Der KI-Einsatz verändert das Projektgeschäft


Der Beratungsmarkt stand in den vergangenen Jahren unter enormem Druck: Der Fachkräftemangel bremste vielerorts die Geschäftsentwicklung, während die Nachfrage nach Beratungsleistungen in zahlreichen Segmenten das verfügbare Angebot deutlich überstieg. Besonders das Projektgeschäft florierte, getrieben vom digitalen Wandel, den Unternehmen mit Nachdruck vorantreiben wollten. Im SAP-Markt kam ein Sonder-Boom hinzu – ausgelöst durch die Migration auf S/4 Hana.
Diese Entwicklung führte zu einem regelrechten Wettbewerb unter Beratungshäusern, die sich gegenseitig Experten abwarben, um dem steigenden Kundenbedarf gerecht zu werden. In der Folge stiegen die Personalkosten spürbar – und damit auch die Honorare für Beratungsleistungen. Trotz intensiver Bemühungen der Service Provider, Projektarbeit mithilfe von Tools, Templates und Methoden effizienter, flexibler, skalierbarer und wiederholbar zu gestalten, blieb der Erfolg begrenzt.
Das alte Dogma der Branche – „Consulting is people business“ – behielt seine Gültigkeit. Das war auch akzeptabel, solange die Nachfrage nach Digitalisierung von Geschäftsmodellen in einer boomenden Wirtschaft für eine komfortable Auslastung der Beratungsunternehmen sorgte.
Doch die Lage hat sich grundlegend gewandelt. Die wirtschaftliche Situation, insbesondere in Deutschland, ist angespannt. Unternehmen sehen sich gezwungen zu sparen, und IT-Dienstleister müssen sich erstmals seit vielen Jahren ernsthafte Gedanken über die Auslastung ihrer Consultants machen.
Ist KI die Hoffnung für Projektimpulse?
In dieser neuen Realität rückt die künstliche Intelligenz in den Fokus. So sorgt die Nachfrage nach KI-Lösungen zumindest für ein wenig Hoffnung auf neue Projektimpulse. Laut PAC-Analysen bleibt der Effekt auf die Auslastung der Beratungshäuser jedoch bislang begrenzt, da vielerorts nur kleinere Projekte initiiert werden, die zudem spezielle Beraterprofile erfordern.
Spannender ist der Einsatz von KI in den eigenen Geschäftsprozessen der Beratungsunternehmen. In der Service Delivery, etwa im Application Management (AM), in der Softwareentwicklung und im Testing ist der KI-Einsatz bereits weit fortgeschritten.
Neu und besonders interessant ist die Nutzung von KI in frühen Phasen des Projektgeschäfts: bei der Bearbeitung von RFIs und RFPs, der Scope-Definition, Marktanalysen oder Szenarioplanung. Gerade in diesen Aufgabenfeldern wurden bislang Junior-Berater eingesetzt, um erste Projekterfahrungen zu sammeln und sich in die Beratungsarbeit einzuarbeiten. Nun soll die KI ihre Arbeit übernehmen.
Noch funktioniert der KI-Einsatz in diesen Bereichen nur leidlich. Doch das ist nicht der entscheidende Punkt, denn die Modelle werden kontinuierlich besser und die Technologie reift. Die Aussicht auf Einsparungen bei Personalkosten und gleichzeitig beschleunigte Prozesse hat bereits dazu geführt, dass insbesondere große Beratungshäuser den KI-Einsatz über alle Projektphasen hinweg systematisch vorantreiben.
Kurzfristige Einsparungen beim Personal
Kurzfristig darf die Branche auf Entlastung bei den Personalkosten hoffen, sobald die KI für die angesprochenen Beratungsfelder einsatzfähig ist. Erfahrene Consultants mit tiefem Branchenwissen und gutem Kundenzugang bleiben jedoch auch in Zeiten von KI unverzichtbar. Schwieriger dürfte es vorerst für Junior Consultants werden, die mithilfe der Jobs, die nun die KI übernehmen soll, an die Beratung herangeführt wurden.
Doch wenn kurzfristig weniger Juniors in die Projektarbeit eingebunden werden, droht langfristig ein Mangel an erfahrenen Beratern. KI kann den Fachkräftemangel also bestenfalls temporär lindern – es sei denn, sie entwickelt sich tatsächlich so rasant und leistungsfähig, dass die KI langfristig auch die erfahrenen Consultants ersetzt.
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