SAP-Reinheitsgebot um exakte Arbeitsplanung erweitern


Krones ist auf die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb von Anlagen und Maschinen für die Getränke- und Lebensmittelindustrie spezialisiert. In über 70 Jahren hat sich der Konzern mit Hauptsitz in Neutraubling zu einem der führenden Anbieter von Anlagen für die Abfüllung und Verpackung von Getränken mit über 20.000 Mitarbeitern weltweit entwickelt.
Dabei bietet Krones Lösungen für die Prozesstechnik in der Getränkeherstellung mit Technologien für die Reinigung, Sterilisation und Behandlung von Flüssigkeiten. Außerdem entwickelt man intralogistische Lösungen, wie Palettierungssysteme, Lagertechnologien und Materialflusskonzepte, die den reibungslosen Ablauf von Materialien innerhalb der Produktionsstätten gewährleisten.
In den letzten Jahren hat Krones verstärkt digitale Lösungen und Industrie-4.0-Technologien ins Portfolio genommen, um Kunden innovative Lösungen für die Optimierung von Produktionsprozessen anzubieten. Krones ist mit weiteren Fertigungsstätten in China, den USA, Brasilien und Ungarn weit über seine deutschen Standorte hinaus tätig und beliefert Kunden weltweit. Dabei liegt der Fokus auf der Bereitstellung von fortschrittlichen und zunehmend automatisierten Lösungen für die Produktion und Verpackung von Getränken. Von zentraler Bedeutung ist im Unternehmen eine transparente und nachvollziehbare Arbeitsplanung mit exakten Planzeiten. Weltweit benötigt Krones für seine Maschinenparks eine Vielzahl an Arbeitsplänen für über 1000 Arbeitsplätze. Für eine belastbare Planung und den reibungslosen Wissenstransfer ist es dem Unternehmen enorm wichtig, die Nachvollziehbarkeit der errechneten Planzeiten sicherzustellen.
Bei Altersnachfolge oder Urlaubsvertretungen muss eine einheitliche Datenbasis vorhanden sein, um die reibungslose Bearbeitung der Arbeitspläne durch verschiedene Planer sicherzustellen und das Know-how langjähriger Mitarbeiter weitergeben zu können: „Dabei wusste der langjährige Mitarbeiter beim Anschauen einer Zeichnung, dass er für eine Bohrung an der betreffenden Maschine zwei Minuten in die selbstprogrammierte Excel-Planzeitmaske eintragen muss“, so Matthias Herzog, zuständig für computergestützte Arbeitsplanung bei Krones. Bis die Nachfolge sich dieses Erfahrungswissen aneignen könne, würde aber zu viel Zeit vergehen.
Die Erfahrung zeigte, dass neue Zeitaufnahmen zwar in einer Excel-Mappe abgelegt wurden, die Arbeitsplaner jedoch aus verschiedenen Gründen dazu neigten, weiterhin die alte, vertraute Liste zu verwenden, da diese tendenziell mehr Akzeptanz fand. Benötigt wurde eine Lösung, welche eine einheitliche Datenbasis für alle Planer des Unternehmens zugrunde legt und die Zusammenarbeit erleichtert. Dabei stellte man schnell fest, dass der SAP-Standard vor allem für Serienfertiger ausgelegt und wenig flexibel ist. So benötigt man bei Krones oft innerhalb weniger Tage neue Zeitbewertungen, wenn etwa ein neues Material zum Einsatz kommt. Dabei ist die Arbeitsplanung im SAP-Standard komplex und durch viele Restriktionen eingeschränkt. So machte man sich auf die Suche nach einem intuitiven Add-on zur Berechnung nachvollziehbarer Planzeiten. Es sollte einfache Werkzeuge bieten, eigene Planungslogiken abzubilden und in SAP nutzbar zu machen.
SAP-Standard erweitern
Seit über zehn Jahren setzt Krones in der Arbeitsplanung inzwischen auf HSplan/IS SAP von HSi. Das Software-Unternehmen entwickelt Softwarelösungen für die Arbeitsplanung, Zeitwirtschaft und Fertigungsorganisation im industriellen Umfeld – insbesondere als Ergänzung zum SAP-Standard. Das Tool ergänzt den SAP-Vorgang um die Ebene der Arbeitsstufen, welche dem Arbeitsplaner eine Zeitberechnung direkt am Vorgang ermöglicht. Dazu bietet die HSi-Lösung die für diesen Arbeitsplatz zugelassenen Berechnungsabläufe an. In einer separaten Eingabemaske werden dann die Parameter zur Planzeitberechnung eingetragen. Im Hintergrund erfolgt die Abarbeitung der Regellogik auf dem HSi-Server. In den Arbeitsstufen werden die berechneten Haupt-, Neben- und Rüstzeiten sowie die generierten Texte gespeichert. Nach Verlassen des Stufeneditors gelangen die Planer zurück in die Vorgangsübersicht. Die berechneten Planzeiten werden automatisiert in die SAP-Zeitfelder für Rüst- und Bearbeitungszeit in allen relevanten Arbeitsplänen übernommen. Eine manuelle Eingabe entfällt. Hinzu kommt die Mehrsprachigkeit der HSi-Lösungen, welche einen globalen Einsatz bei Krones ermöglicht.
Optimierte Variantenplanung
„Wir fahren in der Arbeitsplanung eine globale Strategie und erfassen die Nutzung und Akzeptanz des Tools“, so Matthias Herzog. Dabei habe sich gezeigt, dass heute monatlich etwa 50.000 neue Vorgänge mit HSi bewertet und über 70 Prozent der Arbeitspläne automatisch erstellt werden. Dabei fertigt das Unternehmen überwiegend Variantenteile, was einen automatisierten Ansatz möglich macht.
