Optimierte BW-Migration durch Transparenz


Für Unternehmen, die SAP Business Warehouse 7.5 (SAP BW) oder ältere Versionen betreiben, drängt die Zeit. Mit dem Ende des Supports im Dezember 2027 ist die Migration auf moderne Cloud-Plattformen wie Snowflake, Databricks oder SAP Business Data Cloud (SAP BDC) längst nicht mehr nur eine Option, sondern eine betriebliche Notwendigkeit. Doch was viele unterschätzen: Die eigentlichen Kosten entstehen nicht durch die Migration selbst, sondern durch das, was danach kommt.
Lift-and-Shift mit Tücken
Der verbreitete Lift-and-Shift-Ansatz erweist sich dabei als ökonomische Falle. Unternehmen übertragen ihre gesamte SAP-BW-Datenlandschaft unverändert in die Cloud – einschließlich veralteter Reports, ungenutzter Datenobjekte und redundanter Transformationslogiken und -regeln. Was auf den ersten Blick pragmatisch erscheint, offenbart seine Tücken im laufenden Betrieb:
Cloud-Plattformen rechnen nach Compute-Ressourcen und Speichervolumen ab, rund um die Uhr. Jede unnötige Datenabfrage, jeder überflüssige Datensatz generiert Kosten. Ungepflegte Daten arbeiten permanent im Hintergrund und treiben die monatliche Rechnung in die Höhe. Die Ursache dafür liegt in der mangelnden Sichtbarkeit. Legacy-BW-Systeme sind historisch gewachsene Konstrukte, in denen sich über Jahre hinweg Geschäftslogik, Abap-Code und Abhängigkeiten angesammelt haben.
Kaum jemand überblickt noch, welche Daten tatsächlich genutzt werden, welche Berichte geschäftskritisch sind und welche Datenpfade längst obsolet geworden sind. Ohne diese Transparenz gleicht jede Migration einem chirurgischen Eingriff ohne vorherige Bildgebung.
Hier setzt ein strategischer Ansatz an, der Transparenz als Fundament jeder Migrationsentscheidung begreift. Spezielle Tools analysieren die Daten im SAP-BW-System vollständig und machen sichtbar, was über Jahre im Verborgenen lag: ungenutzte Objekte, redundante Datenflüsse, versteckte Abhängigkeiten und die tatsächliche Nutzungsintensität einzelner Reports. Diese „Röntgenaufnahme“ der Datenarchitektur ermöglicht eine fundierte Entscheidung darüber, was wirklich erhalten werden muss und was getrost zurückgelassen werden kann.
Die Vorteile dieser selektiven Migration sind erheblich. Unternehmen können ihren Migrationsaufwand (Kosten und Zeit) durch gezielte vorherige Analyse um bis zu achtzig Prozent reduzieren. Weniger Objekte bedeuten nicht nur geringere Migrationskosten, sondern vor allem niedrigere laufende Cloud-Ausgaben über die gesamte Betriebsdauer. Die Einsparungen akkumulieren sich mit jedem Tag, an dem keine unnötigen Ressourcen verbraucht werden.
Doch Transparenz allein reicht nicht aus. Die eigentliche Herausforderung liegt in der Transformation der Geschäftslogik. Jahrzehnte an Abap-Code enthalten wertvolles Prozesswissen, das nicht verloren gehen darf. Durch KI-gestützte Konvertierung wird diese SAP-Logik in SQL- oder Python-Strukturen umgewandelt. Was früher Monate manueller Reverse-Engineering-Arbeit erforderte, lässt sich heute in einem Bruchteil der Zeit bewältigen. Die umgewandelte Logik wird anschließend validiert, um sicherzustellen, dass sie dem Original entspricht.
Entscheidend für den langfristigen Erfolg ist die Phase nach der Migration. Ohne kontinuierliche Data Governance kehren alte Probleme schnell zurück: Neue Redundanzen entstehen, Datenqualität erodiert, Cloud-Kosten steigen. Die Lösung liegt in einem Datenprodukt-Ansatz, der die bestehende Geschäftslogik in wiederverwendbare, dokumentierte und qualitätsgesicherte Einheiten überführt. Diese Datenprodukte bilden nicht nur die Grundlage für den laufenden Betrieb, sondern schaffen gleichzeitig die Voraussetzung für fortgeschrittene Analytik und KI-Anwendungen.
Chance statt lästiger Pflichtübung
Die SAP-BW-Migration stellt Unternehmen vor eine strategische Weichenstellung. Sie kann als lästige Pflichtübung betrachtet werden, die bestehende Ineffizienzen lediglich auf eine neue Plattform transferiert. Oder sie wird zur Chance, die Datenarchitektur grundlegend zu modernisieren, zu optimieren und langfristig Kosten zu senken. Der Unterschied liegt nicht in der Technologie, sondern im Ansatz: Transparenz vor dem Transfer, Automatisierung während der Migration und nachhaltige Data Governance danach. Wer diese drei Phasen konsequent durchdenkt, verwandelt ein vermeintliches Kostenprojekt in einen strategischen Wettbewerbsvorteil.


