Der KI-Erlebnisworkshop


KI ist nicht Selbstzweck – und deshalb veranstaltet der SAP-Partner Snap sogenannte Erlebnisworkshops zu zahlreichen SAP-Themen. Für die Herausforderung KI wird es 2026 zwei Erlebnisworkshops in Zusammenarbeit mit dem E3-Magazin geben: am 23. April in Heidelberg auf dem Steampunk und BTP Summit und am 11. Juni in Salzburg auf dem Competence Center Summit mit Schwerpunkt CCoE.
E3: Welche Themen solltenSAP-Bestandskunden aktuell aus Anwendersicht betrachten?
Christian Knell, Snap Consulting: Für Anwender stehen vor allem drei KI-Themen im Fokus: Joule for Business, der Einsatz von Joule Agents direkt in den Geschäftsprozessen und die von SAP bereitgestellten Base- und Premium-AI-Features. Ziel ist es, Routineaufgaben zu automatisieren, Entscheidungen besser zu unterstützen und Prozessschritte kontextbezogen zu begleiten.
E3: Für wen eignet sich Joule for Consultants?
Knell: Für Key-User sowie Berater und Inhouse-Berater positioniert SAP nun Joule for Consultants als bevorzugtes Werkzeug. Der Mehrwert: Das Tool bündelt Wissen aus der SAP-Knowledge-Base, also unter anderem aus SAP-Notes, der SAP-Dokumentation, Blogs und weiteren offiziellen Quellen, und vereinfacht den Zugriff darauf. Generell empfehlenswert ist darüber hinaus der Einsatz eines General-Purpose-KI-Tools im Unternehmen, wie etwa ChatGPT, Claude oder Microsoft 365 Copilot. Durch die Integration von relevanten Datenquellen mithilfe von MCP-Servern,
zum Beispiel SAP-Dokumentationen oder Atlassian Confluence, erhalten diese Systeme den nötigen Kontext, um relevante und korrekte Antworten zu liefern.
E3: Welche Themen gibt es aus Sicht der IT-Entwicklungsabteilung?
Knell: Die Entwicklung eigener Joule Skills und Agents mit Joule Studio. So können kundenspezifische SAP-Applikationen und auch Fremdsysteme in das Joule Ecosystem eingebunden werden. Auch die Erweiterung der von SAP ausgelieferten Agents ist relevant. Bestehende und auch neue Applikationen können über KI-Funktionalitäten unter Verwendung des Abap AI SDK oder LangChain (UI5, CAP) erweitert werden.
E3: Und SAP BDC?
Knell: Interessant ist die Anbindung von relevanten Datenquellen über SAP Business Data Cloud, BDC. So wird sichergestellt, dass Joule entsprechender unternehmensspezifischer Kontext über S/4 hinaus – SAP Datasphere, SAP Analytics Cloud, SAP Business Warehouse etc. – zur Verfügung steht.
E3: Wie kann sich ein SAP-Bestandskunde dem Thema SAP Business AI nähern?

“Der Einstieg in SAP-KI gelingt am besten über eine Kombination aus Praxis, Selbstlernen und gezielter Qualifizierung.”
Christian Knell,
CEO,
Snap Consulting
Knell: Der Einstieg in SAP-KI gelingt am besten über eine Kombination aus Praxis, Selbstlernen und gezielter Qualifizierung. Ein guter erster Schritt sind die SAP Tutorials im Learning Hub. Um die Lerninhalte praktisch auszuprobieren, stellt SAP die notwendige Infrastruktur als Free-Tier-Angebot zur Verfügung.
E3: Dann gibt es das Discovery Center: Learning Journeys?
Knell: Ja, das SAP Discovery Center bietet Learning Journeys, die mithilfe eines Project-Boards durch Themen, Anwendungsfälle und Produkte führen und dabei Inhalte vermitteln und Praxisbezüge herstellen.
E3: Zudem werden noch die Snap-Erlebnisworkshops mit jeweils einem Schwerpunkt auf den SAP-Community-Summits in Heidelberg am 23. April und in Salzburg am 11. Juni dieses Jahres angeboten.
Knell: Der Erlebnisworkshop ist ein schneller, praxisnaher Einstieg mit Vermittlung von Grundlagen, konkreten Anwendungsfällen und echten Projekterfahrungen.
E3: Fallen versteckte Kosten und unvorhersehbare Gebühren wie AI‑Units, Consumption etc. an?
