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Ende-zu-Ende-Lagerautomatisierung mit SAP EWM

Die Deutsche Amphibolin Werke errichtete ein hochmodernes Logistikzentrum mit Hochregallager und AutoStore und profitiert von der ganzheitlichen und direkten Integration in EWM. Nur durch die direkte EWM-Integration von Automatikgewerken entfalten Automatisierungslösungen ihr volles Potenzial.
Thilo Matheis, LogiPlus
Christian Speck, LogiPlus
7. November 2023
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Die Deutsche Amphibolin Werke (DAW) mit Hauptsitz im südhessischen Ober-Ramstadt entwickeln, produzieren und vertreiben seit mehr als 125 Jahren Premiumprodukte für Gebäude und den Bautenschutz. Gegründet 1895 und seit fünf Generationen familiengeführt, ist die DAW-Firmengruppe das Dach zahlreicher starker Marken. Ober-Ramstadt ist gleichzeitig der größte Standort der DAW, hier werden unter anderem die Kernmarken Alpina und Caparol produziert und hier sitzen die Bereiche Forschung und Entwicklung und die Innovationsabteilung.

Im September 2022 eröffnete der Baufarbenhersteller ein neues Distributionszentrum mit hohem Automatisierungs- und Digitalisierungsgrad. LogiPlus Consulting aus Ludwigshafen hat DAW unter anderem bei der Umstellung der bestehenden Lagerverwaltungslösung SAP Warehouse Management (WM) auf SAP Extended Warehouse Management (EWM) und bei der Integration der technischen Anlagen in die SAP-Landschaft während der gesamten mehrstufigen Projektierung unterstützt. So gelang eine Ende-zu-Ende-Automatisierung der Intralogistik am Standort in Ober-Ramstadt.

Ausgangssituation und Ziele

2018 stand die DAW vor vielschichtigen Herausforderungen. Eine über die letzten 15 Jahre kontinuierlich gestiegene Artikelvielfalt und veränderte Marktanforderungen führten zu einem erhöhten Bedarf an Lagerkapazität, der mit den gewachsenen Strukturen auf dem Werksgelände nicht mehr gedeckt werden konnte. Aufgrund der Platzprobleme musste DAW Ware in verschiedenen Außenlägern lagern sowie Teilsortimente ebenfalls dort kommissionieren.

Diese Situation führte zu einem enormen Aufwand in der Bestandsführung und Bedarfsplanung. Die Kommissionierung setzte ein hohes Artikel Know-how der Mitarbeiter voraus, da mobile Dialoge und die Staplersteuerung in einem proprietärem, unterlagertem System veraltet waren. Aufgrund der Abkündigung von SAP WM und der parallel geplanten Einführung von S/4 Hana entschied sich DAW dafür, die bestehende IT-Infrastruktur abzulösen und auf komplett neue Füße zu stellen.

Mit dem Ziel, die gesamten Supply-Chain-Abläufe zu optimieren und Transportwege zu reduzieren, sollten die bisher auf dem Werksgelände verteilten sowie externe Lagerstandorte in der Region unter einem Dach vereint werden. Um die dazu benötigte Lagerkapazität zu schaffen und gleichzeitig die Prozesse im Lager zu optimieren, sah das Konzept unter anderem die Errichtung eines automatisierten Hochregallagers (HRL), eines Auto-Store-Systems sowie eines automatisierten, dynamischen Kommissionierpuffers vor, einschließlich der fördertechnischen Anbindung der verschiedenen Lagerbereiche. Mit der Automatisierung von Prozessen sollte eine erhebliche Arbeitserleichterung für die Logistikmitarbeiter einhergehen inklusive der Integration manueller Bereiche und Bestandsanlagen wie Fördertechnik. Ein weiteres zentrales Ziel war die Optimierung der Arbeitsplatzgestaltung für die Lagermitarbeiter anhand ergonomischer Kriterien.

Von SAP WM zu EWM

Zum Projekt gehörte die softwareseitige Integration sämtlicher Anlagen, um alle Logistikprozesse effizient steuern und den laufenden Betrieb sicherstellen zu können. Mit Blick auf die Zukunftssicherheit, die Kompatibilität und die zentrale Steuerung des Lagers in einem dominierenden System, entschied DAW, das bestehende System SAP WM auf SAP EWM zu migrieren. Da S/4 als ERP-System noch nicht eingeführt worden war, wurde ein dezentrales EWM implementiert. „Das Projekt bestand aus mittel- und langfristigen Zielen. Mittelfristig mussten das bestehende SAP WM und die Bestandsanlagen durch SAP EWM und SAP EWM MFS abgelöst werden. Langfristig mussten die SAP EWM-Prozesse mit dem Baufortschritt und den damit verbundenen Inbetriebnahmen mitwachsen“, erläutert Jörg Martin, Leiter Fertigwarenlager bei DAW.

