KI-Readiness beginnt im SAP-System


E3: Was war der ausschlaggebende strategische Treiber für die Übernahme von Bluetelligence – und warum ist gerade SAP-Metadatenmanagement der nächste logische Schritt in der Entwicklung von Theobald Software?
Michael Bässler, Theobald Software: Theobald Software ist seit 2004 der führende Spezialist für nahtlose SAP-Integration und gibt über 1700 aktiven Kunden aus allen Branchen die Möglichkeit, SAP-Daten in nahezu beliebigen Drittsystemen zu nutzen, ob on-premises oder in der Cloud. Bluetelligence bringt 17 Jahre Marktexpertise in der automatisierten Dokumentation, Analyse, Data Lineage, Migration, Übersetzung und Katalogisierung von SAP-Metadaten mit. Der ausschlaggebende strategische Treiber war die Erkenntnis, dass exzellente SAP-Integration allein nicht
ausreicht. Wer SAP-Daten aus einem System in ein anderes überträgt, muss auch wissen, was diese Daten bedeuten, woher sie stammen und in welchem Kontext sie stehen. Konkret stellt Theobald Software den semantischen Layer mit den semantischen Informationen der SAP-Daten bereit, das Metadatenmanagement von Bluetelli-gence liefert dazu die strukturierten Informationen über Herkunft, Kontext und Abhängigkeiten. Bluetelligence ist in diesem Bereich Marktführer und bietet spezialisierte Lösungen für die automatisierte Analyse und Wartung von SAP-Metadaten. Diese Spezialisierung vervollständigt das Kerngeschäft von Theobald Software, indem sie die semantische Ebene mit strukturiertem Metadatenwissen unterfüttert. SAP-Metadatenmanagement ist der nächste logische Schritt, weil sich die Anforderungen der Kunden verschoben haben: Es geht nicht mehr nur darum, Daten zu bewegen, sondern sie intelligent nutzbar zu machen. Wer Datenqualität, Governance und KI-Readiness ernst nimmt, braucht strukturiertes Wissen über seine SAP-Inhalte, und genau dieses semantische Wissen liefert die Kombination aus Integration und Metadaten.
E3: Viele Unternehmen kämpfen mit mangelnder Transparenz und Dokumentation in komplexen SAP-Landschaften. Wie verändert die Kombination aus SAP-Inte-gration und Metadatenmanagement konkret den Alltag von SAP-Architekten, Data Engineers und Fachbereichen?
Bässler: Der Zugang zu SAP-Daten und deren Extraktion bleibt für analytische Anwendungsfälle eine erhebliche Herausforderung. Die verfügbaren Optionen sind begrenzt, und deren Implementierung erfordert tiefgreifendes technisches Know-how – ein Engpass, der schnelle Umsetzungen regelmäßig ausbremst. Für SAP-Architekten bedeutet die Kombination aus Integration und Metadatenmanagement, dass sie komplexe Systemlandschaften erstmals vollständig dokumentiert und analysierbar vor sich haben, nicht auf Basis manueller Pflege, sondern automatisiert. Data Engineers profitieren davon, dass sie nicht nur Pipelines bauen, sondern auf Anhieb verstehen, welche SAP-Objekte, Felder und Abhängigkeiten relevant sind. Darüber hi-naus können Kunden SAP-Daten und ihre Zusammenhänge in verständlicher Geschäftssprache erkunden, womit der SAP-Datenzugang auch für Nicht-Techniker handhabbar wird, während integrierte Governance-Funktionen Datenqualität und Transparenz messbar verbessern. Für Fachbereiche entsteht dabei erstmals echte Selbstständigkeit: Statt auf die IT-Abteilung warten zu müssen, können sie Kennzahlen, Berichte und Datenherkünfte selbst nachvollziehen. Das webbasierte Enterprise Glossary von Bluetelligence unterstützt Fachbereiche bereits heute dabei, Kennzahlen und Berichte eigenständig zu verwalten und zu pflegen. Der MCP-Server von Theobald Software erweitert diese Möglichkeiten zusätzlich: Er verbindet AI-Agents direkt mit SAP-Systemen, denn AI-Use-Cases sind nur dann ein wirklicher Mehrwert, wenn die Datenbasis korrekt ist. Die Kombination aus verlässlicher Integration und strukturiertem Metadatenmanagement schafft genau diese Grundlage.
E3: Das SAP-Umfeld ist geprägt von spezialisierten Tools für Integration, Governance und Analytics. Worin sehen Sie nach dem Zusammenschluss den entscheidenden Differenzierungsfaktor gegenüber klassischen ETL-, Data-Governance- oder SAP-ALM-Lösungen?