Knell: Die anfallenden Kosten werden grundsätzlich von SAP transparent dargestellt – zum Beispiel im Discovery Center oder in explizit dafür vorgesehenen SAP-Notes (3437766, Availability of Generative AI Models – SAP for Me). Gewöhnungsbedürftig ist die Verwendung von virtuellen Währungen wie den AI-Units, die mit einem Umrechnungsfaktor in Euro konvertiert werden müssen. Dieser ist abhängig von den Konditionen, die ein Kunde mit SAP zum Kauf der Units vereinbart hat. Für den Verbrauch der AI-Units durch Services bietet SAP auch einen AI-Feature-Estimator im Discovery Center an. Auf Consumption basierende Verrechnung muss regelmäßig geprüft werden, siehe Governance, besonders intensiv in den ersten Wochen und Monaten der Verwendung. Danach trotzdem regelmäßig. Auch sollte regelmäßig geprüft werden, ob Services, die man subscribt hat, tatsächlich genutzt werden. Die eine oder andere Überraschung bei einer Faktura von SAP kann es schon geben.
E3: Wie gewährleistet SAP die Datensouveränität und Compliance nach DSGVO, wenn sensible ERP-Daten an externe Hyperscaler-LLMs übermittelt werden?
Knell: SAP betont „Responsible AI“ mit Fokus auf Ethik, Security und Compliance und verweist auf eine entsprechende AI‑Governance für Lösungen wie Joule, AI-Core und AI-Launchpad. Weiters wird zugesagt, dass Kundendaten nicht an Drittanbieter‑LLMs zur Modell‑Trainingsnutzung weitergegeben oder dauerhaft gespeichert werden. Die Absicherung erfolgt über SAP-Vertragsrahmen und DPA inklusive technischer und organisatorischer Maßnahmen wie TOMs sowie DSGVO‑Mechanismen wie SCC/IDTA und Subprozessor‑Transparenz, auffindbar im SAP Trust Center. Für AI-Core und GenAI-Hub stehen zusätzliche Datenschutzmaßnahmen wie Data-Masking, Content-Filtering und Maskierung sowie Pseudonymisierung zur Verfügung.
E3: Ist SAP BTP als Fundament für KI-Innovation ausgereift genug, um als langfristige Enterprise-Plattform zu bestehen?
Knell: Für viele Unternehmen ist SAP-Software bereits die zentrale Plattform für geschäftskritische Anwendungen. Hier liegt ein starkes Argument für SAP BTP, nämlich einen einheitlichen Zugang zu KI zur Verfügung zu stellen. Insbesondere ist die Integration mit anderen KI-Plattformen in der Praxis anspruchsvoll, da Daten, Identitäten, Berechtigungen und Prozesse über Systemgrenzen hinweg sauber zusammenspielen müssen. Ein weiterer Mehrwert ist die Abdeckung typischer Unternehmensanforderungen wie Sicherheits‑, Compliance‑, organisatorischer und regulatorischer Leitplanken, die berücksichtigt werden müssen. Für Kunden reduziert das den Aufwand, weil Integration, Governance und Betrieb nicht für jeden Modellanbieter neu implementiert werden müssen.
E3: Führt der generative AI-Hub nicht zu einem zusätzlichen Vendor-Lock-in, da der Bestandskunde für die Nutzung von Drittanbieter-LLMs an SAP gebunden ist?
Knell: Der GenAI-Hub dient als zentrales Service in der Enterprise-Architektur und macht somit den Wechsel bzw. das Upgrade von verwendeten AI-Modellen in Custom-Code einfacher, da er API-Spezifika von LLMs maskiert. Dadurch entsteht auch eine Architekturabhängigkeit. Ist es aber dringend notwendig, ein LLM oder AI-Tools anderer Anbieter im kundenspezifischen Coding anzubinden, ist dies auch ohne AI-Core-Nutzung über API-Consumption, etwa Webservice, möglich. So wird jedoch auch die IT-Landschaft komplizierter.
E3: Warum sind wesentliche KI-Innovationen nur für die SAP-Cloud verfügbar?
Knell: Dies wird offen von SAP kommuniziert. Der strategische Fokus liegt ganz klar auf dem Cloud-Geschäft. Dadurch wird die überwiegende Mehrheit der Innovationen auch nur noch in der Cloud zur Verfügung gestellt. Vereinzelt sind Features jedoch auch für On-prem-Kunden nutzbar, wie etwa die Anbindung von KI-Modellen für kundeneigene Entwicklungen via Abap-AI-SDK und Generative AI-Hub auf der BTP.
E3: Wie steht es um das Thema Zuverlässigkeit und Nachvollziehbarkeit, also Explainable AI?
