegt auf dem Tisch, die Zahl ist höher als erwartet, und niemand kann sie wirklich erklären. Nicht weil jemand nachlässig war, sondern weil die Instrumente, mit denen man jahrelang gut gefahren ist, für ein anderes Modell gebaut wurden. In der Beratungspraxis ist das kein Einzelfall. Es ist ein Muster. Und es ist eines, das sich mit den richtigen Instrumenten vermeiden lässt.
Solange SAP ein Fixkostenblock war, brauchte die Frage nach dem Wert keine differenzierte Antwort. Eine Lizenz, ein Wartungsvertrag, ein Budgetposten. Für ein Portfolio aus Cloud ERP Subscriptions, BTP-Consumption, Business AI Credits und Business Data Cloud reicht das nicht mehr. Die Frage hat sich nicht verändert. Die Komplexität der Antwort schon.
Flexibles Modell – Portfolio wächst
Kaufen und Warten ist etwas anderes als Mieten und Nutzen. Was früher als Lizenz mit Wartungsvertrag eingekauft wurde, ist heute ein Portfolio aus mehreren Vertragstypen und Metriken. SAP Cloud ERP Private, der Nachfolger des klassischen Rise with SAP, sowie SAP Cloud ERP ersetzen die On-Premises-Lizenz durch Subscriptions, die auf FUE-basierten Metriken beruhen und sich in ihrer ACV-Entwicklung über die Vertragsperiode verändern.
SAP Business AI und SAP Business Data Cloud liegen als Consumption-Positionen außerhalb des ERP-Kerns und folgen eigenen Verrechnungslogiken. Mit der auf der SAP Sapphire 2026 angekündigten SAP Business AI Platform konsolidiert SAP BTP, Business Data Cloud und Business AI unter einer gemeinsamen Plattformstruktur, die eigene Abrechnungsmodelle mitbringt.
Strategisch relevant ist dabei folgende Beobachtung: SAPs Produktstrategie deutet darauf hin, dass auch On-Premises-Lizenzen schrittweise in nutzungsbasierte Modelle überführt werden. Die frühere Trennlinie zwischen klassischer Lizenz und Cloud-Subscription löst sich auf. Unternehmen, die noch überwiegend on-premises betreiben, sollten diese Entwicklung in ihrer mittelfristigen Vertragsplanung berücksichtigen.
Ein konkretes Muster aus der Beratungspraxis illustriert die strukturelle Konsequenz: Ein Unternehmen migriert auf Cloud ERP Private. Die erste Jahresabrechnung liegt spürbar über dem -Forecast. Ursache sind BTP-Consumption und Business AI Credits, die im ursprünglichen Budgetrahmen nicht eingeplant waren. Niemand hat dabei mutwillig gehandelt: Der Verbrauch wurde schlicht nicht laufend gegen den Forecast abgeglichen.
Genau das ist die Herausforderung: nicht Fahrlässigkeit, sondern fehlende Steuerungsinstrumente. Was vermeidbar gewesen wäre, wurde zur Überraschung, weil das Modell gewechselt hat, die Steuerungslogik aber nicht. Dieses Muster ist kein Einzelfall. Es ist die direkte Konsequenz eines Portfolios, das breiter und variabler ist als sein Vorgänger: Mehr Flexibilität führt zu mehr Volumen, und mehr Volumen erzeugt proportional mehr Steuerungsbedarf.
ITAM kann Bestand, FinOps Wert
IT Asset Management hat Unternehmen zuverlässig durch die Lizenzwelt geführt. Compliance sicherstellen, Lizenzeinsatz dokumentieren, Audits standhalten: ITAM beantwortet die relevanten Fragen für ein Fixkostenmodell präzise und verlässlich. Was haben wir? Wie viele Lizenzen? Sind wir compliant?
In einer Welt aus Subscriptions und Consumption-Modellen verschieben sich die relevanten Fragen. Der Unterschied zwischen beiden Disziplinen lässt sich an einer konkreten Entscheidungssituation verdeutlichen: Eine Business Unit evaluiert, ob eine neue Capability auf BTP entwickelt oder über ein Drittanbieter-Tool bezogen wird. Die Entscheidungsgrundlage erfordert eine belastbare Antwort auf die Frage, was BTP pro Transaktion im eigenen Setup kostet. ITAM kann in diesem Moment sagen: „Wir verfügen über eine BTP-Subscription.“ FinOps kann sagen: „Dieser Service kostet X pro Einheit, dieser Bereich verbraucht Y, der Trend über die letzten Perioden ist Z.“ Der Unterschied liegt nicht in der Qualität der Daten, sondern in der Perspektive, und damit im Handlungsspielraum: ITAM verwaltet den Bestand, FinOps macht den Wert transparent und damit steuerbar.
