Europa und die KI-Souveränität


Europäische Unternehmen investieren zunehmend in ihre technologische Unabhängigkeit. Laut der aktuellen Accenture-Studie „Sovereign AI: Own Your AI Future. From Managing Risk to Accelerating Growth“ legen sie verstärkt Wert auf die Kontrolle über ihre Daten und Infrastruktur, und die Nachfrage nach souveräner künstlicher Intelligenz wächst rasant. Unter dem Begriff versteht man die Fähigkeit, KI mit eigenen Ressourcen wie Infrastruktur, Daten, Modellen und Fachkräften zu entwickeln und zu betreiben.
Diese Entwicklung wird von geopolitischen Spannungen getrieben: 62 Prozent der europäischen Organisationen setzen auf souveräne KI-Lösungen. Deutschland zählt mit 72 Prozent Zustimmung zu den Spitzenreitern neben Dänemark (80 Prozent) und Irland (72 Prozent). Besonders stark ist die Nachfrage in regulierungsintensiven Branchen mit sensiblen Daten, so im Bankwesen (76 Prozent), in der öffentlichen Verwaltung (69 Prozent) und bei Energieversorgern (70 Prozent).
Investitionsbereitschaft steigt
Zudem zeichnet sich ein deutlicher Anstieg der Investitionsbereitschaft ab: 60 Prozent der europäischen Organisationen wollen in den nächsten zwei Jahren ihre Investitionen in Souveränität und Kontrolle über Cloud, KI, Daten und Sicherheit intensivieren, insbesondere in Deutschland (73 Prozent), Italien (71 Prozent) und der Schweiz (64 Prozent). Bereits die Hälfte der deutschen Organisationen (49 Prozent) hat konkrete Pläne für souveräne Cloud-Lösungen. Dies sind fast doppelt so viele wie im europäischen Durchschnitt (26 Prozent).
KI nicht von hier
„Europa befindet sich in einem Zwiespalt: Einerseits müssen wir die KI-Einführung beschleunigen, andererseits stammen die meisten Technologien nicht von hier. Dass fast drei Viertel der Unternehmen in Deutschland ihre Investitionen in diesem Bereich erhöhen wollen, zeigt klare Entschlossenheit“, kommentiert Christina Raab, Vorsitzende der Geschäftsführung für Accenture in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
„Souveräne KI löst das europäische Dilemma auf: Sie schützt kritische Prozesse und Daten, ohne von globalen Innovationen abzuschotten, und bereitet damit den Boden für Erneuerung und Wachstum vor Ort. Beide sind zwingend notwendig, wenn wir auch in Zukunft in unser Technologie-Ökosystem investieren und europäischen Unternehmen den Weg zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit ebnen wollen.“
Die Umfrage zeigt, dass im Durchschnitt nur 37 Prozent der KI-Initiativen und Daten in europäischen Organisationen aufgrund regulatorischer Anforderungen oder der Sensibilität der Daten einen souveränen Ansatz erfordern.
Auch Deutschland bildet hier keine Ausnahme (38,5 Prozent). Europäische Organisationen suchen einen Mittelweg zwischen Datenkontrolle und dem Zugang zu globaler Innovation: 65 Prozent räumen ein, dass sie ohne außereuropäische Technologieanbieter nicht wettbewerbsfähig bleiben können (Deutschland: 62 Prozent). Entsprechend ziehen 57 Prozent souveräne Lösungen sowohl von europäischen als auch außereuropäischen Anbietern in Betracht. In Deutschland sind es 64 Prozent.
Deutsche setzen auf Transparenz
Wie sich zeigt, setzen deutsche Organisationen dabei eigene Prioritäten: Sie legen überdurchschnittlich hohen Wert auf Transparenz bei Datenzugriff, -speicherung und -verwaltung (87 Prozent vs. 75 Prozent in Europa) sowie auf klare vertragliche Garantien zu Gerichtsbarkeit, Kontrolle und staatlichem Zugriff (84 Prozent vs. 65 Prozent). Die physische Präsenz von Rechenzentren im Land bewerten sie hingegen als weniger entscheidend (51 vs. 73 Prozent).
Quelle: Accenture