Knell: Bisher fährt SAP bei Tätigkeiten, die Änderungen am System durch Joule Skills oder Agents herbeiführen, einen „Human in the Loop“-Ansatz. Kommt ein Agent zu dem Schluss, dass Buchungen durchgeführt werden müssen, ist eine explizite Bestätigung durch den User erforderlich. Bei von SAP ausgelieferten KI-Funktionalitäten, die auf den Generative AI-Hub bzw. AI-Core aufsetzen, werden Techniken zum Grounding der LLMs verwendet, zum Beispiel Retrieval Augmented Generation. Zusätzlicher Kontext soll Halluzinationen entgegenwirken. Für Eigenentwicklungen ist der Kunde verantwortlich. Neben der Verwendung der Vector-DB-Funktionalität von Hana für die Bereitstellung zusätzlichen Kontexts können dem LLM auch Aufrufe von Tools, etwa in Abap implementierte Methoden, für kritische Berechnungen oder Ermittlungen bereitgestellt werden. Die Nachvollziehbarkeit und Explainability von Agents sollen auch über Monitoring-Funktionen gewährleistet werden. Berechtigungen werden von den aufgerufenen SAP-Systemen so an den SAP-Identity-Provider propagiert, dass kein User Tätigkeiten via Joule durchführen kann, die auch manuell aufgrund fehlender Berechtigungen verboten sind.
E3: Verhindert SAP „astronomischen“ Schaden durch Agentic-AI und Joule Agents?
Knell: Der „Human in the Loop“-Ansatz verschiebt die Verantwortung zu den Anwendern, hier ist zumindest eine Hürde zu überwinden. Ansonsten gilt wie bei jeder von SAP ausgelieferten Softwarekomponente: Bugs sind grundsätzlich möglich und können Auswirkungen auf produktive Daten und Prozesse haben. Im Zuge von Upgrade-Projekten müssen diese Prozesse mitberücksichtigt werden.
E3: Gibt es realistische GenAI‑Use‑Cases in S/4 für Bestandskunden?
Knell: Der Umfang an zur Verfügung gestellten Funktionalitäten ist im SAP Discovery Center einsehbar, hier finden Sie konkrete Ansätze – wie bei jeder Investition ist vorher zu prüfen, ob diese in der konkreten Kundensituation einen ROI bieten kann. Wir haben sehr positive Erfahrungen bei Kunden mit Document-AI, dem Recommendation-Service oder KI-basierten maschinellen Übersetzungen via SAP-Translation-Hub. Ein weiterer Punkt ist der Einsatz von Agents, die viele Prozesse in Zukunft automatisieren werden. Wir bemerken die Nachfrage nach Automatisierung mittels Agents in Greenfield-Projekten.
E3: Wie realistisch sind Citizen-Developer ohne Abap-Code für geschäftskritische KI‑Apps wie
SAP Build Code und Joule Studio?
Knell: Es gilt das Gleiche wie bei Low-Code/No-Code-Entwicklungen herkömmlicher Anwendungen. Gegenüber Pro-Code ist der Umfang an Möglichkeiten sicherlich begrenzt. In vielen Fällen sind trotz Verwendung von Low-Code/No-Code-Tools wie Joule Studio tiefere technische Kenntnisse von Vorteil. Oft ist die Hürde für Citizen-Developer nicht das Tool, sondern die strukturelle Vorgehensweise und Logik für die Entwicklung von Programmabläufen. SAP plant jedoch auch Pro-Code-Agents auf der BTP, mit denen Anforderungen abgedeckt werden können, die über die Möglichkeiten des Low-Code/No-Code-Ansatzes hinausgehen.
E3: Und Abap‑Eigenentwicklungen?
Knell: Für Eigenentwicklungen bietet sich die Verwendung des Abap-AI-SDK an. Dieses ist ab S/4 mit SAP_BASIS 7.56 verfügbar. Damit können im Generative AI-Hub bereitgestellte Modelle direkt aus Abap heraus aufgerufen werden. Das Abap-AI-SDK bietet außerdem Funktionalitäten, um Abap-Methoden durch die KI aufrufen zu lassen. Das ist auch im UI5- und CAP-Umfeld möglich, beispielsweise unter Verwendung von Libraries wie LangChain. Wie groß die notwendigen Eingriffe in den Code sind, hängt stark von Struktur und Qualität der bestehenden Programme ab. Alternativ können auch beliebige KI-Tools bzw. LLMs per Webservice in bestehende Abap-Applikationen eingebunden werden.
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