Bässler: Die Verbindung von Theobald Software und Bluetelligence bringt zwei spezialisierte Unternehmen zusammen, die in ihrer jeweiligen Nische als Marktführer gelten. Das Ergebnis ist ein durchgängiges Angebot, das die gesamte Bandbreite von der Entdeckung und Analyse von SAP-Daten, inklusive Data Lineage und Datenqualität, bis hin zur tatsächlichen Extraktion und Integration in Zielsysteme abdeckt. Klassische ETL-Werkzeuge bewegen Daten, kümmern sich aber nicht um deren Bedeutung und Herkunft. Data-Governance-Plattformen aus dem allgemeinen Markt erfassen SAP-Metadaten zwar konzeptionell, verfügen aber nicht über die tiefe SAP-native Konnektivität, die für unternehmenskritische Szenarien zwingend erforderlich ist. SAP-eigene ALM-Tools decken systemseitige Lebenszyklen ab, sind aber keine Brücke in die BI- und Analy-tics-Welt. Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal ist die Metadata API: Sie ermöglicht SAP-Metadatenextraktion auf sehr detailliertem Niveau und wird bereits als OEM-Komponente in mehreren namhaften Kataloglösungen eingesetzt, um diese mit
tiefem SAP-Systemwissen anzureichern. Theobald Software mit Bluetelligence ist das einzige Angebot, das SAP-Integration und SAP-Metadatenmanagement aus einer Hand liefert – mit nachgewiesener Tiefe in beiden Disziplinen und einer Kundenbasis, die einen Großteil der DAX-Unternehmen umfasst.

“Es geht nicht mehr nur darum, Daten zu bewegen, sondern sie intelligent nutzbar zu machen.”
Michael Bässler,
Chief Product and Technology Officer,
Theobald Software
E3: In der Pressemitteilung betonen Sie die wachsende Bedeutung von künstlicher Intelligenz. Welche Rolle spielen strukturierte SAP-Metadaten künftig als Fundament für automatisierte Prozesse, vertrauenswürdige KI-Modelle und daten-getriebene Entscheidungen?
Bässler: Die Verbindung aus nahtloser SAP-Integration und tiefgreifendem Metadatenmanagement schafft eine neue Dimension an Datentransparenz. Unternehmen können ihre SAP-Daten damit wirkungsvoller nutzen, durch intelligentere Automatisierung, lückenlose Dokumentation und gezielte Analyse. Das ist vor allem mit Blick auf die wachsenden Anforderungen durch künstliche Intelligenz von zentraler Bedeutung. KI-Modelle sind nur so vertrauenswürdig wie die Daten, auf denen sie basieren. Und Daten aus SAP-Systemen sind nur dann verlässlich nutzbar, wenn klar ist, was sie repräsentieren – welche Berechnungslogik hinter einer Kennzahl steckt, welche Transformationen sie durchlaufen hat, welche Abhängigkeiten bestehen. Strukturierte SAP-Metadaten liefern genau diesen Kontext. Die optimale Verfügbarkeit und Nutzbarkeit von Daten bilden die Grundlage für datengetriebene Entscheidungen und den erfolgreichen Einsatz von KI. Ein zentraler Baustein dieser Nutzbarkeit sind Datenprodukte: fachlich kuratierte, qualitätsgesicherte und semantisch angereicherte Datensätze, die als wiederverwendbare Assets anderen Teams zur Verfügung stehen. Durch die Kombination aus Integration und Metadatenmanagement können solche Datenprodukte nicht nur bereitgestellt, sondern auch kontinuierlich dokumentiert, versioniert und auf ihre Qualität hin überwacht werden. Konkret bedeutet das: Automatisierte Prozesse können SAP-Metadaten nutzen, um Datenpipelines selbstständig zu konfigurieren, Anomalien zu erkennen und Änderungen in SAP-Systemen nachzuverfolgen. Für KI-gestützte Anwendungen in Finance, Supply Chain oder HR ist ein belastbares Metadatenfundament keine Option, sondern Voraussetzung.
E3: Wie sieht die technische und organisatorische Integration von Bluetelligence aus, und welche Produkt- oder Innovationsschritte dürfen Kunden mittel- bis langfristig erwarten?
Bässler: Torsten Schmidt, Gründer und bisheriger CEO von Bluetelligence, bleibt dem Unternehmen in aktiver und beratender Funktion erhalten. Diese personelle Kontinuität ist kein Zufall, sondern Programm: Das SAP-Metadaten-Know-how von Bluetelligence soll vollständig in die Theobald-
Gruppe überführt und ausgebaut werden, nicht durch eine Übernahme auf dem Papier verwässert werden. Die Verbindung aus nahtloser SAP-Integration und spezialisiertem Metadatenmanagement eröffnet eine neue Qualität an Datentransparenz. Unternehmen profitieren von einem ganzheitlichen Portfolio, das intelligente Automatisierung, strukturierte Dokumentation und tiefergehende Analyse ihrer SAP-Daten ermöglicht – und damit die Grundlage für fundierte, datengetriebene Entscheidungen legt. Mittelfristig steht die tiefere technische Verzahnung der Produkte beider Unternehmen im Fokus: Meta-daten aus Bluetelligence sollen die Daten-extraktionslösungen von Theobald Software intelligenter machen. Langfristig ist das gemeinsame Ziel, die Technologieführerschaft im SAP-Umfeld weiter auszubauen und Kunden praxisnahe Lösungen zu bieten, die Transparenz, Effizienz und Datenintelligenz messbar steigern. Dabei spielt vor allem die Implementierung von KI-gestützten Ansätzen in das gemeinsame Produktportfolio eine entscheidende Rolle. (pmf, Quelle: Theobald Software)






