KI-Agenten in SAP, mit Risiko-Check


SAP gehört zu den Vorreitern bei der Entwicklung von KI-Lösungen für Unternehmen. Die Technologien sollen Geschäftsprozesse in unterschiedlichsten Bereichen beschleunigen, automatisieren und skalieren. Allerdings gibt es einen entscheidenden Haken: Die nativen KI-Werkzeuge von SAP stehen in vollem Umfang nur Unternehmen zur Verfügung, die die neuesten Versionen der Software einsetzen.
Die meisten Unternehmen tun das nicht – und das aus gutem Grund. SAP-Systeme sind oft über Jahrzehnte gewachsen und tief in die Geschäftsprozesse integriert. Entsprechend aufwendig ist es, sämtliche Umgebungen auf den aktuellen Stand zu bringen. Dennoch müssen Unternehmen, die ein Upgrade derzeit nicht in Betracht ziehen, nicht auf KI verzichten. Statt die nativen KI-Funktionen von SAP zu nutzen, können sie eigene KI-Agenten entwickeln und diese als Erweiterungen in ihre SAP-Landschaft integrieren.
KI-Agenten: Chancen und Risiken
Dieser Ansatz eröffnet neue Möglichkeiten, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Die größte Gefahr besteht darin, dass externe KI-Agenten zusätzliche technische Schulden verursachen und Governance-Risiken schaffen, die sich bei nativen SAP-Lösungen leichter vermeiden ließen. SAP verfolgt mit der Clean-Core-Strategie das Ziel, kundenspezifische Anpassungen möglichst vom Kern der Plattform fernzuhalten. Dadurch sollen Wartung, Innovation und spätere Upgrades vereinfacht werden. Unternehmen, die Drittanbieter-Agenten tief in ihre SAP-Systeme integrieren, laufen jedoch Gefahr, genau diesen Grundsatz zu unterlaufen.
Langfristig könnte dies dazu führen, dass künftige SAP-Upgrades noch komplexer werden als zuvor. Hinzu kommt das Risiko, dass Governance-, Compliance-, Sicherheits- und Datenschutzmechanismen von SAP nicht reibungslos mit externen Agenten zusammenspielen, weil deren Architektur und Funktionsweise nicht vollständig mit den SAP-Vorgaben übereinstimmen. Auf den ersten Blick scheint die Entscheidung daher schwierig: Sollen Unternehmen individuelle KI-Agenten einsetzen und die damit verbundenen Risiken akzeptieren? Oder sollten sie auf die Vorteile von KI in ihrem ERP-System verzichten, um technische Schulden und Governance-Probleme zu vermeiden?
KI nutzen unter Kontrolle
Tatsächlich handelt es sich um einen falschen Gegensatz. Unternehmen können individuelle KI-Agenten in SAP einsetzen, ohne Risiken und technische Schulden ausufern zu lassen.
Der Schlüssel liegt in sogenannten KI-Harnesses – also Leitplanken und Kontrollmechanismen, die den Einsatz von KI-Agenten innerhalb von SAP absichern. In der Praxis bedeutet das meist eine Kombination aus nativen SAP-Funktionen und zusätzlichen Steuerungswerkzeugen von Drittanbietern. So lassen sich beispielsweise Richtlinien innerhalb der SAP Business Technology Platform (BTP) nutzen, um den Datenzugriff von KI-Agenten gezielt einzuschränken. Gleichzeitig können Identitäts- und Zugriffsmanagement-Lösungen von Hyperscalern wie Microsoft Entra eingesetzt werden, um Agenten zu registrieren und zu authentifizieren.
Das Ergebnis ist eine Architektur, die Governance-Risiken wirksam reduziert, ohne neue technische Altlasten zu schaffen.
Der Weg in die Zukunft
Langfristig bleiben die Modernisierung der SAP-Landschaft und die Nutzung der nativen KI-Funktionen des Herstellers der sinnvollste Weg, um Geschäftsprozesse umfassend zu „agentifizieren“. Bis dieser Schritt für viele Unternehmen realistisch wird, bietet sich jedoch ein pragmatischer Ansatz an: der Einsatz individueller KI-Agenten in Kombination mit der SAP Business Technology Platform. So können Unternehmen schon heute von modernen KI-Funktionen profitieren, ohne dabei Sicherheit, Compliance und Governance aus den Augen zu verlieren. (Quelle: Lemongrass)




