Datenintegration: „Je besser die Datenbasis, desto autonomer“


E3-Magazin: Herr Ammon, Sie kommen aus einer leitenden Engineering-Rolle bei SAP zu Implico. Was wollen Sie hier aufbauen, was bei SAP nicht möglich gewesen wäre?
Torsten Ammon, Implico: Als kleineres Unternehmen mit sehr tiefem Branchenwissen hat Implico den Vorteil deutlich schneller vom Kundenproblem zur Lösung kommen. Genau diese Nähe zum Markt und die kurzen Wege haben mich überzeugt. Ich möchte unsere Produktentwicklung konsequent auf dieses Tempo ausrichten: nah an den Anforderungen unserer Kunden, mit klarer technologischer Richtung und der Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Implico ist für die Herausforderungen, die vor uns liegen, hervorragend aufgestellt, und diesen Weg mitzugestalten, ist für mich eine sehr spannende Aufgabe.
E3: Sie haben an SAPs Datenstrategie mitgebaut — BDC, Datasphere. Was davon bringen Sie konkret in die Produktentwicklung bei Implico ein, und wo setzen Sie einen anderen Schwerpunkt?
Ammon: SAPs Vision vom autonomen Unternehmen ist für mich die Grundlage. Für jede KI-Lösung sind Kontext und Daten essenziell, da ohne verlässliche Datenbasis jede Automatisierung fehlerhaft bleibt. Dieses Denken bringe ich direkt in unsere Produktentwicklung ein. Unser Schwerpunkt bei Implico liegt darauf, eine moderne, agentenbasierte Lösung zu entwickeln, die unseren Kunden hilft, ihre Lieferkette spürbar effizienter zu betreiben. Der Unterschied liegt im Blickwinkel: Wir denken nicht von der Plattform aus, sondern vom konkreten Prozess in der Logistik von Massen- oder Schüttgütern. Dabei verlieren wir nie aus dem Blick, wo unsere Kunden heute stehen. Sie sollen neue Funktionalität nutzen können und zugleich ihre bestehenden Investitionen in unsere Produkte SDM und RFNO geschützt sehen.
E3: Data-Fabric-Denken stand im Zentrum Ihrer Arbeit bei SAP. Wie fließt das in die Produkt-Roadmap von Implico ein? Welche Rolle soll Datenintegration künftig spielen?
Ammon: Daten und Kontext steht im Kern jeder künftigen Lösung. Jeder Agent braucht das richtige Fundament, um autonom und verlässlich Entscheidungen zu treffen, und dieses Fundament entsteht nur durch saubere, gut integrierte Daten. Datenintegration ist deshalb kein technisches Detail, sondern die Voraussetzung für alles, was wir an Automatisierung und künstlicher Intelligenz planen. Auf der Roadmap heißt das für uns konkret: unseren Kunden helfen, Abstimmungsaufwände deutlich zu reduzieren, ihre Prognosen zu verbessern und die Disposition zu optimieren. Das sind keine abstrakten Ziele. Es sind Aufgaben, die im Tagesgeschäft der Sekundärdistribution täglich eine echte Herausforderung darstellen. Je besser die Datenbasis, desto autonomer kann die Lösung arbeiten. Das Ergebnis ist, dass Menschen freigespielt werden, um Aufgaben zu lösen, bei denen ihr Urteil und ihre Erfahrung besser sind als die einer Maschine.

„Datenintegration ist kein technisches Detail,
sondern die Voraussetzung für alles,
was wir an Automatisierung und
künstlicher Intelligenz planen.”
Torsten Ammon,
Mitglied der Geschäftsleitung und
Head of SAP,
Implico
E3: Clean Core wird oft als Einschränkung diskutiert. Sie haben auf beiden Seiten davon gebaut. Wie positioniert sich Implico dazu, und welche Produktentscheidungen leiten Sie für kommende Releases ab?
Ammon: Als Teil von S/4 sind Clean-Core-Prinzipien für uns Pflicht, keine Option. Ich sehe darin keine Einschränkung, sondern eine Disziplin, die sich auszahlt. Wer sauber an den Prinzipien entlang baut, stellt sicher, dass seine Produkte auf künftige Versionen vorbereitet und langfristig zukunftssicher sind. Genau das ist unser Anspruch. Für die kommenden Releases heißt das zweierlei: Erstens richten wir alles, was wir neu entwickeln, konsequent an den Clean-Core-Prinzipien aus. Zweitens passen wir Bestehendes Schritt für Schritt daran an, sodass unser gesamtes Portfolio diesem Standard folgt. Für unsere Kunden bedeutet das Verlässlichkeit: Upgrades werden planbarer, und die Lösung bleibt nah an der SAP-Weiterentwicklung. Aus einer vermeintlichen Grenze wird so ein echter Vorteil.
E3: Implico wächst gerade über seine etablierte Position in Öl, Gas und Energie hinaus. Was ist Ihre Vision für Implicos Produkt in den nächsten Jahren?
Ammon: Meine Vision ist klar: Unsere Kunden sollen die Produkte von Implico als Lösung kennen, die ihnen Tag für Tag zur Seite steht — eine, die Aufwand reduziert, Transparenz schafft und dabei hilft, jederzeit regelkonform zu bleiben, in der Sekundärdistribution ebenso wie im Betrieb von Retail-Fuel-Netzwerken. Der rote Faden dabei ist Prozesskompetenz. Die Fähigkeit, die Logistik von Massen- oder Schüttgütern verlässlich zu automatisieren, ist nicht an eine einzelne Branche gebunden. Genau das eröffnet uns die Chance, über unsere etablierte Position hinaus zu wachsen und dieselbe operative Stärke in weitere Bereiche zu tragen. Am Ende soll gelten: Wer seine Distribution effizient, transparent und regelkonform steuern will, denkt an Implico.
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