Minus 40 Prozent Verlust bei SAP


Christian Klein argumentiert wie Donald Trump
Am Tag der Veröffentlichung der vorläufigen SAP-Bilanzzahlen für das Jahr 2025 verlor die SAP-Aktie an der Frankfurter Börse zeitweise über 15 Prozent. Das ist ein einmaliger Tagesverlust und zeigt die Schockwirkung der SAP-Zahlen. Aber laut eigener Darstellung von SAP sind alle Kennzahlen positiv. Auf dem SAP-Chart zu den aktuellen Bilanzzahlen gibt es nur grüne Pfeile, die nach oben zeigen, siehe Grafik auf dieser Seite.
CEO Christian Klein und CFO Dominik Asam argumentieren ähnlich wie US-Präsident Donald Trump: Was kümmert einen die Realität, es gilt das gesprochene Wort! Donald Trump redet sich die Dollarschwäche schön und Christian Klein findet positive Worte zu den vorgelegten Zahlen. Die Rechnung wird aber an der Aktienbörse bezahlt und hier scheinen die Finanzanalysten und Investoren ganz anderer Meinung zu sein.

SAP CEO Christian Klein meint trotzig: „Das vierte Quartal war durch ein starkes Cloudgeschäft gekennzeichnet. Durch den guten Auftragseingang wuchs der Total Cloud Backlog um 30 Prozent auf ein Rekordniveau von 77 Mrd. Euro an und mit dem beträchtlichen Wachstum des Current Cloud Backlog im vierten Quartal haben wir eine solide Basis, um beschleunigtes Wachstum bei den Umsatzerlösen bis 2027 zu erreichen. SAP Business AI ist zu einem wichtigen Wachstumstreiber geworden und bereits in zwei Drittel unserer Cloud-Vertragsabschlüsse im vierten Quartal enthalten. Gleichzeitig verzeichnen wir eine starke Nutzung künstlicher Intelligenz in der gesamten ERP-Suite.“ (Siehe auch Erklärung zu „Business AI“ am Ende dieses Textes.)
Sein Vorstandskollege und CFO Dominik Asam ergänzt: „Mit einem starken Betriebsergebnis und einem Free Cashflow, der unsere Erwartungen übertroffen hat, haben wir das Jahr 2025 erfolgreich abgeschlossen. Dieses Ergebnis unterstreicht die gezielte Umsetzung unserer Strategie und unsere Kostendisziplin. Klar ist auch: Unsere Kunden vertrauen weiterhin auf SAP als zuverlässigen Partner für ihre digitale Transformation. Unser anhaltend starkes Wachstum im Bereich SaaS und PaaS liegt weit über dem Markt und dies schlägt sich auch im Betriebsergebnis und Free Cashflow nieder. Damit sind wir zuversichtlich, dass unsere Strategie und Kostendisziplin auch weiterhin für langfristige Wertschöpfung sorgen werden.“
Nachhaltigkeit: SAP verliert den Anschluss an die Cloud/KI-Szene
Tatsache ist, dass SAP jahrelang im Cloud-Hype gut mithalten konnte, ohne eigene Akzente zu setzen. In einer allgemeinen Cloud-Euphorie war es für den ERP-Weltmarktführer leicht, von den günstigen Marktumständen zu profitieren. Das erfolgreiche Mitschwimmen in einem wachsenden Markt gelang SAP mit KI aber nicht mehr. Weder Cloud Computing noch KI können aktuell etwas Positives zur SAP-Geschäftsentwicklung beitragen – der SAP-Aktienkurs spiegelt dieses Versagen perfekt wider.
Nachhaltigkeit!? Der Begriff beschreibt einen Prozess, dessen Ergebnisse wiederum Neues hervorbringen: Einen Wald nachhaltig bewirtschaften bedeutet, dass durch die Holzentnahme und Waldpflege wiederum neue Bäume wachsen können. Der Wald ist profitabel und wächst gleichzeitig weiter, um letztendlich noch profitabler zu sein. SAP hat dieses Ziel eindeutig verfehlt.
Lange Zeit surfte SAP-Chef Christian Klein die Cloud-Welle und profitierte davon, die Aktie stieg auf über 280 Euro. Aber es war nicht nachhaltig! Mit KI versuchte Klein ähnliches, es misslang sofort – auf handelsblatt.com war zu lesen, dass das KI-SAP-Marketing der Realität weit voraus ist. Nun bestätigten die heute veröffentlichten, vorläufigen SAP-Bilanzzahlen, dass CEO Christian Klein und CFO Dominik Asam weder Cloud noch KI beherrschen: Die SAP-Aktie verlor zeitweise bis zu 15 Prozent und notierte bei 166 Euro – seit ihrem Höchststand vergangenes Jahr kumulierte sich der Verlust auf satte minus 40 Prozent.
Wolkige Versprechen: Warum SAP-Cloud-Träume an der Realität scheitern
SAP ist keine Cloud Company, sondern ein ERP-Konzern, der verzweifelt versucht, die technologische Hoheit über seine Bestandskunden zu behalten, indem er ein fremdes Betriebsmodell adaptiert, dessen Regeln er im Kern nicht beherrscht. Die viel beschworene Cloud-DNA fehlt in Walldorf gänzlich, da die Wurzeln des Unternehmens tief in der On-prem-Welt von R/3 und ECC 6.0 verankert sind.
Selbst die Datenbanktechnologie Hana, einst als Revolution gefeiert, war ursprünglich ein reines On-prem-Projekt zur Beschleunigung von Rechenprozessen und niemals für die unendliche Skalierung im Cloud Computing konzipiert. Wenn Hana in der Cloud nicht wie erwartet skaliert, ist dies kein Zufall, sondern ein systemisches Versagen des Codes, der für Hardware-Appliances und nicht für virtuelle Elastizität geschrieben wurde.