FinOps ist nicht „ITAM für die Cloud“. FinOps ist eine andere Perspektive: Nicht der Bestand wird verwaltet, sondern der Wert wird transparent gemacht. Verbrauch, Zuordnung, Prognose, Steuerung. Es handelt sich um eine Erweiterung, nicht um eine Ablösung. Unternehmen, die beide Disziplinen bewusst kombinieren, treffen bessere Entscheidungen, weil sie die vollständige Sicht haben: was vorhanden ist und was es tatsächlich leistet.
FinOps Foundation
Die FinOps Foundation hat diesen Scope 2026 formal erweitert. Das FinOps Framework umfasst heute nicht mehr nur Cloud-Infrastruktur, sondern ausdrücklich SaaS, Licensing, Private Cloud und AI-Workloads. Der State of FinOps 2026 zeigt, dass die Konvergenz von ITAM und FinOps gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent gestiegen ist. SAP ist dabei kein Randthema: Die FinOps Foundation bietet seit 2026 SAP-spezifisches Training an, was die wachsende operative Relevanz dieser Verbindung dokumentiert.
Das Zusammenspiel beider Disziplinen ist in der Praxis die tragfähige Grundlage. ITAM liefert die Bestandsgrundlage. FinOps liefert die laufende Wertsicht. Gemeinsam entsteht das, was für ein komplexes SAP-Portfolio notwendig ist: Bestand und Entwicklung, Compliance und Steuerung, Vertrag und Nutzung.
Wert sichtbar machen
Wer lange genug in diesem Umfeld berät, beobachtet eine wiederkehrende Verschiebung: Fachabteilungen beginnen zunehmend, SAP-Investitionen in Relation zu
setzen. Zu anderen Tools, zu anderen Plattformen, zu dem, was sie im operativen -Tagesgeschäft konkret erleben. Consumption-Modelle machen das möglich, und zugleich unvermeidlich. Wer auf diese Fragen keine strukturierte Antwort hat, verliert nicht nur die Diskussion. Er verliert den Gestaltungsspielraum.
Diese Frage wird kommen. Wer sie erst beantworten kann, wenn sie gestellt wird, agiert reaktiv. Wer die Antwort strukturiert aufgebaut hat, steuert aktiv.
Der eigentliche Wert von FinOps für SAP liegt nicht in der Unterschreitung des bisherigen Investitionsniveaus. Er liegt in der Werttransparenz. Denn die tatsächliche Belastung für ein Unternehmen entsteht nicht durch die Investition in professionelle Steuerung, sie entsteht durch das Potenzial, das ohne diese Steuerung ungenutzt bleibt. Die SAP-Investition als das zu behandeln, was sie ist: die größte IT-Investition im Unternehmen, mit dem Anspruch, dass jeder Euro zuordenbar, steuerbar und belegbar ist. Konkret bedeutet das: eine Gesamtsicht über alle SAP-Vertragstypen und Metriken, die nicht im Vertragsdokument endet, sondern die laufende Nutzungsentwicklung einschließt. Verbrauchsentwicklung pro Bereich und Vertrags-periode, die es ermöglicht, Budgetalloka-tionen auf Basis belastbarer Daten vorzunehmen. Eine Budgetprognose, die über eine fortgeschriebene Vorjahresbasis hinausgeht und die tatsächliche Entwicklung der SAP-Landschaft berücksichtigt.
Diese Grundlage ermöglicht es, Handlungsspielräume zu erkennen und gezielt einzusetzen, bevor externe Faktoren den Rahmen setzen: die nächste Vertrags-verlängerung, das nächste Budget-Review, die nächste kritische Frage aus dem Board.
Fazit: SAP bleibt der Kern
SAP wird der digitale Kern bleiben. Daran ändert kein Modellwechsel etwas. Was als Lizenz gekauft und gewartet wurde, wird heute gemietet und genutzt. Das flexible Modell funktioniert, und Unternehmen profitieren von den Möglichkeiten, die Subscriptions und Consumption-Positionen bieten. Diese Entwicklung eröffnet Spielräume, die im klassischen Lizenz-modell nicht bestanden. Die Konsequenz ist klar: Was wächst, muss gesteuert werden. ITAM hat Unternehmen zuverlässig durch die Lizenzwelt geführt. Für eine SAP-Landschaft aus Subscriptions, Consumption-Modellen und nutzungsbasierten Plattformstrukturen ist FinOps als ergänzende Disziplin erforderlich. Den Wert transparent machen: über alle Vertragstypen, laufend und zu-ordenbar. Nicht einmalig beim Vertragsabschluss, sondern als kontinuierliche Steuerungsaufgabe über die gesamte Vertragsperiode. Genau dort, nach der Unterschrift und über die gesamte Laufzeit, entscheidet sich, ob aus einem Vertrag eine gesteuerte Investition wird.
Die SAP-Investition ist zu bedeutend und zu zentral, um sie ohne laufende Wertsicht zu führen. Und das Gute: Wer heute die Steuerungsgrundlage aufbaut, schafft sich morgen den Spielraum, den andere erst suchen müssen. FinOps liefert genau diese Sicht. (Quelle: FinOptory)