Hochregallager und AutoStore

Im April 2020 begannen die umfassenden Bauarbeiten für das hochmoderne Logistikzentrum auf dem Werksgelände in Ober-Ramstadt. Heute umfasst das im September 2022 feierlich eröffnete Logistikzentrum ein automatisiertes Hochregallager (HRL) mit rund 30.000 Stellplätzen für Paletten, ein AutoStore-System für Kleingebinde mit drei Kommissionierplätzen und 12.000 Behältern, in denen rund 3500 Artikel lagern, sowie einen ebenfalls automatisierten, dynamischen Kommissionierpuffer mit rund 1500 Paletten- und sechs Arbeitsplätzen zur Kommissionierung.

Das automatische Behälterlager Auto-Store arbeitet mit sieben Robotern im Drei-Schicht-Betrieb, die die benötigten Behälter an einen von insgesamt vier Arbeitsplätzen, sogenannte Ports, fahren. Die Bestandsübersicht erfolgt zentral im SAP EWM. Die Versorgung von Pufferlager, AutoStore und den Kommissionierplätzen erfolgt mit einer Elektro-Hängebahn (EHB). Die Paletten für das HRL werden über einen Fördertechnik-Loop automatisch zu einer der acht Gassen im HRL transportiert und von hier automatisch per Regalbediengerät ein- und ausgelagert. Die manuelle Kommissionierung umfasst 1200 Kommi-Plätze. 

Ein wichtiges Ziel in der Konzeption war der Wechsel von der Strategie „Person-zur-Ware“ hin zum Prinzip „Ware-zur-Person“. Durch das realisierte „Ware-zur-Person“-Prinzip wurden die Wege für die Mitarbeiter reduziert und die Arbeit im neuen DAW-Fertigwarenlager, die im Drei-Schicht-Betrieb erfolgt, höchst effizient.

Lageranlagen in EWM

Im ersten Schritt lösten die Experten von LogiPlus gemeinsam mit DAW das bestehende Lagerverwaltungssystem SAP WM durch ein dezentrales SAP EWM ab, um das Bestandslager zu erweitern. Mit der Optimierung des Materialflusses durch EWM-MFS (Material Flow System) konnten dann Automatisierungslösungen wie AutoStore und ein Staplerleitsystem eingeführt und in das Projekt integriert werden. S/4 Hana wurde als ERP-System nachgelagert implementiert und komplementiert nun die automatisierte Intralogistiklandschaft am Hauptstandort der DAW. 

„Aufgrund der unterschiedlichen Automatikgewerke war der größte Vorteil, dass alles über das EWM-MFS angebunden werden konnte. SAP EWM ist somit die zentrale Steuereinheit aller Prozessabläufe. Die Umsetzung fand im laufenden Betrieb statt und der Lieferservice zum Kunden wurde in jeder Phase des Projektes sichergestellt. Durch das Gesamtprojekt konnten externe Lageraktivitäten komplett wieder an den Standort Ober-Ramstadt zurück integriert werden“, fasst Jörg Martin den Projektablauf der Implementierung zusammen. 

Durch die erhöhten Lagerkapazitäten hat DAW heute sämtliche Handels- und Fertigwaren sowie Verpackungen unter einem Dach vereint. Dadurch haben sich die Verfügbarkeit der Artikel und die Stabilität der Prozesse verbessert und DAW kann ihren Kunden einen höheren Lieferservice bieten.

Der Materialfluss konnte durch den Verlauf in eine Richtung vom zentralen Wareneingang im dritten Stock des Logistikgebäudes bis hin zur Verladung an der Rampe im Erdgeschoss verbessert werden. Insgesamt konnte der Output um 57 Prozent auf circa drei Millionen Lieferscheinpositionen pro Jahr erhöht werden.

AutoStore und SAP EWM

Für die Anbindung von AutoStore an ein SAP EWM gibt es unterschiedliche Optionen. Bei DAW entschied man sich, keine Anbindung über eine externe Middleware vorzunehmen, sondern wählte eine direkte Anbindung via Task Interface. Dadurch werden die Bestände und Lagerorte direkt in EWM verwaltet, EWM wird das dominierende zentrale Steuerungssystem. Die Kommunikation zwischen SAP EWM und AutoStore wird auf Basis von TCP/IP im XML-Format via http abgewickelt.

So kann SAP EWM sämtliche Ein- und Auslageraufträge direkt an den AutoStore Controller übermitteln. Diese zentrale Steuereinheit des AutoStore übernimmt die Routensteuerung der Roboter und entscheidet, welcher Roboter am effizientesten auf den jeweils benötigten Behälter zugreifen kann. Der Bediener am Port wird über die individuell von LogiPlus entwickelten Nutzeroberflächen und Dialoge optimal und intuitiv durch den Prozess begleitet. So sind auch neue Mitarbeiter schnell einsatzfähig.

Im Allgemeinen steht bei vielen Unternehmen das Thema Automatisierung und damit auch die Integration verschiedener Systeme in SAP EWM ganz oben auf der Agenda. Mit der direkten Anbindung in SAP EWM schaffen Unternehmen durchgängige Prozesse und erschließen so das ganze Potential hinsichtlich Effizienz und Leistung in der Intralogistik. Der Erfolg des LogiPlus-Kunden DAW ist hierfür ein gutes Beispiel.

logiplus.de

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Thilo Matheis, LogiPlus

Thilo Matheis ist CEO von LogiPlus.


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Christian Speck, LogiPlus

Christian Speck ist Head of Marketing bei LogiPlus.


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