Dabei muss der Arbeitsplaner nicht mehr in die einzelnen SAP-Vorgänge gehen: Eine Wiederholberechnung wird direkt in der SAP-Umgebung angestoßen und im Hintergrund aktualisierte Planzeiten ermittelt. Bei der automatischen Arbeitsplanerstellung wird ein HSi-Vorlageplan selektiert, bei dem gleiche Merkmale über eine zuvor definierte Logik zu einem ähnlichen Plan für Gleichteile führen. Diese Merkmale können etwa als SAP-Klassifizierung oder Sammelzeichnung vorliegen: „Nehmen wir beispielsweise ein ebenes viereckiges Blech in einer bestimmten Klasse. In dieser ist ein Beziehungswissen hinterlegt, das aussagt: Zum Einsatz kommt Vorlageplan A, wenn das Teil über spezifische vorab definierte Merkmale verfügt“, erläutert Christian Müller, Projektmanager bei HSi, den Prozess. Dabei komme auch die HSi-Technologiebasis zur Anwendung, die standardmäßig mit HSplan/IS SAP ausgeliefert werde und hinterlegte Daten für gängige Verfahren, wie Drehen, Fräsen, Bohren, Schleifen, Sägen, Schneiden oder Schweißen, wie sie bei Krones zum Einsatz kommen, enthalte.
Adaptierbarkeit unterstützt S/4
Der Mehrwert des Add-ons liegt in der intuitiven Erweiterbarkeit: Ohne Programmierkenntnisse ist es im Rahmen des Customizings möglich, am HSi-Regelwerk und der hinterlegten Technologiedatenbasis anzuknüpfen. HSi stellte dem Konzern für vordefinierte Produkte eine Funktion zur Verfügung, mit der Krones heute für jede SAP-Stücklistenposition Zeiten berechnen kann, die Stücklistenmerkmale sowie Klassifizierungsmerkmale ausliest und berücksichtigt. Auf Grundlage dieser Funktion war man in der Lage, ein eigenes komplexes Regelwerk aufzubauen. Die Berechnung erfolgt so anhand der Einzelteile der Stücklistenposition. Das optimiert vor allem die Planzeitberechnung großer Bauteile. Die Adaptierbarkeit der HSi-Lösungen konnte man sich auch bei der S/4-Migration zunutze machen, bei der man zunächst mit einer kompletten Neuinstallation am Fertigungsstandort in Ungarn erste Schritte geht.
Standard erweitern statt verbiegen
Dabei war HSplan/IS SAP eines der ersten Add-ons, das von der IT zugelassen wurde, da der Standard keine vergleichbare Lösung bietet. „Die Art und Weise, wie HSi in SAP integriert ist, kommt vielen unserer Anwender im Transformationsprozess auf SAP S/4 Hana entgegen: Unser Tool verbiegt nicht den Standard, sondern erweitert ihn um die Arbeitsstufen“, so Christian Müller. Beim werkweisen Umstieg auf SAP S/4 Hana würden derzeit bei vielen Unternehmen zunächst zwei SAP-Systeme zum Einsatz kommen. „Die HSi-Webanwendung wurde dahingehend erweitert, dass eine Kommunikation mit mehreren SAP-Systemen reibungslos ermöglicht wurde“, so Christian Müller. Sie versorge R3 und S/4 Hana mit den gleichen Planzeitlogiken. Die Zeiten werden im jeweiligen System gespeichert. Das Regelwerk sowie bestehende Arbeitspläne können vollständig übernommen werden, da die Berechnungen auf dem HSi-Server erfolgen.
Damit die S/4-Migration gelingt
Seit Einführung der Lösung bei Krones konnte man im Januar 2024 den viermillionsten Arbeitsgang mit HSi verzeichnen. Und auch die nächsten Erweiterungen stehen schon in den Startlöchern: So gibt es inzwischen eine Ausweitung der Montagezeitberechnung für Netzplanbaugruppen in S/4 Hana. Und auch eine Lösung für Komponentenzuordnungen in der Endmontage ist im neuen Standard in Planung. Die größte Herausforderung bei der Migration auf SAP S/4Hana sieht Matthias Herzog in der Schaffung konzernweiter standardisierter Arbeitsprozesse: Ein Großteil der vorbereitend nötigen Maßnahmen entfalle auf die Prozessoptimierung. Er empfiehlt die Unterstützung durch spezialisierte Dienstleister. „So lässt sich die Migration auf S/4 für Maschinenbauer gut bewältigen“, stellt er in Aussicht. (Quelle: HSi)
Krones
Krones mit Hauptsitz in Neutraubling, Bayern, entwickelt und fertigt Maschinen sowie komplette Anlagen für die Prozess-, Abfüll- und Verpackungstechnik. Das Portfolio umfasst zudem Lösungen für das Bottle-to-Bottle-Recycling von PET-Flaschen sowie digitale Services, Intralogistik, Behälterdekoration und Ventiltechnik. Täglich werden auf Krones-Anlagen Millionen von Flaschen, Dosen und Behältern verarbeitet – vor allem in der Getränkeindustrie, aber auch in der Lebensmittel-, Chemie-, Pharma- und Kosmetikbranche. Der Konzern beschäftigt weltweit rund 18.500 Mitarbeitende und erzielte 2023 einen Umsatz von 4,72 Milliarden Euro, rund 90 Prozent davon im Ausland. Neben der börsennotierten Krones AG gehören mehr als 100 Tochtergesellschaften und Niederlassungen weltweit zum Unternehmen.


