SAP’sche Desinformation


In der SAP-Community herrscht eine Diskrepanz zwischen den strategischen Ankündigungen von SAP aus Walldorf und der operativen Realität in den Anwenderunternehmen bei den SAP-Bestandskunden, was einen Nährboden für Desinformation und falsche Narrative schafft. Oft werden Schlagworte wie „Intelligent Enterprise“ oder „Run Simple“ in den Raum gestellt, die sich bei näherer Betrachtung als marketinggetriebene Hüllen ohne sofort greifbare Substanz für den Bestandskunden entpuppen und zusätzlich zu Verunsicherung beitragen.
SAP sollte mit viel Sorgfalt und umfassender Kommunikation auf allen Kanälen nicht nur falsche Narrative widerlegen, sondern aktiv den Wissenstransfer in der Community gestalten. Etwas zu widerlegen, nachdem es gesagt oder auch „nur“ falsch verstanden wurde, ist nicht effektiv – es bleibt im Gedächtnis haften!
Desinformation sollte erst gar nicht entstehen. Durch verifizierte Kommunikationsplanung und Orchestrierung mit den Quellen und der Senke (in den allermeisten Fällen dem SAP-Bestandskunden) sollte SAP der Desinformation zuvorzukommen und Unternehmen und so die Unternehmenskommunikation strukturell wie mental krisenfest machen und langfristig Vertrauen sowie Planungssicherheit stärken.
Die narrativen ERP-Nebelkerzen bergen das Risiko, dass SAP-Bestandskunden strategische Fehlentscheidungen treffen, indem sie technischen Trends folgen, statt ihren tatsächlichen geschäftlichen Nutzen zu hinterfragen. Besonders kritisch ist das Dogma einer reinen Cloud-Strategie (Cloud Only), das die hybride Realität der meisten Unternehmen ignoriert und sie in Abhängigkeiten ohne klare Exit-Strategie treiben kann, während funktionierende On-prem-Lösungen als veraltet stigmatisiert werden. Wer diesen Erzählungen blind folgt, riskiert Fehlinvestitionen und den Verlust der eigenen digitalen Souveränität.
Um in diesem volatilen Umfeld mental krisenfest zu werden, müssen SAP-Bestandskunden eine Kultur der „Resilienz und Begründungspflicht“ etablieren, die Entscheidungen transparent, nachvollziehbar und faktenbasiert macht. Wahre Widerstandskraft entsteht nicht durch das passive Konsumieren von SAP-Roadmaps, sondern durch fundierte Bildungsarbeit und das Aufbrechen von Informationsasymmetrien.
Unternehmen benötigen zwingend ein kompetentes internes Customer Center of Expertise (CCoE), das befähigt ist, die Hochglanzversprechen kritisch zu hinterfragen und technische Visionen gegen die eigene betriebswirtschaftliche Notwendigkeit zu prüfen. Nur wer versteht, dass Digitalisierung kein reines IT-Projekt, sondern eine Business-Transformation ist, kann sich gegen falsche Propheten in der Community wappnen. Die mentale Stärke erwächst aus dem Mut zum offenen Diskurs und der Forderung nach Transparenz, statt sich in einer Echokammer der gegenseitigen Bestätigung zu isolieren. Letztlich ist unabhängiges Wissen der einzige wirksame Schutzschild gegen die kostspieligen Folgen irreführender Narrative in einer sich radikal wandelnden ERP-Welt.





