Europa holt im KI-Wettlauf auf


Europas größte Unternehmen zeigen erste Anzeichen, die KI-Lücke gegenüber Nordamerika zu verringern. Gleichzeitig droht die wachsende Diskrepanz zwischen großen und kleineren Unternehmen den europäischen Fortschritt gleich wieder auszubremsen. Deutsche Firmen treten auf der Stelle. Das zeigt die erste Ausgabe des Accenture AI Progress Barometer.
KI-Readiness beschreibt die zentralen Fähigkeiten, die Unternehmen benötigen, um den größtmöglichen Nutzen aus dem Einsatz von KI zu ziehen. Dazu zählen insbesondere qualitativ hochwertige und leicht zugängliche Daten, qualifizierte Mitarbeitende sowie geeignete Prozesse. Das Accenture AI Progress Barometer misst halbjährlich, wie sich die KI-Readiness von rund 3000 der weltweit größten Unternehmen entwickelt. Dabei wird jede Organisation branchen- und regionsübergreifend an vergleichbaren Unternehmen gemessen. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 0 bis 100. Dabei stellt 100 den maximal erreichbaren Wert dar und kennzeichnet die höchste KI-Readiness.
Konzerne als treibende Kraft
Laut Barometer haben europäische Unternehmen ihre KI-Fähigkeiten in den vergangenen sechs Monaten um durchschnittlich 1,6 Punkte gesteigert. Dem gegenüber stehen 1,1 Punkte in Nordamerika. Insgesamt liegen nordamerikanische Unternehmen weiterhin vorn: Sie erreichen im Durchschnitt 48,9 von 100 Punkten, während europäische Unternehmen auf 43,1 Punkte kommen. Die Daten zeigen zudem eine wachsende Kluft innerhalb Europas. Große europäische Unternehmen (mit einem Jahresumsatz von über zehn Milliarden US-Dollar) liegen mit 47,4 Punkten nur noch 2,1 Punkte hinter ihren nordamerikanischen Pendants (49,5 Punkte).
Verpassen KMUs den Anschluss?
Kleinere europäische Unternehmen (Jahresumsatz über 500 Millionen US-Dollar) hingegen hinken vergleichbaren nordamerikanischen Firmen mit einer Differenz von 7,6 Punkten (40,5 vs. 48,1) deutlich hinterher. Dieser ausgeprägte „Long Tail“ könnte die Wettbewerbsfähigkeit Europas langfristig belasten.

„Europa gewinnt beim Thema KI sichtbar
an Dynamik – vor allem getrieben von
den größten Unternehmen.”
Mauro Macchi,
CEO für Europa,
den Nahen Osten und Afrika,
Accenture
Mauro Macchi, CEO für Europa, den Nahen Osten und Afrika bei Accenture, sagt: „Europa gewinnt beim Thema KI sichtbar an Dynamik – vor allem getrieben von den größten Unternehmen. Diese haben erkannt, dass KI nur dann schnell und umfassend Mehrwert schafft, wenn die Technologie mit einer ganzheitlichen Transformation des Unternehmens einhergeht, statt lediglich punktuell implementiert zu werden. Dazu gehören die Anpassung von Operating-Modellen, die Neugestaltung von Arbeitsprozessen, der Ausbau von Daten- und Technologiegrundlagen sowie – ganz entscheidend – eine starke Einbindung der Führungsebene und ein wirksames Governance- und Change-Management.
Während Europa zur KI-Aufholjagd angesetzt hat, droht Deutschland weiter abgehängt zu werden. Deutsche Firmen treten den Zahlen nach tendenziell weiter auf der Stelle und konnten sich mit 41,2 Punkten nicht verbessern – vor allem im für den Wirtschaftsstandort so wichtigen Mittelstand. Die Studie macht deutlich: Wer jetzt über Pilotprojekte hinausgeht und KI konsequent in Geschäftsmodell, Prozesse und Organisation verankert, entscheidet nicht nur über die eigene KI-Readiness, sondern mit darüber, wie wettbewerbsfähig der Wirtschaftsstandort Deutschland in der nächsten Dekade sein wird.“ (Quelle: Accenture)



