SAP-Lückenschluss: Wege aus der Kostenfalle


Ein präzises Preismanagement ist für Automobilzulieferer wettbewerbskritisch, stehen sie doch von mehreren Seiten unter massivem Druck. Die Transformation zur E-Mobilität erfordert hohe Investitionen, Produkt- und Modellzyklen verkürzen sich und seit der Corona-Pandemie und durch geopolitische Spannungen sind Lieferketten volatiler geworden sowie Energie- und Materialkosten gestiegen.
Hinzu kommen enge Preisvorgaben und regelmäßige Preis-Updates der Automobilhersteller (OEM) sowie die Forderung nach Produktivitätssteigerungen von zwei bis drei Prozent pro Jahr, die Zulieferer häufig als Preissenkungen weitergeben. Bei einer EBIT-Marge von im Schnitt nur 3,6 Prozent, die Roland Berger und Lazard für europäische Automobilzulieferer ermittelten (Quelle: Lazard), drücken Fehler im Preismanagement schnell auf die Marge, etwa durch Nachbelastungen und Vertragsstrafen seitens der OEM-Kunden. Wiederholte Fehler können zum Auftragsverlust führen und sogar die Existenz bedrohen.
Risiko: Lücken im SAP-Standard
Ein Grund für Fehler beim Preismanagement sind manuelle Abläufe. Diese verursachen hohe Mehrkosten. Viele Zulieferer verwalten Preise, Rabatte und Konditionen zentral in SAP S/4 Hana oder SAP ERP. Der SAP-Standard weist bei Preisanpassungen und beim Import von Preis-Updates jedoch Lücken auf, mit der Folge, dass viele Prozesse von Hand ausgeführt werden, häufig in Excel, und Preisdaten uneinheitlich gepflegt werden. Das ist ineffizient und fehleranfällig.
Keine Massenänderungen möglich
Bei Preisanpassungen ist das zentrale Problem die Verwaltung oft Tausender Konditionssätze, vom Grundpreis über Rohstoffzuschläge bis zu Mengenrabatten. Der SAP-Standard erlaubt keine Massenänderungen, da jeder Preisbestandteil als separater Konditionssatz geführt wird. Das heißt: Jeder Satz wird einzeln geöffnet und bearbeitet, was sich schnell auf Tausende manuelle Eingriffe summiert. Je nach Komplexität dauert die Bearbeitung rund drei bis 15 Minuten pro Vorgang; es fehlt zudem eine ganzheitliche Sicht auf Preisstrukturen und die Möglichkeit, Preisänderungen zu simulieren.
Auch für Preis-Updates bietet der SAP-Standard weder adäquate Importfunktionen noch automatische Plausibilitäts- oder Kollisionsprüfungen. Die von OEM regelmäßig als Excel-, XML-, CSV-Datei oder IDoc übermittelten Preisdaten werden daher Zeile für Zeile manuell eingepflegt. Mitarbeitende benötigen dafür rund zwei bis vier Minuten pro Datensatz, bei einer Fehlerquote von im Schnitt zwei bis vier Prozent, die unter Zeitdruck auf bis zu acht Prozent steigen kann. Manuelle Plausibilitäts- und Toleranzprüfungen verlängern die Bearbeitungsdauer zusätzlich und erhöhen das Risiko von Abrechnungsfehlern.
Fehlernacharbeit als Kostentreiber
Die wirtschaftlichen Folgen händischer Prozesse sind erheblich. Bei einem mittelgroßen Zulieferer mit 500 bis 1500 Beschäftigten summiert sich der Aufwand für Preisanpassungen (neun Minuten pro Konditionssatz bei 5.500 Sätzen) und für Preis-Updates (drei Minuten pro Datensatz bei 4.500 Datensätzen) auf rund 1050 Stunden jährlich. Bei Personalkosten von rund
62 Euro pro Stunde, die laut VDA in Deutschland üblich sind (Quelle: VDA), entstehen direkte Kosten von 65.100 Euro pro Jahr.
Fehleingaben verursachen zusätzliche Kosten durch Nacharbeit und Nachbelastungen. Auch der Compliance-Aufwand ist beträchtlich. Da manuelle Prozesse selten lückenlos nachvollziehbar sind, erfordern Audits und Lieferantenbewertungen aufwändige Nachweise. Diese Zusatzkosten belaufen sich auf geschätzt 20.000 bis 30.000 Euro, sodass die jährliche Gesamtbelastung zwischen 85.100 und 95.100 Euro liegen kann.
Abteilungs- und Teamleiter aus Vertriebsinnendienst und Fakturierung suchen daher nach Möglichkeiten, SAP-Prozesslücken im Preismanagement zu schließen und Kostentreiber zu eliminieren. Drei Lösungswege stehen dafür zur Wahl.
Drei Lösungswege
1. Customizing bringt nur geringe Verbesserungen: Die Optimierung von SAP-Standardfunktionen, berichten und -Workflows sowie ein stärkerer Batch-Einsatz stoßen schnell an Grenzen. Da Massenänderungs- und Preissimulationsfunktionen weiterhin fehlen, beschränken sich Effizienzgewinne auf einzelne Prozessschritte mit nur zehn bis 20 Prozent Zeitersparnis und 8000 bis 15.000 Euro Kosteneinsparung pro Jahr.
2. SAP-Eigenentwicklungen sind teuer und aufwändig: SAP-Individualentwicklungen bieten theoretisch maximale Flexibilität. Sie sind durch Projektlaufzeiten von sechs bis 24 Monaten, Entwicklungskosten bis in den sechsstelligen Euro-Bereich, den hohen Wartungsaufwand und die starke Abhängigkeit von bisherigen Entwicklern aber kaum wirtschaftlich.