SAP hat früh erkannt, dass die eigene Infrastrukturkompetenz nicht ausreicht, um mit Giganten wie Amazon, Microsoft oder Google zu konkurrieren. Die Partnerschaften mit diesen Hyperscalern sind kein Zeichen von Stärke, sondern das Eingeständnis, dass man das Infrastrukturgeschäft technisch verloren hat.
Was SAP unter dem Label „Cloud“ verkauft, ist oft lediglich ein „Lift and Shift“ veralteter Architekturen auf fremde Server, ein „Potemkinsches Dorf“, das Modernität simuliert, während im Hintergrund oft noch alte Mechanismen arbeiten. Die Strategie wirkt erratisch: Mal heißt es „Cloud First“, dann wieder „Cloud Only“, um schließlich bei hybriden Modellen zu landen, weil die Realität der Kunden eine andere Sprache spricht.
Besonders perfide wird die SAP-Cloud-Strategie beim Thema Vendor-Lock-in. Programme wie „Rise with SAP“ dienen primär dazu, Kunden ihre wertvollen, zeitlich unbegrenzten On-prem-Lizenzen zu entziehen und sie in ein Mietmodell (Subskription) zu zwingen. Durch die Umstellung auf Metriken wie FUE (Full Use Equivalent) verliert der Kunde jegliche Autonomie über sein ERP-System. Er wird vom Eigentümer zum Mieter degradiert, der Preisdiktaten schutzlos ausgeliefert ist.
Das größte Risiko ist jedoch das Fehlen einer validen Cloud-Exit-Strategie. Wer einmal seine Lizenzen gegen Cloud-Verträge getauscht hat, findet keinen Weg zurück. Die Verträge sehen vor, dass Daten kurz nach Vertragsende gelöscht werden dürfen, was für Unternehmen ohne eigene Backup-Lizenzen existenzbedrohend sein kann. SAP nutzt die Cloud nicht als technologischen Befreier, sondern als goldenen Käfig zur Umsatzmaximierung.
Der KI-Offenbarungseid: Warum SAP im KI-Zeitalter nur Trittbrettfahrer ist
Das KI-Dilemma der SAP gleicht einem technologischen Offenbarungseid, der die Versäumnisse eines ganzen Jahrzehnts schonungslos offenlegt. Während US-Tech-Giganten Milliarden in die Entwicklung eigener Large Language Models (LLMs) pumpen, verwaltet SAP in Walldorf lediglich den Mangel an eigener Innovationskraft.
Es gibt kein „SAP GPT“, weil dem Konzern schlichtweg der Mut, die Ressourcen und die technologische Vision fehlen, um im Konzert der Großen mitzuspielen. Stattdessen ruht man sich auf veralteten Lorbeeren aus: Die viel zitierte „Predictive Analysis Library“ (PAL) in der Hana-Datenbank ist ein Relikt aus der Ära des klassischen Machine Learning, ein statistischer Werkzeugkasten für Regression und Klassifikation, der mit der revolutionären Kraft generativer KI nichts gemein hat.
Das einstige Leuchtturmprojekt „Leonardo“, das KI und IoT vereinen sollte, endete als spektakulärer Flop und wurde stillschweigend beerdigt, weil SAP den Markt nicht verstand und die Kunden den Mehrwert nicht sahen.
Heute versucht SAP-Chef Christian Klein, dieses strategische Vakuum durch hektischen Aktionismus und ein undurchsichtiges Geflecht an Partnerschaften zu füllen, das intern selbstkritisch als „Flickenteppich“ oder gar „Frankenstein-Architektur“ bezeichnet wird.
Die Beteiligung am deutschen KI-Hoffnungsträger Aleph Alpha wirkt dabei eher wie ein Feigenblatt als wie eine ernsthafte Strategie: Während SAP nur einen einstelligen Millionenbetrag investiert, stecken Microsoft und Google Milliarden in ihre Modelle. SAP versteht die Spielregeln nicht: Man versucht, KI als „Business AI“ zu verkaufen, liefert aber technisch oft nur eine Durchleitung (Proxy) zu den Modellen von OpenAI, Google oder Amazon über den „Generative AI Hub“ der Business Technology Platform (BTP).
Das Chaos ist perfekt, wenn SAP gleichzeitig Kooperationen mit Nvidia, Databricks, Collibra und DataRobot verkündet, ohne eine klare Linie zu erkennen zu geben, wer in diesem „Wilden Westen“ der KI-Agenten eigentlich die Hoheit über die Daten hat. SAP bezieht sein KI-Wissen und sein Angebot faktisch fast vollständig von externen Hyperscalern und Start-ups, während der eigene Beitrag sich darauf beschränkt, diese fremde Intelligenz über den Assistenten „Joule“ in die SAP-Kontexte einzubetten.
Besonders perfide wirkt der Versuch, diese zugekaufte Innovation als Hebel zu nutzen, um Bestandskunden in die Cloud zu zwingen: Wer nicht „Rise with SAP“ bucht, wird von KI-Innovationen abgeschnitten – eine Erpressung, die zeigt, dass SAP eine KI weniger als technologischen Fortschritt, sondern als Vertriebswaffe versteht. Letztlich bleibt SAP ein KI-Konsument ohne eigene Souveränität, abhängig vom Wohlwollen der US-Anbieter.






1 Kommentar
M
ein Verlust von “Minus 40%” ist ein Gewinn.