3. Add-ons bieten optimale Kosten-Nutzen-Relation: Das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis bieten spezialisierte SAP-basierte Add-ons, zum Beispiel von WSW Software, die sich nahtlos in das bestehende SAP-System einfügen und die Prozesslücken bei Preisanpassungen und Preis-Updates modifikationsfrei schließen. Da die Add-ons SAP-Standardtabellen nutzen, entfällt auch die Datenmigration. All das erhöht die Prozesssicherheit und die Datenqualität deutlich und strafft die Bearbeitung enorm.
Ein Preispflege-Add-on, das eine zentrale Sicht auf alle Preisbestandteile und What-if-Simulationen bietet, ermöglicht die Massenänderung Hunderter Konditionssätze in einem Schritt und die Vorprüfung von Preisanpassungen. Die Bearbeitung dauert nur wenige Sekunden statt drei bis 15 Minuten, eine Zeitersparnis von 70 bis 80 Prozent.
Ein Add-on, das Preisdaten aus XML-, Excel- und CSV-Dateien sowie IDocs automatisiert in SAP-Konditionssätze überführt, sie gegen aktuelle Konditionen abgleicht und eine Anpassung der Sätze ermöglicht (zum Beispiel um Leerstellen oder Sonderzeichen zu entfernen), beschleunigt Preis-Updates. Da es alle Änderungen revisionssicher dokumentiert, reduziert das auch Compliance-Risiken.
Amortisierung in einem Jahr
Die Implementierung solcher Add-ons dauert in der Regel vier bis acht Wochen, bei Investitionskosten von 30.000 bis 60.000 Euro. Dem steht ein realistisches Einsparpotenzial von 50.000 bis 85.000 Euro gegenüber, sodass sich ihr Einsatz meist binnen eines Jahres amortisiert, häufig früher. Da der IT-Dienstleister Updates und Wartung übernimmt, sind sie zudem mit zukünftigen SAP-Versionen kompatibel.
Preismanagement in SAP
Das belegt: Add-ons, die SAP-Lücken beim Preismanagement schließen, senken Kosten und schaffen Spielraum für Investitionen, etwa in Forschung und Entwicklung oder in die Optimierung von Vertrieb und Kundenservice. Sie sind somit ein Hebel zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.
Gleichzeitig gewinnen Mitarbeitende in Vertriebsinnendienst und Fakturierung Zeit für wertschöpfende Aufgaben wie strategische Preisanalysen, Konditionsverhandlungen oder die Sicherung der Datenqualität. Straffere, nahezu fehlerfreie Abläufe schaffen zudem die nötige Agilität, um auf OEM-Anforderungen schnell zu reagieren.
Abteilungs- und Teamleitern ist daher die Analyse der SAP-Prozesse zu Preisanpassungen und Preis-Updates zu empfehlen, da Aufwand und Fehlerkosten oft unterschätzt werden. Eine solche Bestandsaufnahme schafft die Basis für fundierte Investitionsentscheidungen und zeigt, dass sich SAP-basierte Add-ons schneller rechnen als erwartet. In der margenschwachen Automobilzulieferindustrie ist das ein wichtiger Schritt hin zu einem strategischen Wettbewerbsvorteil. (Quelle: WSW Software)
Zulieferer kämpfen mit Margen
Die weltweite Automobilzulieferindustrie steht laut einer Analyse von Roland Berger und Lazard unter zunehmendem Druck.
Stagnierende Produktionsvolumina, geopolitische Unsicherheit, zunehmender Wettbewerb und steigender Kostendruck dürften die Profitabilität der Unternehmen drücken. Da deren Rentabilität zwar immer noch höher, aber ebenfalls gesunken ist, werden die Margen der Zulieferer voraussichtlich auch in den kommenden Jahren weiter unter Druck bleiben. Das ergab die „Global Automotive Supplier“-Studie, für die Strategieberatung Roland Berger und Finanzberatungsunternehmen Lazard 600 Automobilzulieferer weltweit analysiert haben.
Die Branche befindet sich laut Untersuchung in einer Phase gleichzeitiger Stagnation und Transformation. Während sich die Nachfrage schwächer entwickelt, sollen Unternehmen parallel ihre Geschäftsmodelle an neue Anforderungen wie Elektromobilität und softwarebasierte Fahrzeugkonzepte anpassen. Die Umstellung auf Elektrofahrzeuge verläuft dabei langsamer als erwartet, wodurch erhoffte Skaleneffekte ausbleiben sollen. Zusätzlichen Druck erzeugt der Trend zum softwaredefinierten Fahrzeug. Dieser eröffnet zwar neue Chancen, soll aber auch steigende Entwicklungskosten mit sich bringen. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb, da neue Anbieter insbesondere im Bereich Elektromobilität in den Markt drängen. Die Analyse weist zudem auf strukturelle Herausforderungen hin. Ein wachsender Anteil großer Zulieferer wird dem Non-Investment-Grade-Segment zugeordnet, was höhere Finanzierungskosten nach sich ziehen soll. Der Kapitalbedarf etwa für Innovationen und die Transformation bleibt hoch. Für die kommenden Jahre erwarten die Studienautoren ein weiterhin volatiles Marktumfeld. Unternehmen wollen daher verstärkt auf Effizienzprogramme, Partnerschaften und eine Fokussierung auf wettbewerbsfähige Technologien setzen. Ziel soll es sein, sich in einem zunehmend anspruchsvollen Marktumfeld langfristig zu behaupten. (Quelle: Lazard)




